7. Oktober 2022 - 6:33 / Ausstellung / Architektur / Preise 
6. Oktober 2022 23. Januar 2023

Der Mies van der Rohe Award ist der wichtigste europäische Architekturpreis. Er ist ein Seismograf für das Architekturgeschehen in Europa und für das transformative Potential, das Architektur im besten Fall auftun kann.

Nach pandemiebedingter Verschiebung konnte sich die Jury dieses Jahr endlich wieder auf Besichtigungstour aufmachen und „Europas beste Bauten“ auszeichnen. Und wie schon in der Vergangenheit zeigen sich Preis und die dazugehörige Ausstellung als Seismografen aktueller gesellschaftlicher Prozesse. Auf die großen Fragen unserer Zeit von Klimakrise bis soziale Polarisierung antworten die ausgewählten Projekte mit solidarischen Formen des Wohnens und guten Nachbarschaften, mit ganz besonderen Räumen für Schule und Bildung sowie dem sorgfältigen Umgang mit Ressourcen, sei es im Holzbau oder im Weiterbau von Bestand.

Erstmals geht der Hauptpreis an einen Bildungsbau: das Town House – Kingston University in London, entworfen von den Pritzker-Preisträgerinnen Grafton Architects aus Dublin. Ein Campusgebäude mit durchlässiger Struktur und ineinandergreifenden Räumen, das der gesamten Nachbarschaft offensteht. Gewinner des Nachwuchspreises „Emerging Architecture 2022“ ist die genossenschaftliche Wohnanlage La Borda des Kollektivs Lacol in Barcelona, das bislang höchste in Holzbauweise errichtete Gebäude in Spanien.

Die 85 Sozialwohnungen im spanischen Cornellà de Llobregat von Peris+Toral Arquitectes bieten neue Raumerlebnisse für neue Lebensstile. Beim Frizz23 in Berlin von Deadline schafft eine von den Architekt:innen initiierte Baugruppe ganz besondere Raumkonstellationen für die Kreativwirtschaft. Die Railway Farm in Paris von Grand Huit und Mélanie Drevet Paysagiste verbindet Sozialwohnungen, Studierendenwohnen und urbane Landwirtschaft. Das Z33 Haus für zeitgenössische Kunst, Design und Architektur im belgischen Hasselt von Francesca Torzo erweitert den Bestand mit beeindruckender architektonischer und künstlerischer Feinheit. Die Enrico-Fermi-Schule in Turin von BDR bureau, eine Schule aus den 1960er Jahren, die für die aktuellen pädagogischen Bedürfnisse umgestaltet wurde.

Was diese und viele weitere Projekte der Ausstellung neben ihrer hohen architektonischen Qualität auszeichnet ist, dass sie neue Wege der Verwaltung beschreiten, auf kollektives Handeln setzen sowie sich mit zirkulären Wertschöpfungsketten und durchdachten Bauprozessen beschäftigen. Auch der besonders hohe Anteil an Architektinnen unter den finalen Projekten steht für einen Wandel.

Auf der Shortlist und somit in der Ausstellung von „Europas beste Bauten“ befinden sich insgesamt neun kollektive Wohnbauten, sechs Projekte mit gemischter Nutzung und vier Stadtentwicklungsprojekte mit aktiver Bürger:innenbeteiligung. Darunter auch fünf Projekte aus Österreich: der Schulcampus Neustift im Stubaital von fasch&fuchs, die Neue Galerie und Kasematten von Bevk Perović Arhitekti, der Um- und Zubau des Stadthauses in Linz von mia2 Architektur, das Baugruppenprojekt Gleis 21 von einszueins architektur sowie das Atelierhaus C21 von Werner Neuwirth.

Die Ausstellung vermittelt die hohe Qualität der Projekte anschaulich in Modellen, Videos, Fotos und Plänen. Neben den 40 Projekten der Shortlist werden im Az W auch die 14 österreichischen Nominierungen gezeigt.

Hauptanliegen des Mies van der Rohe Awards ist die Anerkennung und Würdigung herausragender Verdienste im Bereich der Architektur innerhalb Europas. Es werden Projekte ausgezeichnet, deren innovativer Charakter als Orientierung, wenn nicht sogar als Manifest für die Entwicklung zeitgenössischer Architektur dient. Der mit insgesamt 80.000 € dotierte Preis (Hauptpreis: 60.000 €, Emerging Architecture-Preis: 20.000 €) wird für außergewöhnliche Leistungen in konzeptueller, technischer und baulicher Hinsicht verliehen. Der Emerging Architecture-Preis versteht sich dabei auch als Förderung des Berufsstandes an sich und als Ermutigung für Architekt:innen am Beginn ihrer Karriere. Aus den 532 nominierten Projekten aus 41 europäischen Ländern wurden insgesamt 40 Projekte von der hochkarätigen, internationalen Jury unter Vorsitz der mexikanischen Architektin Tatiana Bilbao und unter Beteiligung des österreichischen Architekten Georg Pendl für die Ausstellung ausgewählt. Das Architekturzentrum Wien ist seit vielen Jahren als Mitglied des Advisory Boards an der Ausgestaltung des Mies van der Rohe Awards beteiligt.

Europas beste Bauten
Preis der Europäischen Union für zeitgenössische Architektur
Mies van der Rohe Award 2022
6. Oktober 2022 bis 23. Jänner 2023
Eröffnung: Mi 05.10.2022, 19:00

Architekturzentrum Wien
Museumsplatz 1, im MQ
A - 1070 Wien

W: http://www.azw.at/

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  •  6. Oktober 2022 23. Januar 2023 /
Town House der Kingston University, London von Grafton Architects (Dublin) © Foto: Ed Reeve
Town House der Kingston University, London von Grafton Architects (Dublin) © Foto: Ed Reeve
Town House der Kingston University, London von Grafton Architects (Dublin) © Foto: Ed Reeve
Town House der Kingston University, London von Grafton Architects (Dublin) © Foto: Ed Reeve
La Borda, Wohnungsbaugenossenschaft, Barcelona von LaCol (Barcelona) © Foto: LaCol
La Borda, Wohnungsbaugenossenschaft, Barcelona von LaCol (Barcelona) © Foto: LaCol
La Borda, Wohnungsbaugenossenschaft, Barcelona von LaCol (Barcelona) © Foto: Lluc Miralles
La Borda, Wohnungsbaugenossenschaft, Barcelona von LaCol (Barcelona) © Foto: Lluc Miralles
Z33, Haus für zeitgenössische Kunst, Design und Architektur in Hasselt, Belgien von Francesca Torzo Architetto (Genua) © Foto: Gion Von Albertini
Z33, Haus für zeitgenössische Kunst, Design und Architektur in Hasselt, Belgien von Francesca Torzo Architetto (Genua) © Foto: Gion Von Albertini
Sozialwohnungsbau, Cornellà de Llobregat von peris+toral.arquitectes (Barcelona) © Foto: José Hevia
Sozialwohnungsbau, Cornellà de Llobregat von peris+toral.arquitectes (Barcelona) © Foto: José Hevia
Ferme du Rail, Paris von Grand Huit & Mélanie Drevet Paysagiste (Paris) © Foto: Myr Muratet
Ferme du Rail, Paris von Grand Huit & Mélanie Drevet Paysagiste (Paris) © Foto: Myr Muratet