Neupräsentation der MAK-Sammlung "Textilien und Teppiche"

Die Neupräsentation der Schausammlung "Textilien und Teppiche" im MAK gewährt einen Einblick in kostbare Objekte von der Spätantike bis zur Gegenwart. Die Sammlung umfasst Meisterwerke aus Europa und Ostasien.

Die MAK-Sammlung ist eine der weltweit wertvollsten und umfangreichsten musealen Sammlungen ihrer Art. Mit dem Schwerpunkt auf einzigartige mamlukische und safawidische Teppiche des 16. und 17. Jahrhunderts zählt sie zu den glanzvollsten Bereichen dieses Sammlungssegments.

Für die Inszenierung dieser Meisterwerke konnte das international renommierte Mailänder Designstudio Formafantasma gewonnen werden. Anders als bei der früheren permanenten Präsentation, die sich allein auf die hochkarätige Teppichsammlung fokussierte, werden die Teppiche nun mit Highlights aus der Textilsammlung kontextualisiert. Mit diesem erweiterten kuratorischen Konzept macht das MAK die Vielfalt und den Reichtum dieses Sammlungsbereichs auch in der Schausammlung erfahrbar.

Für die Präsentation der fragilen Textilien setzt Formafantasma auf zarte Farbakzente, eine atmosphärische Lichtregie und großformatige Glasvitrinen. Damit werden die Besucher:innen so nah wie möglich an die kostbaren Sammlungsobjekte herangeführt, ohne deren Sicherheit zu gefährden. Die Objekte ruhen auf „Forget-Me-Not”, einem perlmuttfarbigen Moiré-Stoff des traditionsreichen venezianischen Familienunternehmens Rubelli. Für Rubelli sind Andrea Trimarchi und Simone Farresin, die beiden Formafantasma-Gründer, seit 2023 als Kreativdirektoren tätig.

Um den hohen konservatorischen Anforderungen der empfindlichen Textilien zu entsprechen, wird die Auswahl der Exponate regelmäßig gewechselt. Einzelne Objekte sind in ausziehbaren Laden zugänglich. So bleiben sie vor Licht geschützt langfristig erhalten und können dennoch von Besucher:innen im Detail betrachtet werden.

Die Präsentation macht die kulturellen Verflechtungen der Sammlungsobjekte sichtbar und legt spannende Details aus ihren Objektbiografien, zur Provenienz und zur Museumsgeschichte offen. Gezeigt werden sowohl gewebte und gewirkte Textilien als auch Knüpfteppiche. Sie sind den gewebsbildenden Techniken zuzuordnen, bei denen die Muster bereits während der Herstellung entstehen. Bedruckte, bemalte und bestickte Werke, deren Dekor nachträglich hinzugefügt wurde, repräsentieren dagegen verzierende Techniken.

Nach einer umfangreichen Restaurierung wird der seidene Mamlukenteppich aus dem frühen 16. Jahrhundert aus der Region des heutigen Ägyptens erstmals wieder in der Schausammlung ausgestellt. Das prachtvolle Stück aus dem Besitz der Habsburger gelangte nach dem Ersten Weltkrieg in die Sammlung des MAK. Charakteristisch für Teppiche dieses Typs sind Muster, die aus oktogonalen und sternförmigen Elementen gebildet sind, und die in kaleidoskopartig arrangierten Rot-, Gelb-, Blau- und Grüntönen gehalten sind. Dieses Exemplar ist jedoch einzigartig: Als einziger weltweit erhaltener Mamlukenteppich, dessen Knoten aus Seide gefertigt sind, zählt er zu den absoluten Highlights der Sammlung. Er wird als Auftakt der Neuaufstellung besonders prominent gewürdigt.

In der MAK-Sammlung werden darüber hinaus osmanische und safawidische Teppiche, solche aus der Zeit der Mogulherrscher sowie europäische Savonnerien für die Nachwelt bewahrt. Sie sind ebenfalls in der Präsentation vertreten.

Zu den gezeigten Höhepunkten zählt ein Nischenteppich mit Millefleurs-Dekor aus Nordindien aus dem 18. Jahrhundert. Er wurde 1868 als erster Teppich für die Museumssammlung von der Mechitaristen-Kongregation in Wien erworben. Ein weiteres Highlight ist der rotgrundige „Tintoretto-Teppich“. Er entstand um 1600 im westanatolischen Raum. Er zeigt die typische doppelte Nischen-Motivik sowie chinesische Wolkenbänder und birgt eine kriminalistisch brisante Geschichte. Nach einem Diebstahl im Jahr 1959, bei dem der Täter im Zuge einer internationalen Fahndung in Paris gefasst wurde, kehrte der Teppich ein Jahr später wieder ins Museum zurück.

Die Präsentation der Teppiche zusammen mit verwandten Textilien macht kulturelle Verflechtungen und das Zirkulieren von Motiven nachvollziehbar. So verweist beispielsweise ein französischer Kaschmirschal mit der Darstellung des persischen Neujahrsfestes Nouruz neben einem indischen Millefleurs-Teppich auf die europäische Shawlmode des 18. und 19. Jahrhunderts. Eine Satteldecke aus der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts zeigt, wie weitgereiste Motive, wie das buddhistische Chintamani-Muster, in Bekleidungs- und Interieurtextilien höherrangiger Persönlichkeiten im Osmanischen Reich Einzug hielten.

Auch Sammlerpersönlichkeiten, die die MAK-Sammlung maßgeblich prägten, werden in der Auswahl und in den Objekttexten gewürdigt. So ist die legendäre Sammlung des österreichischen Bankiers und Kunstsammlers Albert Figdor durch eine Strickjacke aus dem 17. Jahrhundert mit eingearbeiteten Gold- und Silberfäden in der Sektion „Bekleidung, liturgische Gewänder und Textilien” vertreten. Ebenfalls Eingang in die Ausstellung gefunden hat der als „Scherenbock“ bekannte Aachener Kanonikus Franz Bock, der für seine mit der Schere fragmentierten Textilien berühmt war. Diese sind heute in zahlreichen europäischen Sammlungen verstreut. Bocks Ziel, eine Vorbildsammlung für die Produktion liturgischer Textilien im Historismus zu schaffen, spiegelt sich in der Sammlungspraxis seiner Zeit wider – etwa in den Kopien von Philipp Haas & Söhne – und findet in der Ausstellung entsprechende Würdigung.

Unter den gewirkten Textilien ist eine „Wilde Leute“-Tapisserie hervorzuheben, die zu den Höhepunkten der mittelalterlichen Tapisserien des MAK zählt. Daneben finden sich spätantike Fragmente aus dem heutigen Ägypten, die häufig fälschlicherweise pauschal als „koptisch“ bezeichnet werden.

Im Bereich der Stickerei, einer der prominentesten Verzierungstechniken, steht das Antependium des Gösser Ornats im Mittelpunkt. Dieser nahezu vollständig erhaltene romanische Ornat aus der Mitte des 13. Jahrhunderts zeigt unter anderem seine Stifterin, Äbtissin Kunigunde II., in einer farbenprächtigen Seidenstickerei auf Leinen. Die Druck- und Maltechniken sind durch ein Element eines Paradebettes aus Schloss Hof aus dem Besitz Prinz Eugens vertreten. Mit Applikationsstickereien reich verziert, zeigt es neben den dafür eingesetzten indischen Textilien eine von der Mode der Chinoiserien inspirierte Motivik.

Abgerundet wird die Präsentation durch einen maschinell hergestellten Designerteppich von Virgil Abloh, den IKEA 2019 im Rahmen der Limited Edition „Markerad” auflegte. Es handelt sich dabei um das einzige Stück, das nicht aus der Textil-, sondern aus der Designsammlung stammt. Die Präsentation dieses Massenprodukts lädt die Besucher:innen dazu ein, die aktuelle bzw. zukünftige Sammlungspraxis des Museums entlang der Materialordnung in unserer global vernetzten Welt zu reflektieren.

Formafantasma ist ein forschungsbasiertes Designstudio, das sich mit den ökologischen, historischen, politischen und sozialen Kräften befasst, die das Designwesen heute prägen. Seit der Gründung des Studios im Jahr 2009 setzen sich die beiden Italiener Andrea Trimarchi und Simone Farresin für die Notwendigkeit einer Werteorientierung in Verbindung mit ganzheitlichem Designdenken ein. Das Büro mit Studios in Mailand (Italien) und Rotterdam (Niederlande) arbeitet mit einem breiten Spektrum an Typologien und Methoden – vom Produktdesign über Raumgestaltung bis hin zu strategischer Planung und Designberatung. Die Projekte des Studios wurden in die Sammlungen vieler internationaler Museen aufgenommen, darunter das MoMA und das Metropolitan Museum of Art in New York, das Art Institute of Chicago, das Victoria and Albert Museum in London, das Musée d’Art Moderne de Paris, das Musée des Arts décoratifs und das Centre Georges-Pompidou in Paris, das MAXXI – Museo Nazionale delle Arti del XXI Secolo in Rom und viele andere.

Neupräsentation
MAK Schausammlung Textilien und Teppiche
ab 25.03.2026