31. Januar 2011 - 2:23 / Ausstellung / Archiv 
26. November 2010 6. Februar 2011

In der Einzelausstellung des Bildhauers Michael Sailstorfer (*1979 in Velden|Vils) trifft eine spektakuläre, eigens für die Kestnergesellschaft produzierte Rauminstallation auf eine Reihe weiterer Werke des jungen Künstlers. Zentral in der Ausstellung "Forst" ist das Motiv des Waldes, das seit jeher unerschöpfliche Quelle für Zuschreibungen jeder Art darstellt: Vom romantischen Refugium der Stille über einen Ort der furchterregenden Dunkelheit bis zum Heimatmythos schlechthin.

Die in "Forst", einem Begriff für den kultivierten Wald, präsentierten Arbeiten beziehen sich in unterschiedlicher Weise auf Momente der Lichtung und verfremden zugleich deren Wortsinn: Während die titelgebende Installation auf groteske Weise die natürliche Folge der Jahreszeiten umkehrt und beschleunigt, werden die Betrachter etwa bei Schwarzwald Zeugen einer ungleich langsameren Erosion. Ergänzt wird die Ausstellung durch eine Reihe weiterer Skulpturen Sailstorfers.

Durch die künstlerische Verwandlung alltäglicher Objekte und Orte schafft Michael Sailstorfer handfest-poetische Bilder, die Zustände von Euphorie bis hin zu Verfall verhandeln. Absurdes Scheitern und Tragikomik spielen in seinem Werk eine ebenso bedeutsame Rolle wie die Frage nach dem Raum, den eine Skulptur einzunehmen vermag: Mitunter werden auch Hör- oder Geruchssinn der Betrachter attackiert. Darüber hinaus bewegen sich seine häufig prozesshaft und theatral angelegten Werke in einem Spannungsfeld so gegensätzlicher Begriffe wie Heimat und Ferne, Mobilität und Stillstand, Lärm und Stille oder Licht und Dunkelheit. Zerstören, neu zusammensetzen und transformieren sind wesentliche Gestaltungsprinzipien seiner Arbeit. Bei aller Vehemenz der künstlerischen Verwandlung zeichnen sich Sailstorfers Werke stets durch eine hintergründige Melancholie aus.

Michael Sailstorfer, der an der Münchener Akademie der Künste sowie am Londoner Goldsmith College studiert hat, gehört zu den Shooting Stars der jungen deutschen Kunstszene. Sein Werk lässt sich historisch mit Strategien etwa von Robert Smithson, Richard Serra oder Gordon Matta-Clark in Verbindung bringen, aber auch mit Ideen des Happening wie etwa bei Allan Kaprow. Werke Sailstorfers befinden sich u.a. in den Sammlungen des Centre Pompidou, Paris, dem Städelmuseum, Frankfurt, der Städtischen Galerie Lenbachhaus und der Sammlung Goetz, München. Der Künstler, den die Besucher der Kestnergesellschaft bereits von "Made in Germany" (2007) kennen, hat zuletzt u.a. in der Schirn Kunsthalle Frankfurt (2008), im Rahmen der Pulheimer Reihe "Stadtbild.Interventionen" (2009) und der Kunstsammlung NRW Düsseldorf (2010) ausgestellt.

Im Rahmen der Ausstellung erscheint eine Monografie im Distanz-Verlag, die Sailstorfers bisheriges künstlerisches Werk präsentiert. Herausgeber sind die Kestnergesellschaft sowie die Partnerinstitutionen S.M.A.K. Gent (Belgien) und Kunsthalle Nürnberg, die im kommenden Jahr ebenfalls Einzelausstellungen mit dem Künstler ausrichten.

Michael Sailstorfer - Forst
26. November 2010 bis 6. Februar 2011

Kestnergesellschaft Hannover
Goseriede 11
D - 30159 Hannover

T: 0049 (0)511 70120-0
F: 0049 (0)511 70120-20
E: kestner@kestner.org
W: http://www.kestner.org/

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