1. Oktober 2008 - 3:20 / Ausstellung / Archiv 
31. Juli 2008 5. Oktober 2008

Sep Ruf zählt zu den bedeutendsten deutschen Architekten im 20. Jahrhundert. Die Verbindung von alter Bausubstanz und modernem Neubau bei der von ihm gestalteten Münchner Maxburg wurde in Nikolaus Pevsners Handbuch zur europäischen Architektur als herausragende Leistung des Wiederaufbaus nach dem zweiten Weltkrieg gewürdigt. Rufs Neubau der Akademie der Künste in Nürnberg, in dem Natur- und Architekturraum miteinander verschmelzen, zählt neben der Berliner Philharmonie zu den wenigen Juwelen der frühen deutschen Nachkriegsarchitektur.

Der zusammen mit Egon Eiermann errichtete deutsche Pavillon auf der Weltausstellung in Brüssel 1958 fand als Zeichen eines neuen demokratischen Deutschland internationale Anerkennung. Und der von Sep Ruf entworfene Kanzlerbungalow in Bonn wurde zur architektonischen Gestalt der Bonner Republik, die sich modern und weltoffen präsentierte. Diese überragenden Leistungen sind viel zu wenig im öffentlichen Bewusstsein verankert, nicht zuletzt da er sich selbst wenig um Publizität und Publikationen kümmerte. Anlässlich seines 100. Geburtstags werden Werk und Leistung dieses großen Architekten erstmals umfassend präsentiert und gewürdigt.

Direkt nach dem Studium der Architektur an der Technischen Hochschule München errichtete Ruf im Alter von 24 Jahren für den Journalisten und Schriftsteller Karl Schwend ein Wohnhaus in München-Bogenhausen (1932/33), das aus der damaligen süddeutschen Wohnarchitektur singulär herausragt. Es zeigt bereits die später für ihn so charakteristische Verbindung traditioneller und moderner Formen, die er bei zahlreichen Bauten während der Zeit des Nationalsozialismus beibehalten konnte. 1947 wurde Ruf zum Professor an die Akademie der bildenden Künste in Nürnberg berufen. Zu den herausragenden Bauten dieser Zeit zählen das transparente Wohnhaus an der Münchner Theresienstraße, mit dem er ein Leitbild für Neues Wohnen schuf, die leichten Pavillons der Nürnberger Akademie, die sich homogen mit der Natur verbinden, die Neubauten zum Germanischen Nationalmuseum und die Gestaltung des Münchner Maxburggeländes, das er mit Plätzen und Höfen für die Bürger öffnete.

1953 kam Ruf als Professor an der Akademie der bildenden Künste wieder nach München. Bis zu seinem Tod wirkte er in dieser Stadt, in der seine architektonischen Leistungen jedoch viel zu wenig Beachtung fanden. International berühmt wurde er dagegen mit dem Beitrag zur Weltausstellung 1958 in Brüssel und dem 1963 erbauten Amtssitz des Bundeskanzlers in Bonn, in dem von Ludwig Erhard bis Helmut Kohl fast alle deutschen Kanzler wohnten und ihre Gäste empfingen. Der gläserne, transparente Pavillon entfachte allerdings eine heftige Diskussion unter Politikern und in der Bevölkerung über die adäquate Repräsentation der Bundesrepublik. Zu Rufs Spätwerk zählen die Seminarkapelle in Fulda, St. Johannis von Capistran in München, das Ensemble mit Hochhaus für die Berliner Handelsgesellschaft in Frankfurt, die Bauten im Münchner Tucherpark sowie das Olaf-Gulbransson-Museum in Tegernsee.

Die Ausstellung zeigt eine exemplarische Auswahl der wichtigsten Bauten Sep Rufs. Erstmals werden originale Zeichnungen, Fotos und Modelle präsentiert, darüber hinaus veranschaulichen historische Dokumente und Filme den zeitgeschichtlichen Kontext. Zur Ausstellung erscheint ein Begleitbuch im Prestel-Verlag.


Moderne mit Tradition
Sep Ruf 1908–1982
31. Juli bis 5. Oktober 2008

Pinakothek der Moderne
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Wohn- und Empfangsgebäude des Bundeskanzlers, Bonn, 1963/64. © Architekturmuseum der Technischen Universität München
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Max-Planck-Institut für Physik und Astrophysik, Werner-Heisenberg-Institut für Physik, München-Freimann, 1957-1960. © Archiv Die Neue Sammlung - Design in der Pinakothek der Moderne, München
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Deutsche Pavillongruppe auf der Weltausstellung 1958 in Brüssel, 1956-1958. © Südwestdeutsches Archiv für Architektur und Ingenieurbau an der Universität Karlsruhe, Werkarchiv Egon Eiermann
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Wohnhaus Ludwig Erhard, Gmund am Tegernsee, 1954/55. © Archiv Die Neue Sammlung - Design in der Pinakothek der Moderne, München
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Sep Ruf, um 1950. © Architekturmuseum der Technischen Universität München