26. November 2009 - 4:00 / Walter Gasperi / DVD Tipp
logo dvdtipp

Nichts anderes als das, was der amerikanische Originaltitel verspricht, zeigt Anthony Mann in seinem Antikriegsfilm: Ein Lieutenant mit dem kleinen Rest seines Trupps auf dem Marsch durch Feindesland und der Konflikt mit einem brutalen Sergeant. – SchröderMedia hat dieses schnörkellos-nüchterne Meisterstück des physischen Kinos als DVD herausgebracht.

Korea, 6. September 1950 – Geographisch und zeitlich ist die Handlung mit diesem Insert genau verankert, was in den folgenden 100 Minuten gezeigt wird, ist aber zeitlos und auf jeden Krieg übertragbar. Von einem umgestürzten Jeep aus schwenkt die Kamera über eine Graslandschaft, von der Rauchschwaden aufsteigen. Vor der sengenden Hitze haben einzelne Soldaten im Schatten Zuflucht gesucht. Ein Funker versucht Kontakt zum Bataillon herzustellen - erfolglos. Auf sich gestellt ist folglich Lieutenant Benson (Robert Ryan) mit seinem schon auf 17 Mann reduzierten Trupp und muss versuchen sich durch das Feindesland durchzuschlagen.

Kaum etwas passiert, auf Musik wird lange verzichtet, aber man spürt die innere Anspannung und Nervosität der Männer und fühlt, dass hier jeden Moment etwas passieren kann. Gesteigert wird diese Spannung noch durch die lautlose Ermordung eines Soldaten mit einem Bajonett. Der Lieutenant, der fürsorglich für seine Männer sorgt und sich für sie verantwortlich fühlt, befiehlt alles zum Aufbruch vorzubereiten. Da rast plötzlich ein Jeep durch die Ebene auf den Trupp zu. Gelenkt wird der Wagen von einem Sergeant (Aldo Ray), der sich einzig seinem seit einem Granateneinschlag unter Schock stehenden Colonel verpflichtet fühlt. Während der Sergeant den Colonel so schnell wie möglich ins Lazarett bringen will, verpflichtet der höherrangige Lieutnant ihn den Jeep dem Trupp zur Verfügung zu stellen.

Mehr Konflikt als Kooperation entwickelt sich so, denn im Gegensatz zum Lieutenant kennt der Sergeant keine Rücksicht, macht keine Gefangenen, sondern knallt Koreaner rücksichtslos ab, erweist sich aber andererseits in seiner instinktiven Einschätzung der Situation dem Lieutenant auch immer wieder als überlegen. Durch Artilleriefeuer und ein Minenfeld führt der Marsch und am Ende muss eine Höhe gestürmt werden. Sukzessive dezimiert wird so der Trupp und gewonnen ist auch am Ende nichts. Viel ist es da schon, wenn man überlebt hat.

Ungemein kompakt hat der vor allem durch Western mit James Stewart in der Hauptrolle ("Winchester ´73", "Naked Spur") bekannte Anthony Mann "Men in War" inszeniert. Es gibt weder Vor- noch Nebengeschichten, keine Reflexion über Sinn und Gräuel des Krieges, keine antikommunistische Propaganda, sondern einzig die physische Aktion, aus der sich freilich wieder eine eindeutige Absage an den Krieg ergibt. Keine Glorifizierung, kein Heldenaufbau wird hier betrieben und mag auch der weitgehend unsichtbar bleibende Feind als verschlagen gezeichnet werden, so macht Mann doch deutlich, dass auf der Gegenseite genauso Männer mit Familien kämpfen und sterben.

"Men in War" ist auch ein Musterbeispiel dafür, wie wenig man im Grunde für einen starken, ja meisterhaften Film braucht. Da reicht ein kleiner Trupp von Männern, mit Robert Ryan und Aldo Ray zwei charismatische Schauspieler als Gegner, und der Marsch durch eine menschenleere, aber mit Gefahren aufgeladene Graslandschaft. So minimalistisch die Handlung ist, so sehr hält sich Mann auch im Einsatz filmischer Mittel zurück, setzt Musik nur in wenigen Momenten zur Akzentuierung ein, verzichtet bis zum Ende auf große Feuergefechte, arbeitet dafür mit Variation der Gefahren und stellt der äußeren Bedrohung immer wieder den internen Konflikt gegenüber.

Ein zeitloses Meisterwerk des physischen amerikanischen Kinos ist dieser 1958 gedrehte Film durch seine unsentimentale, schnörkellos-nüchterne Erzählweise und seine nichts beschönigende, sondern die Härte noch betonende Schwarzweißfotografie.

Schwächen zeigt hier nur die von SchröderMedia herausgebrachte DVD. Denn während die Bildqualität passt, stört auf der Tonebene ein fast durchgängiges Hintergrundrauschen. Schwach ist auch, dass es nur eine amerikanische und eine deutsche Sprachfassung, aber keine Untertitel gibt, und spärlich ist mit einer Serie von Postern und Aushangbildern zum Film das Bonusmaterial.



9009-9009meninwarcover.jpg
Tag ohne Ende - Men in War (Anthony Mann, 1958)
9009-9009meninwarfoto.jpg
9009-9009meninwarfoto2.jpg