22. Juli 2020 - 21:09 / Aktuell / Malerei 

Das Kunstmuseum Basel präsentiert in seiner Sammlung jetzt zusätzlich sieben herausragende Werke hauptsächlich fauvistischer KünstlerInnen. Damit wird die Sammlung in einem Bereich der französischen Moderne gestärkt, der im Vergleich zu den erstklassigen Kubismus Beständen bislang nur wenig prominent vertreten war.

Gemälde von André Derain, Georges Braque, Maurice de Vlaminck und anderen werden anlässlich der Neupräsentation im Bereich der Klassischen Moderne im zweiten Obergeschoss des Hauptbaus ab 7. Juli 2020 als Dauerleihgaben in die Sammlung integriert. Das Kunstmuseum kann außerdem aus der Sammlung der Leihgeber ein bedeutendes Gemälde von Gabriele Münter erwerben.

Bei den erstmals in Basel ausgestellten Werken handelt es sich um folgende Gemälde:

André Derain, "Pêcheurs à Collioure" (Fishermen at Collioure), 1905
Maurice de Vlaminck, "Bords de la Seine à Carrières-sur-Seine" (Soleil de Printemps – Bord de Seine), 1906
Georges Braque, "Port de L'Estaque" (Port of L'Estaque), 1906
Raoul Dufy, "Les Passantes" (The Passersby), ca. 1906-07
Kees van Dongen, "Portrait de Dolly" (Portrait of Dolly), ca. 1910
Albert Marquet, "Bord de la Seine à Paris en hiver, vu de l'atelier du peintre", ca. 1924
Gabriele Münter, "Murnauer Strasse" (Street in Murnau), 1908 (Ankauf)

Alle Werke stammen aus einer auf den Fauvismus ausgerichteten Schweizer Privatsammlung. Der Fauvismus ist ein Stil, den Henri Matisse und André Derain 1905 bei einem Aufenthalt im südfranzösischen Collioure entwickelten. Die geschockte Pariser Kunstkritik apostrophierte die neue Kunstrichtung angesichts der ungezügelten und kontrastreichen Farbigkeit als die Kunst wilder Tiere ("fauves").

Einige der Gemälde waren fast 20 Jahre lang Teil einer Dauerleihgabe an die Courtauld Gallery in London, die derzeit umfassend renoviert wird. Die Eigentümer der Sammlung äußern sich erfreut darüber, mit ihren Dauerleihgaben ans Kunstmuseum Basel eine Lücke in einer bereits aussergewöhnlich qualitätvollen Sammlung schliessen zu können.

Derains Gemälde "Pêcheurs à Collioure", das aus dieser Frühphase des Fauvismus stammt, ergänzt das kurz zuvor entstandene "Les vignes au printemps" (1904/05) aus dem Besitz der Öffentlichen Kunstsammlung Basel. Von de Vlaminck befindet sich in der Sammlung Im Obersteg bislang ein Werk aus seiner Cézannesken Schaffensphase (L’inondation, 1910). Die starkfarbige Flusslandschaft aus dem Depositum bezeugt die grosse Nähe zu Derain, der de Vlaminck ermutigt hatte, Maler zu werden.

Der als Dekorationsmaler ausgebildete Georges Braque begegnete Henri Matisse, Albert Marquet und André Derain im Frühjahr 1906, als sie ihre fauvistischen Arbeiten im Salon des indépendants ausstellten. Das Hafenbild "Port d’Anvers" aus der Sammlung der Emanuel Hoffmann-Stiftung und das nun hinzugekommene Gemälde "Port de l'Estaque" stammen beide aus diesem Jahr. Neben den frühkubistischen Werken, die Braque bald nach dem Besuch einer Cézanne-Retrospektive 1907 und der Begegnung mit Pablo Picasso schuf, helfen sie, den radikalen Wandel in Braques Bildsprache vor Augen zu führen.

Braque und Raoul Dufy, der ebenfalls aus Le Havre stammte, arbeiteten eng zusammen. Dufys atmosphärische Ansicht von "Le Havre" von 1906/07, die sich im Kunstmuseum befindet, erhält durch "Les Passantes", ebenfalls von 1906/07, ein starkfarbiges, zeichenhaft-reduziertes Gegenüber und zeugt von Dufys mühelosem Wechsel zwischen unterschiedlichen Stilen. Von Kees van Dongen, der sich den Fauves 1905 angeschlossen hatte und in Nachbarschaft zu Picasso im Bateau-Lavoir lebte, erhält das Kunstmuseum das Bildnis seiner kleinen Tochter Dolly als Teil der Dauerleihgabe.

Ankauf eines Gemäldes von Gabriele Münter

Die Leihgeber streben eine langfristige Beziehung und Unterstützung des Kunstmuseums Basel an, was sich in einer großzügigen Geste ausdrückt: Das Kunstmuseum kann Gabriele Münters "Murnauer Strasse" (1908) zu besonderen Bedingungen erwerben. Für das Kunstmuseum erfüllt sich damit der Wunsch, einen bedeutenden Gründungsmoment des deutschen Expressionismus in der Sammlung zu stärken. Mit den Beständen der Sammlung Im Obersteg sind bereits Beispiele von Wassily Kandinsky und Alexej von Jawlensky aus der Murnauer Zeit und der Frühphase des Blauen Reiters präsent. Die farbige, mit lichtvollem Gelb akzentuierte Strassenansicht von Gabriele Münter ist in diesem Ensemble für die Öffentliche Kunstsammlung Basel eine ideale, hochwillkommene Ergänzung.

Kunstmuseum Basel
St. Alban-Graben 16
CH - 4010 Basel

T: 0041 (0)61 20662-62
F: 0041 (0)61 20662-52
W: http://www.kunstmuseumbasel.ch/

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