Montafoner Theaterwanderung – „Grenzerfahrungen am Zauberberg“

Mit der erfolgreichen Premiere von „Grenzerfahrungen am Zauberberg” begann am Freitag, dem 18. Juli 2025, der Auftakt zu den diesjährigen Montafoner Theaterwanderungen.

Bei idealen Wanderbedingungen erlebte das Publikum eine eindrucksvolle Vorstellung rund um Gargellen, bei der Natur, Geschichte und Gegenwart auf berührende Weise ineinandergreifen. Die neue Inszenierung des Ensembles „teatro caprile” nahm die Teilnehmerinnen und Teilnehmer mit auf eine mehrstündige Wanderung durch die Maisäßlandschaft unterhalb der majestätischen Madrisa und hinein in gesellschaftliche, historische und emotionale Grenzräume.

Auf einer rund fünf Kilometer langen Rundwanderung mit moderater Steigung und 270 Höhenmetern entfaltet sich an 14 Stationen mit 16 Szenen ein besonderes Theatererlebnis, bei dem Natur, Zeitgeschichte und Gegenwart auf vielschichtige Weise verwoben werden. Ob ein belgischer Deserteur auf der Flucht, ein Hochstaplerpaar im Abendkleid am Sarotla-Pass oder jüdische Intellektuelle im Dialog mit nationalsozialistischen Grenzfantasien – entlang des Weges begegnet das Publikum historischen Fragmenten, Fragen des kollektiven Gedächtnisses und gesellschaftlichen Spannungsfeldern, die teils dokumentarisch belegt und teils poetisch verdichtet sind. Die Maisäßlandschaft rund um Gargellen dient dabei nicht nur als Kulisse, sondern ist Teil der Erzählung. Wetter, Wind, Licht und Topografie wirken als dramatische Elemente der Theaterwanderung mit und verleihen der Inszenierung eine besondere atmosphärische Dichte und Tiefe. „Was mich immer wieder fasziniert, ist diese gleichzeitige Nähe und Distanz – zwischen Bühne und Natur, zwischen Zuschauer und Figur“, so Regisseur Andreas Kosek nach der Premiere. „Die Landschaft schreibt hier mit – manchmal laut, manchmal ganz leise.“

Einige Szenen greifen thematisch auf Thomas Manns „Der Zauberberg“ zurück, ein Werk über Krankheit, Zeit und gesellschaftlichen Wandel. Andere holen reale Geschichten ans Licht, die sich vor Ort in Gargellen ereigneten. Ein weiterer Fokus des Stücks liegt auf der Ausgrenzung nicht systemkonformer Bergsteiger und Bergpionierinnen durch die Nationalsozialisten. In einer bedrückend realen Szene geraten der Komponist Ernst Krenek, die jüdische Urlauberin und Bergsteigerin Elsa Kuffner und die glühende Hitler-Verehrerin Emilie Blodig aneinander. Ihr Disput bildet einen wichtigen Resonanzraum der Inszenierung.

Alle weiteren Termine und Informationen finden Sie unter:
www.montafon.at/theaterwanderung.