Michael Heindl - Neue Perspektiven auf das Verhältnis zwischen Mensch, Umwelt und Verlust

In seiner multimedialen Ausstellung im Bildraum 01 in Wien eröffnet Michael Heindl einen Aktionsraum, in dem die Bedeutung der Dinge als Teil ökonomischer, sozialer und symbolischer Prozesse neu lesbar wird.

Legen Sie Ihre Hand auf den Tisch, spreizen Sie die Finger, nehmen Sie ein Messer und stechen Sie – so schnell Sie können – in die Zwischenräume. No risk, no fun. In „Knife Game with the Invisible Hand“ sind drei aktuelle Werkserien zu sehen, die sich mit den zerstörerischen Folgen des kapitalistischen Systems befassen. Heindl zeigt die Überbleibsel dieser Exzesse, entscheidet sich aber bewusst dafür, über eine Bestandsaufnahme hinauszugehen. Er will nicht vor den Verwüstungen resignieren. Vielmehr möchte der Künstler mit seinen Arbeiten einen neuen Anfangspunkt setzen, indem er die gesammelten Bruchstücke dekonstruiert und anschließend neu zusammensetzt. Alte Ordnungen werden aufgelöst, um Platz für Neues zu schaffen.

In "Windshield Diamonds" inszeniert Michael Heindl mit Autoglassplittern von Unfallorten veredelte Insekten auf Modellauto-Podesten. Durch die Neuanordnung der Relikte, die an Praktiken der Taxidermie erinnert, werden die toten Körper in scheinbar unvergängliche, auratisch aufgeladene Objekte transformiert. Die von vorbeifahrenden Autos getöteten Insekten erfahren somit eine ästhetische und visuelle Überhöhung und treten an die Stelle von Mensch und Fahrzeug ins Zentrum der Betrachtung.

Ein filmisches Porträt des im Dezember 2021 gerodeten Waldstücks in Ehrenfeld, Oberösterreich – eines der größten Waldvernichtungsprojekte der Region – bildet die zweite Werkgruppe der Ausstellung. In „From Something to Nothing“ animiert der Künstler 3.000 fotografische Aufnahmen der einzigartigen Rindenmuster jener Bäume, die später zerstört wurden, zu einer Frame-by-Frame-Videoarbeit. Die bewusst eingesetzte Abstraktion anstelle einer dokumentarisch-realistischen Erzählform führt zu Irritation und emotionaler Resonanz, um neue Interpretationsmöglichkeiten und Blickwinkel offenzulegen.

Mit „God Helps Winners Only” rückt Michael Heindl den Menschen selbst erneut in den Mittelpunkt. Im öffentlichen Raum von Chicago und New York fand und sammelte er zurückgelassene Pappschilder von bettelnden Menschen. Anschließend zerlegte er die Schilder und setzte die einzelnen Buchstaben zu Anagrammen neu zusammen. Die so generierten Botschaften lehnen sich an Wahlsprüche von Vertreter:innen kapitalistischer und neoliberaler Wirtschaftslogiken an und legen den zugrunde liegenden Zynismus offen.

Michael Heindl schafft einen Erfahrungsraum, aus dem neue Perspektiven auf das Verhältnis zwischen Mensch, Umwelt und Verlust hervorgehen können.

Michael Heindl (* 1988 in Linz) lebt und arbeitet in Wien und Scharten (OÖ).

Michael Heindl
Knife Game with the Invisible Hand
bis 13. Mai 2026
Öffnungszeiten: Di–Fr, 13–18 Uhr