Michael Riedel - Mietvertrag als Basis für grafische Bildfläche

Michael Riedel hat eine neue Arbeit für das Haus Konstruktiv geschaffen. Als Künstler der Gegenwart war er 2019 und 2021 mit größeren Werkkomplexen in programmatisch wichtigen Gruppenausstellungen zu sehen und zwei seiner Werke sind in der museumseigenen Sammlung vertreten.

Anlass für die erneute Zusammenarbeit war der Umzug des Museums in das Löwenbräukunst-Areal. Dort konnte das Haus Konstruktiv Räumlichkeiten sowohl im Ostteil an der Limmatstraße 268 als auch im Westteil an der Limmatstraße 270 auf unterschiedlichen Etagen beziehen. Auf Einladung des Museums hat Riedel eine Wand- und Deckeninstallation entwickelt, die diese räumliche Situation aufgreift und die verschiedenen Ebenen – vom Eingangsbereich im Ostteil über das Zwischengeschoss bis zum ersten Obergeschoss im Westteil – visuell miteinander verbindet.

Der für den neuen Standort ausgestellte Mietvertrag bildet die Basis für Riedels grafische Bildfläche, die sich auf 258 Quadratmetern in die architektonischen Strukturen des Löwenbräukunst-Areals einfaltet. In vier verschiedene Richtungen weiträumig übereinander laufend, verwandelt sich der Mietvertrag nach rein formalästhetischen Kriterien – variable Wort-, Buchstaben- und Zeilenformatierungen – zu Textströmen, die die Räumlichkeiten durchfließen.

Typografisch hervorgehoben, betont das Wort „konstruktiv” die Selbstbeschreibung des Ortes. Mit den sich überlagernden „K”-Buchstaben des Textes konstruiert Riedel die farbigen Bildflächen im Muster. So ergeben sich zahlreiche grafische Ereignisse, die die Regelung der musealen Raumnutzung im Löwenbräukunst-Areal verbildlichen.

Seit den späten 1990er-Jahren sind es Kollateralereignisse des Kunstbetriebs, die Riedels Interesse wecken. Zu seinen bevorzugten „Werkstoffen” zählen Verschriftungen von Kommunikation innerhalb des Kunstsystems. Riedel ist bekannt für ein Œuvre, das sich zwischen freier Kunst, angewandter Grafik und Literatur bewegt und dabei deren Randbereiche inszeniert.

Neben umfassenden Museumsausstellungen und Ausstellungen in international renommierten Galerien ist zuletzt sein Roman „Abstract” (Spector Books, Leipzig) erschienen, in dem Riedel die langjährige E-Mail-Korrespondenz mit seiner New Yorker Galerie zusammenfasst. Diese wurde zuvor bereits in Form von Geldscheinen – den „Riedels” – veröffentlicht.

Michael Riedel (* 1972) lebt und arbeitet in Frankfurt am Main. Er ist Professor für Malerei/Grafik an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig.

Michael Riedel
Ohne Titel (Konstruktiv)