6. Januar 2012 - 2:29 / Bühne / Schauspiel 

In Tankred Dorsts Version der Sage um König Artus und die Ritter der Tafelrunde ist der Zauberer Merlin der Titelheld und Spielmacher. In einem reichen Panoptikum erlebt man Machtkämpfe, Ehedramen, Schlachten und schliesslich die Gralssuche selbst. Dorsts wuchtiges Stück "Merlin oder Das wüste Land" aus dem Jahr 1981 wird ab dem 26. November von Christian Stückl, dem Leiter der Passionsspiele Oberammergau und des Salzburger "Jedermanns", für die Halle im Schiffbau adaptiert – als Spiel im Urwald unserer Geschichte.

Mehr als hundert Szenen hat Tankred Dorst geschrieben, um in "Merlin oder Das wüste Land" die Geschichte unseres europäischen Mittelalters theatralisch aufleben zu lassen – und mit der Gegenwart zu verknüpfen. Titelheld dieser Version der Artus-Sage ist der Zauberer und Prophet Merlin. Dieser kommt als ausgewachsener Sohn des Teufels auf die Welt und präsentiert sich bald als Spielmacher der Menschheitsgeschichte.

Merlin will die Helden und Antihelden rund um Artus auf den richtigen Weg bringen. Er führt den König an der Hand, als dieser alle Ritter an den grossen runden Tisch bringt und damit eine gesellschaftliche Utopie entwirft; er kreuzt die törichten Wege Parzivals, lässt Sir Lancelot in den Liebeswahnsinn taumeln und findet kein Mittel, den Reichsvernichter Mordred aufzuhalten. In einem reichen Panoptikum erlebt man Machtkämpfe, Ehedramen, Schlachten und schliesslich die Gralssuche selbst. Als kleiner Hinweis, wo der Gral zu suchen sei, dient dabei ein Motto des Stücks: "Des Nächsten Seele ist ein dunkler Wald".

Tankred Dorst schrieb "Merlin oder Das wüste Land" im Jahr 1981. Der überaus produktive Autor, der 1925 in Thüringen geboren wurde und heute in München lebt, schuf mehr als 30 Texte für das Theater, dazu Hörspiele, Theaterstücke für Kinder, Prosa, Libretti und Drehbücher - oft in Zusammenarbeit mit Peter Zadek, dem auch "Merlin oder Das wüste Land" gewidmet ist. Neben diesem Stück zählen "Ich, Feuerbach", "Korbes", "Fernando Krapp hat mir einen Brief geschrieben" und "Herr Paul" zu seinen bekanntesten Stücken. 2006 brachte Dorst bei den Bayreuther Festspielen Richard Wagners "Der Ring des Nibelungen" auf die Bühne.

Christian Stückl wurde 1961 in Oberammergau geboren. Als gelernter Holzbildhauer gründete er 1981 in seinem Heimatort eine Theatergruppe, mit der er Stücke von Molière, Ben Jonson, Georg Büchner und William Shakespeare inszenierte. 1987 wurde er Spielleiter der berühmten, alle zehn Jahre stattfindenden Passionsspiele seiner Heimatgemeinde. 1991 kürte ihn die Zeitschrift "Theater heute" für die Uraufführung von Werner Schwabs "Volksvernichtung oder Meine Leber ist sinnlos" zum Nachwuchsregisseur des Jahres. Bis 1996 war Stückl Regisseur an den Münchner Kammerspielen, danach arbeitete er an verschiedenen deutschsprachigen Bühnen.

Im Sommer 2002 feierte seine Neuinszenierung von Hugo von Hofmannsthals "Jedermann" bei den Salzburger Festspielen Premiere. Seit 2000 ist Stückl Oberspielleiter der Oberammergauer Passionsfestspiele, wo er im Sommer 2011 "Joseph und seine Brüder" nach Thomas Manns Tetralogie zur Aufführung brachte. Im Herbst 2002 wurde er zudem Intendant am Münchner Volkstheater, an dem er seit 2005 das Festival "Radikal jung" veranstaltet. Im Juli 2011 wurde Christian Stückl mit dem Bayerischen Verdienstorden ausgezeichnet.

Merlin oder Das wüste Land von Tankred Dorst
Premiere: Samstag, 26. November 2011

Regie: Christian Stückl
Bühnen und Kostüme: Stefan Hageneier

Weitere Vorstellungen:
27./ 28. November 2011
1./ 4./ 7./. 8./ 9./ 12./ 15./ 16./ 18./ 20./ 21./ 28. Dezember 2011
3./ 7./ 8./ 10./ 11. Januar 2012

Schauspielhaus Schiffbau
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CH - 8005 Zürich

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