26. Juli 2021 - 6:17 / Ausstellung / Fotografie / Geschichte 
30. Juni 2021 24. Oktober 2021

Die Weimarer Republik (1918–1933) war eine Zeit großer Innovationen in der modernen Fotografie. Zahlreiche Fotografinnen und Fotografen bedienten mit ihren Werken eine immer stärkere Nachfrage nach Bildern für Presse und Werbung oder publizierten ihre Aufnahmen in aufwendigen Fotobüchern.

Ein Katalysator für diese Entwicklung war die Erfindung der Kleinbildkamera in den 20er Jahren, die eine bislang nie dagewesene Bewegungsfreiheit ermöglichte. Ungewöhnliche Blickwinkel, steile Auf- und Untersichten sowie Detailaufnahmen zeugen von einer neuen Experimentierfreude in der Fotografie. Als Schlagwort für diese moderne Ästhetik bürgerte sich der Begriff „Neu Sehen“ ein – eine Aufforderung, die man gleichermaßen auf das Fotografieren wie auf das Betrachten beziehen kann. Die Bildsprache wurde direkter, klarer und vielfach grafischer. In ihrer nüchternen Strenge entsprach sie dem Bedürfnis einer Gesellschaft, die nach der Katastrophe des Ersten Weltkriegs realitätsnahe Darstellungen bevorzugte.

Bis zum 24. Oktober 2021 beleuchtet das Städel Museum die unterschiedlichen Tendenzen in der Fotografie der Moderne. Anhand von einer Einführung und sieben thematischen Kapiteln vermittelt die Ausstellung „Neu Sehen. Die Fotografie der 20er und 30er Jahre“ einen Eindruck von den verschiedenen Gebrauchskontexten der Fotografie in der Zwischenkriegszeit. Sie gibt dabei auch immer wieder Ausblicke in die 30er Jahre, in der die Fotografie zunehmend als Kommunikationsmittel für die politische Propaganda der Nationalsozialisten instrumentalisiert wurde. Die Themenbereiche umfassen die Etablierung der Fotografie an Fach- und Kunsthochschulen, die fotografische Illustration und Bildberichterstattung, die sach- und naturwissenschaftsbezogene Fotografie, die Bildnisfotografie sowie den Einsatz der Fotografie in der Werbung, Industrie und für die politische Propaganda. Historische Zeitschriften, Fotobücher und Plakate ergänzen die präsentierten Arbeiten.

Unter den über 100 Fotografien finden sich prominente Vertreterinnen und Vertreter des Mediums wie Alfred Ehrhardt, Hans Finsler, Lotte Jacobi, Felix H. Man, Albert Renger-Patzsch, Erich Salomon, August Sander, Umbo, Paul Wolff oder Yva sowie eine Reihe kaum bekannter wie Carl Albiker, Karl Theodor Gremmler und Paul W. John. Bis auf wenige Leihgaben stammen die präsentierten Aufnahmen aus dem mehr als 5.000 Fotografien umfassenden Bestand des Städel Museums.

Die Ausstellung „Neu Sehen. Die Fotografie der 20er und 30er Jahre“ gibt einen fundierten Einblick in neuartige Tendenzen innerhalb der Fotografielandschaft und zeigt zugleich Funktion und Wirkung der einzelnen Aufnahmen. Darüber hinaus werden die sehr unterschiedlichen und wechselvollen Biografien der einzelnen Fotografinnen und Fotografen vorgestellt, mit dem Ziel, die öffentliche Wahrnehmung wieder zu stärken.

Neu sehen - Die Fotografie der 20er und 30er Jahre
Bis 24. Oktober 2021
Kuratorin: Kristina Lemke (Sammlungsleiterin Fotografie von der Moderne bis zur Gegenw art, Städel Museum)

Städel Museum
Dürerstraße 2
D - 60596 Frankfurt am Main

W: http://www.staedelmuseum.de/

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  •  30. Juni 2021 24. Oktober 2021 /
Hans Robertson (1883–1950), Der Tänzer Harald Kreutzberg, 1925, Gelatinesilberpapier, 23,4 × 17,1 cm, Städel Museum, Frankfurt am Main Foto: Städel Museum, Frankfurt am Main
Hans Robertson (1883–1950), Der Tänzer Harald Kreutzberg, 1925, Gelatinesilberpapier, 23,4 × 17,1 cm, Städel Museum, Frankfurt am Main Foto: Städel Museum, Frankfurt am Main
August Sander (1867–1964), Malerehepaar (Martha und Otto Dix), 1925/26, Silbergelatine-Abzug auf Barytpapier, 18 × 18,8 cm, Eigentum des Städelschen Museums-Vereins e.V., Städel Museum, Frankfurt am Main © Die Photographische Sammlung / Sk Stiftung Kultur – August Sander Archiv, Köln / VG Bild-Kunst, Bonn 2021
August Sander (1867–1964), Malerehepaar (Martha und Otto Dix), 1925/26, Silbergelatine-Abzug auf Barytpapier, 18 × 18,8 cm, Eigentum des Städelschen Museums-Vereins e.V., Städel Museum, Frankfurt am Main © Die Photographische Sammlung / Sk Stiftung Kultur – August Sander Archiv, Köln / VG Bild-Kunst, Bonn 2021
Albert Renger-Patzsch (1879–1966), Schaffende Hände, 1925–1927, Silbergelatine-Abzug auf Barytpapier, 17,8 × 23,8 cm, Courtesy Skrein Photo Collection © VG Bild-Kunst, Bonn 2021
Albert Renger-Patzsch (1879–1966), Schaffende Hände, 1925–1927, Silbergelatine-Abzug auf Barytpapier, 17,8 × 23,8 cm, Courtesy Skrein Photo Collection © VG Bild-Kunst, Bonn 2021