Monika Supé - Bann der Vielgestaltigkeit der Linie

Die Galerie.Z in Hard startet mit einer Ausstellung von Monika Supé in das Ausstellungsjahr 2026. Bereits im Titel der Schau sind die entscheidenden Impulse für die kreative Arbeit der in der Nähe von München lebenden und arbeitenden Künstlerin enthalten. Denn „Linie Raum Zeit Plastische Grafik“ bildet sowohl ihr wesentliches Interesse als auch ihr vielfältiges Oeuvre ab. Dabei schöpft sie das beinahe grenzenlose Potenzial aus, das die Linie entfalten kann. Als Grundelement zwischen persönlicher Handschrift und konstruktiv eingesetztem Stilmittel ist die Linie in der bildenden Kunst omnipräsent und erfüllt mannigfache Aufgaben.

Sie beschreibt Form, gliedert Flächen, verleiht Kontur und Struktur. Sie erzeugt Trennung und Verbindung, dokumentiert Zeit und Raum, schafft Illusion und erfasst das Imaginäre. Mit diesen Worten umreißt der Begleittext zur Ausstellung „Linie“ in der Heidi Horten Collection in Wien sinngemäß deren Vielgestaltigkeit. Daraus wird gefolgert, dass jede Linie auch etwas über die Künstlerin erzählt, die sie zieht, sowie über die Zeit, in der sie entsteht.
Auf Monika Supé trifft dies eindeutig zu. Angesichts ihres umfangreichen und facettenreichen Werks scheint es unvorstellbar, dass sie nicht täglich Linien in den genannten Ausdrucksformen und Funktionsarten zieht. Prägend war für sie zweifellos ihre langjährige Tätigkeit als Architektin, was sich besonders an ihrem elaborierten Umgang mit Fläche und Raum ablesen lässt. Die Weiterentwicklung von Zweidimensionalität zu Dreidimensionalität ist ein zentrales Merkmal ihres Schaffens.

Die mit Tusche ausgeführten Zeichnungen von Monika Supé verblüffen durch ihre originelle Optik, die automatisch mit einer Handarbeitstechnik assoziiert wird. Die Künstlerin reiht nämlich sorgfältig Masche an Masche, wie man es vom Häkeln und Stricken kennt. Diese Kulturtechnik gilt in der Kunstwelt als ungebräuchlich und erfordert neben konzentriertem Vorgehen viel Ausdauer. „Während in der modernen Arbeitswelt der Faktor Zeit oft auf Geschwindigkeit, Effizienz und Optimierung reduziert wird, machen die aufwändig erstellten Werke die investierte Zeit sowie den gesamten Prozess sichtbar“, konstatiert die Künstlerin. Durch das bewusste Aufzeigen von Langsamkeit und Hingabe möchte sie den Wert körperlicher Arbeit hervorheben. Deshalb lässt sie Unregelmäßigkeiten oder Fehler, wie etwa Laufmaschen, bestehen, wodurch sich der Eindruck manueller Praxis verstärkt.

Als Motive wählt sie regelmäßig Körperfragmente, die sie in kauernden, geduckten oder sitzenden Haltungen abbildet. Dank der anmutigen Maschenoptik wirken die Ausschnitte ungemein plastisch. Der Vergleich mit einer zweiten Haut drängt sich auf. Teilweise scheinen Körperteile in Strümpfe eingezwängt zu sein. Den eindringlichen Tuschzeichnungen auf Papier stehen effektvolle Objekte gegenüber. Als essentielles Bindeglied bei der Weiterentwicklung der zweidimensionalen Zeichnungen zu den dreidimensionalen Objekten kommt die Linie zum Tragen. Für die Transformation der Fläche zum Raum wechselt Monika Supé auch das Material. Anstelle von Tusche verwendet sie nun Draht, der als Strich im Raum fungiert. Konsequent führt sie die Schlingengeflechte allerdings weiter, die sich nun zu frei schwebenden Objekten ausdehnen dürfen. Dafür hat die Künstlerin, die zum Thema des visuellen Wahrnehmungstrainings promoviert hat, den Begriff der „plastischen Grafik” kreiert. Für die kleiderähnlichen Figuren, Ummantelungen und Körperräume benötigt sie bis zu 200 m Draht, den sie mit einer handelsüblichen Häkelnadel verarbeitet.

Um die Wahrnehmung zu trainieren, empfiehlt sie eine einfache Übung. Konkret rät sie dazu, sich um die flottierenden Gebilde und körperhaften Hüllen zu bewegen. Dadurch ist ein Spiel mit der Wahrnehmung möglich, da die Drahtobjekte im Auge zu immer neuen Zeichnungen im Raum mutieren. Dadurch verschwimmen die Grenzen zwischen Grafik und Plastik, zwischen Fläche und Raum sowie zwischen zweiter und dritter Dimension. Linie und somit Zeichnung werden in Raum und Zeit erfahrbar. Mit der Ausstellung „Linie Raum Zeit – Plastische Grafik“ lädt die seit 2011 freischaffende Künstlerin Monika Supé dazu ein, sich auf künstlerische Grenzüberschreitungen einzulassen.

Monika Supé
Linie Raum Zeit – Plastische Grafik
5. März bis 4. April 2026

Ausstellungseröffnung: Donnerstag, 5. März 2026, 19:30 Uhr
Es spricht Margot Prax