Modelle von Einfamilienhäusern aus unterschiedlichen Zeiten und Kontexten

Eine vom Atelier Walter Angonese an der USI in Mendrisio konzipierte Ausstellung vermittelt anhand von Modellen aus der Architekturgeschichte des 20. und 21. Jahrhunderts Raumkonzepte.

Zu sehen sind unter anderem die Villa Savoye bei Paris (Le Corbusier, 1931), die Maison Bordeaux (Rem Koolhaas, 1998), das Umbrella House in Tokio (Kazuo Shinohara, 1961) und die Casa Malaparte auf Capri (Adalberto Libera, 1943). In der diesjährigen Sommerausstellung im aut (Architektur und Tirol) begegnen einander über sechzig Modelle von Einfamilienhäusern aus unterschiedlichen Zeiten und Kontexten. Gezeigt werden Ikonen der Architekturgeschichte des 20. und 21. Jahrhunderts ebenso wie weniger bekannte Positionen und anonyme Bauten. Was sie alle verbindet, ist ihre exemplarische Bedeutung – in formaler Hinsicht, in ihrer räumlichen Organisation, in ihrer Relevanz für einen spezifischen Ort oder als beispielhafte Antwort auf prinzipielle Fragestellungen des Wohnens.

Genau aus diesen Gründen wurden diese Einfamilienhäuser in den vergangenen fünfzehn Jahren von Studierenden im Atelier Walter Angonese an der Accademia di architettura in Mendrisio analysiert. Im zweiten Studienjahr konzentriert sich die Lehre immer auf das Thema Wohnen. Die angehende Architekt:innengeneration wird dazu angehalten, sich im Rahmen von „Redrawing and Rebuilding“-Übungen anhand konkreter Bauwerke mit dieser Überthematik zu befassen. Dabei liegt der Fokus einmal auf der monografischen Betrachtung einzelner Architekten wie Adolf Loos, Kazuo Shinohara, Álvaro Siza, Alberto Ponis, José Antonio Coderch, João Batista Vilanova Artigas und Eduardo Souto de Moura. Ein anderes Mal werden ausgewählte Bauwerke verschiedener Architekt:innen aus unterschiedlichen Epochen und Regionen anhand übergeordneter Fragestellungen wie „Poesie des Raums“, „Licht und Schatten“, „Tektonik“, „Innen/Außen“ oder „Über das Detail“ betrachtet. Zu den betrachteten Häusern zählen Werke von Alvar Aalto, Atelier Bow-Wow, Gion A. Caminada, Tony Fretton, Lacaton & Vassal, Jean Nouvel, Valerio Olgiati, Smiljan Radic, Carlo Scarpa und Peter Zumthor.

Ausgehend von umfassenden Quellenrecherchen unterziehen die Studierenden diese Wohnhäuser einer genauen Betrachtung, zeichnen Grundrisse und Schnitte nach und übersetzen sie schließlich in präzise Weißmodelle im Maßstab 1:20 oder 1:33. Der reiche Fundus der Architekturgeschichte wird bei diesem referenziellen Ansatz genutzt, um Architektur als konstruktive und räumliche Disziplin unmittelbar erfahrbar zu machen und einen Zugang zu historischen, theoretischen und konzeptionellen Themen der Architektur zu eröffnen.

Seit 2011 ist im Atelier Walter Angonese so ein Fundus von über 150 Modellen entstanden, aus dem für die Ausstellung „Rebuild: Figures of Space” rund 60 ausgewählt wurden. Die großteils weißen Modelle, die in ihrer Abstraktion die formalen, atmosphärischen und tektonischen Eigenschaften der untersuchten Häuser räumlich lesbar machen, werden in Gruppen präsentiert, die unabhängig von Urheberschaft, Kontext oder Region zusammengestellt sind. Durch diesen Verzicht auf eine chronologische oder biographische Ordnung werden vielmehr Verbindungen, Überlagerungen und wechselseitige Bezüge über Zeiten und Geographien hinweg sichtbar gemacht. Der Parcours durch die Modelllandschaften mündet in einen „Projektraum“. Dort können sich die Besucher:innen anhand der in Heften zusammengefassten Recherchen der Studierenden sowie sämtlichen im gleichen Maßstab gezeigten Grundrissen vertiefend mit den ausgewählten Häusern beschäftigen und anschließend einen neuen Blick auf die Modelle und ihre Zusammenstellung werfen. Damit lädt die Ausstellung nicht nur zur Auseinandersetzung mit Raumkonzepten aus der Geschichte der Architektur des 20. und 21. Jahrhunderts ein, sondern auch zum vergleichenden Sehen.

rebuild: figures of space
64 Häuser im Modell
Bis 31. Oktober 2026