„Miteinander nebeneinander“ – Die 1970er und Aarau

In der Schweiz und international erlebte man in den 1970er-Jahren einen Umschwung. Konventionen wurden auf den Kopf gestellt – sowohl gesellschaftlich als auch künstlerisch. Es entstanden alternative Ausstellungsräume und neue Ausbildungswege für Kunstschaffende. Dieser Zeitgeist des Aufbruchs und der Experimentierlust wird in der Ausstellung im Aargauer Kunsthaus eingefangen. Es wird gezeigt, wie unterschiedliche Stile, Inhalte und Medien nebeneinander existierten und sich gegenseitig inspirierten.

Ausgangspunkt der Ausstellung ist die Aarauer Kunstszene der 1970er-Jahre. Ein Schwerpunkt liegt dabei auf den Werken der Ateliergemeinschaft Ziegelrain. Exemplarisch wird hier deutlich, wie unterschiedliche Künstlerpositionen in der Kleinstadt nah beieinander und zeitgleich zu mutigen Ausdrucksformen fanden. Neben dem Aarauer Fokus werden regionale bis internationale künstlerische Tendenzen der 1970er-Jahre präsentiert. Auf Pop-Art-Werke von Markus Müller oder Herbert Distel folgen Arbeiten internationaler Strömungen wie Fluxus oder Nouveau Réaliste. Diese Bewegungen experimentierten mit Konzept, Aktion und interdisziplinären Praktiken.

Weitere Kunstformen der 1970er Jahre wie die „Innerschweizer Innerlichkeit” treffen auf konzeptuelle Ansätze von Olivier Mosset oder Jean Pfaff. Dabei steht eine nach innen gewandte Kunst Ausdrucksformen gegenüber, die klassische Vorstellungen von Urheberschaft und Originalität hinterfragen. Werke autodidaktischer Kunstschaffender wie Emma Kunz verdeutlichen, wie die damals als „Outsider” bezeichneten Positionen das Kunstverständnis und die institutionelle Rolle von Kunst erweiterten. Im Ausstellungsrundgang begegnen wir zudem Einzelpositionen wie Rosina Kuhn, Heidi Bucher oder Klaudia Schifferle.

Die Ausstellung im Aargauer Kunsthaus lädt dazu ein, in die schillernde Fülle und den Geist der 1970er-Jahre einzutauchen. Zugleich werden zentrale Fragen gestellt, die bis heute relevant sind: Welche Formen des gemeinsamen künstlerischen Arbeitens sind damals entstanden? Welche Parallelen lassen sich zwischen den damaligen gesellschaftlichen Umbrüchen und unserer Gegenwart ziehen? Wie ist unser Verhältnis heute zu Werten wie Offenheit, Vielfalt und Experimentierfreude?

Die Ausstellung versteht sich nicht als historischer Überblick über die Kunstszene der 1970er Jahre, sondern setzt thematische Akzente und schafft Verbindungen zwischen lokalen, regionalen und internationalen Positionen. Zu sehen sind Werke aus den Bereichen Malerei, Zeichnung, Fotografie und Skulptur von rund 30 Kunstschaffenden. Diese stammen aus dem Besitz der Künstler:innen, aus Nachlässen und zu einem großen Teil aus der Sammlung des Aargauer Kunsthauses.

Der Ausstellungsparcours erstreckt sich über das gesamte Erdgeschoss und wird durch einen Dokumentationsraum im Untergeschoss ergänzt. Anhand von Archivmaterial und interaktiven Elementen wie Screens mit Kurzinterviews von Kunstschaffenden und weiteren Akteur:innen der Kunstszene der 1970er-Jahre bietet der Raum vertiefende Einblicke in die Ausstellung und die verschiedenen Formen kollektiver Arbeit.

Zu sehen sind Werke von Marie-Claire Baldenweg, Heidi Bucher, Balthasar Burkhard, Monika Dillier, Herbert Distel, Marianne Eigenheer, Helmut Federle, Pierre Haubensak, Josef Herzog, Heiner Kielholz, Rosina Kuhn, Emma Kunz, Manon, Max Matter, Olivier Mosset, Markus Müller, Jakob Nielsen, Jean Pfaff, Heiner Richner, Christian Rothacher, Klaudia Schifferle, Daniel Spoerri, Hugo Suter, Jean Tinguely, Ben Vautier, Hannah Villiger, Gillian White, Rolf Winnewisser und weiteren prägenden Positionen.

Miteinander nebeneinander
Die 1970er und Aarau
12.06.–06.09.2026