30. April 2011 - 2:21 / Ausstellung / Sonstige 
19. Februar 2011 1. Mai 2011

Der gebürtige Pfälzer Michael Croissant (1928-2002) gehört zu den bedeutenden deutschen Künstlern der Nachkriegszeit. Seine strengen, reduzierten Figuren und Köpfe stehen im öffentlichen Raum zahlreicher deutscher Institutionen, etwa in der Münchner Philharmonie, in der Deutschen Botschaft in Peking oder auf dem Skulpturenpfad der Universität Heidelberg. Bedeutende Museen besitzen seine Werke, allen voran das Frankfurter Städel sowie das Wilhelm Lehmbruck Museum in Duisburg. Sein über zweitausend Arbeiten umfassendes plastisches Werk ist bei Museen und Sammlern gleichermaßen geschätzt und geachtet.

Wie bei vielen anderen Bildhauern auch ergänzen Zeichnungen und Collagen das plastische Werk von Michael Croissant. Das Museum Moderner Kunst Wörlen Passau widmet diesen vielschichtigen Arbeiten auf Papier erstmals eine eigene Ausstellung. In größerem Umfang wurden Zeichnungen während einer Plastik-Werkschau 1991 im Frankfurter Kunstverein präsentiert, auch bei der Retrospektive anlässlich des 75. Geburtstags des Künstlers 2003 in Berlin waren Papierarbeiten ausgestellt. In Passau bilden die Tusche-, Kohle- und Kreidezeichnungen nun jedoch den Hauptakzent.

Beginnend mit den informell schraffierten, kraftvollen Bleistiftzeichnungen verfolgt die Ausstellung die Werkentwicklung Michael Croissants. Mit der Übernahme der Lehrtätigkeit an der Frankfurter Städel-Schule 1966 begann die Auseinandersetzung des Künstlers mit der ägyptischen und etruskischen Kunst, die mit einer immer radikaler werdenden Formreduktion einher ging. Figuren wurden auf geometrische Stelen reduziert, der Kopf als eigenständiges Motiv entdeckt und unter fortschreitenden Formverkürzungen immer wieder variiert. Mit großformatigen Bodenplastiken und strengen Rauminstallationen wurde Croissant zum Wegbereiter einer neuen experimentierenden Dreidimensionalität.

In den Zeichnungen der siebziger Jahre werden vor allem die Raumsituationen durch Figurenarrangements eindrucksvoll wiedergegeben. Die achtziger Jahren sind dann auch in der Zeichnung von weiter zurückgenommenen Formen geprägt. Die Strenge der Figuren wird durch die Verwendung von farbigen Collage-Papieren oder Buntstiften aufgelockert. Das Spätwerk Croissants ist durch weichere Formen und die Verwendung von Rundungen gekennzeichnet. Mit einer unerschöpflichen Phantasie und einem beeindruckenden Formverständnis schuf Croissant mit scheinbar einfachsten Mitteln ein umfangreiches und in seiner Vielfalt verblüffendes, figuratives Werk. Dabei verließ Croissant trotz der mit seltener Konsequenz abstrahierten menschlichen Figur das Gebiet der Gegenständlichkeit nie vollständig. In seinen Zeichnungen gelingt es ihm, den radikal abstrahierten Figuren durch einen räumlichen Kontext ihre Emotionalität wieder zu geben.

Die Ausstellung im MMK zeigt ca. 90 Werke auf Papier in unterschiedlichen Techniken (Bleistift, Tusche, Kohle, Wachskreide, Aquarell und Collage) von den frühen 1960er Jahren bis in die 1990er Jahre. Ergänzt wird die Präsentation um ca. 20 Plastiken aus Bronze oder Bronzeblech. Im Hirmer Verlag erscheint ein Begleitbuch mit zahlreichen, großformatigen Abbildungen (ca. 145 Seiten, Preis: EUR 29,90)

Michael Croissant - Zeichnung und Plastik
19. Februar bis 1. Mai 2011

Museum Moderner Kunst - Wörlen
Bräugasse 17 / Donaukai
D - 94032 Passau

T: 0049 (0)851 383879-0
F: 0049 (0)851 383879-79
E: info@mmk-passau.de
W: http://www.mmk-passau.de/

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Michael Croissant; Kopf, 1989. (c) VG Bildkunst Bonn, 2011
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Michael Croissant; Liegende Kuh, um 1985. (c) VG Bildkunst Bonn, 2011
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Michael Croissant; Stele und Kopf, Mitte der 1990er Jahre. (c) VG Bildkunst Bonn, 2011