Wie sieht das Museum der Zukunft aus? Wie lassen sich dank der Digitalisierung Objekte ausstellen und vermitteln, die bislang nicht gezeigt werden konnten? Die Ausstellung „Museum of the Future” im Museum für Gestaltung Zürich wagt den Blick nach vorn: Mit 17 interaktiven Experimenten verwandelt sie den Ausstellungsraum in ein Labor der Zukunft und zeigt, wie Digitalisierung und künstliche Intelligenz das Museum neu denken, erweitern und erlebbar machen.
Museen stehen oft vor der Herausforderung, dass ihre Objekte zu groß, zu fragil sind oder aus konservatorischen Gründen nicht zugänglich sind. Wie lassen sich solche Werke trotzdem erleben? Die Ausstellung „Museum of the Future” geht dieser Frage nach und zeigt, wie digitale Technologien neue, überraschende Zugänge schaffen und damit ein spannendes Museumserlebnis ermöglichen. Die meisten der gezeigten Installationen sind Neuentwicklungen, die das Publikum aktiv einbeziehen und mit der Ausstellung interagieren lassen.
Den Auftakt der Ausstellung machen KI-getriebene Projekte. In der Installation „Trustai” wird das eigene Ich zum digitalen Gegenüber. Die Maschine übernimmt nicht nur das Gesicht der sprechenden Person, sondern taucht auch tief in deren Persönlichkeit ein. Wo endet nun der Mensch und wo beginnt die KI?
An weiteren Stationen wird das Potenzial künstlicher Intelligenz für die Forschung gezeigt: Verkohlte Schriftrollen aus Herculaneum oder Briefe von Heinrich Bullinger aus der Renaissance werden mithilfe von KI entschlüsselt und sichtbar gemacht.
Darüber hinaus lädt die Ausstellung dazu ein, die Mechanismen, Potenziale und Grenzen bildgenerierender KI spielerisch zu erkunden. Grit Wolany, Expertin für generative KI, demonstriert anhand ikonischer Designobjekte aus der Sammlung des Museums für Gestaltung Zürich und mithilfe von Video- und Bildgeneratoren, wie nah Inspiration und Absurdität beim Prompten beieinanderliegen können. Wer sich selbst beim Formulieren von Anweisungen an eine KI ausprobieren möchte, kann sich den gestalterischen Aufgaben des „Prompt Battles” stellen.
Ein Highlight der Ausstellung ist das digitale Panorama der Schlacht bei Murten – ein monumentales, 360 Grad umfassendes Ölgemälde aus dem 19. Jahrhundert, das zuletzt an der Expo.02 gezeigt wurde. Das EPFL Laboratory for Experimental Museology erschuf eine digitale Kopie mit unglaublichen 1,6 Billionen Pixeln – das aktuell größte digitale Bild weltweit. So werden die kleinsten Details dieser imposanten Malerei interaktiv entdeckbar.
Viele Exponate können oder sollen nicht reisen und sind in der Ausstellung als digitale Avatare im Ausstellungsraum zu sehen. Sie leisten einen Beitrag zur Diskussion um kulturelles Erbe, Zugänglichkeit und digitale Rekonstruktion. „Double Truth II” lädt das Publikum ein, virtuelle Großskulpturen aus Indien aus allen Perspektiven zu betrachten. Auf Basis wertvoller Bronzeobjekte aus Benin wird untersucht, wie mithilfe verschiedener Verfahren hochwertige Reproduktionen hergestellt werden können.
Auch das Spiel mit Maßstäben wird in der Ausstellung digital neu inszeniert. Eine virtuelle Rekonstruktion des ursprünglich geplanten Betonbaus des Pavillons von Le Corbusier ermöglicht die Entdeckung eines nie realisierten Architekturprojekts. Ein präziser Punktwolkenscan bildet die Grundlage für einen virtuellen Flug durch das bestehende Bauwerk. Am anderen Ende des Größenspektrums erlauben zwei immersive Erlebnisse einen detailreichen Blick aus allen Richtungen auf winzige Insekten in einer Detailtiefe, die mit bloßem Auge nicht erfassbar wäre.
Schlüsselobjekte aus der Sammlung des Museums für Gestaltung Zürich sind die Marionetten von Sophie Taeuber-Arp. Die empfindlichen Originale dürfen nicht bewegt werden, ihre digitalen Zwillinge hingegen tanzen. Die Ausstellungsgäste können die virtuellen Marionetten durch eigene Bewegungen gemeinsam zum Leben erwecken. Studierende der Zürcher Hochschule der Künste (ZHdK) erweitern das Erlebnis mit künstlerischen Rekonstruktionen und einem eigens produzierten Kurzfilm, der diese ikonischen Figuren in einem neuen Licht erscheinen lässt.
Im letzten Bereich der Ausstellung steht der Dialog im Zentrum. Das Publikum kommt mit den Stockpuppen von Fred Schneckenburger ins Gespräch. Dank des hinterlegten Large Language Models (LLM) teilen sie zu allen erdenklichen Themen ihre Gedanken. So entsteht ein überraschendes und unterhaltsames Gespräch zwischen Publikum und Kunstfiguren. Eine Kooperation mit Swissnex, dem globalen Schweizer Netzwerk für Bildung, Forschung und Innovation, zeigt, wie Sammlungen als Basis für Neuentwicklungen dienen können. Sechs zeitgenössische Designer:innen und Künstler:innen aus Brasilien, China, Indien, Japan, Südafrika und den USA eröffnen mithilfe digitaler Technologien und verschiedener gestalterischer Ansätze neue Perspektiven auf die Sammlungsbestände.
Museum of the Future
17 digitale Experimente
Bis 2. Februar 2026