Mit Nadel und Faden – Geschichten und Bilder über Macht, Gewalt und Widerstand

Die Welt, in der wir leben, ist von zahlreichen tiefgreifenden Veränderungen geprägt. Kriege, gesellschaftliche Spaltungen und das Erstarken autoritärer Bewegungen sind die Kennzeichen dieser turbulenten Zeit. Unsicherheit und Angst dominieren und werden systematisch geschürt. Leise, subversiv und kraftvoll zugleich erhebt Elisabeth Gschiel ihre künstlerische Stimme.

Die Nähmaschine, ein traditionelles Symbol für die Industrialisierung, den Fortschritt und die Emanzipation der Frau, wird in Gschiels Werk zum politischen Werkzeug. Es ist das ideale Instrument, um künstlerische Kritik an den aktuellen weltpolitischen Geschehnissen zu üben.

Gschiels Arbeiten zu Waffengewalt sind der Fokus der Ausstellung im Bildraum 01 in Wien. Die Künstlerin hat 2021 mit der Serie "Kaputte Waffen" begonnen und diese 2023 um die Serie "Entschärfte Waffen" erweitert. Anlass für die zweite Serie war der Sturm auf das Kapitol und der Beginn des Israel-Gaza-Kriegs. Deformierte Gewehre und geknickte Revolver, die mit Alltagsgegenständen wie Handmixern oder Musikinstrumenten verbunden sind, verbildlichen den Versuch, Ohnmacht in künstlerische Handlung zu übersetzen. Elisabeth Gschiel verwandelt Symbole der Gewalt in fragile Objekte des Friedens – humorvoll, kritisch und tief bewegend.

Wie unsichtbare Sprechblasen umweben ihre ebenfalls genähten Textarbeiten „Manifest”, „Invisible” und „Leere Bücher” die in der Mitte des Raumes platzierten Waffen und geben Einblicke in die sozialen Krisen unserer Zeit und das damit verbundene menschliche Leid. In der Arbeit „Invisible” sind Worte wie „depression”, „fear”, „isolation”, „exhaustion” und „violence” nur durch genaues Hinsehen erkennbar. Ohne Faden genäht, bilden lediglich die feinen Einstichlöcher den Textkörper und fordern die Betrachter:innen dazu auf, achtsam zu werden – zu erkennen, was im Verborgenen liegt.

Elisabeth Gschiels Kunst ist eine Form der Beobachtung und ein stiller Aufruf zur Wachsamkeit. Ihre Fäden verbinden Vergangenheit und Gegenwart, Trauma und Hoffnung, Zerstörung und Heilung. Aus scheinbar zerstückelten Texturen entstehen textile Narrative – ein Plädoyer für Diplomatie und Frieden.

Elisabeth Gschiel (* 1975 in Hartberg) lebt und arbeitet in Graz.

Elisabeth Gschiel
Textile Resistance
Bis 21. August 2025