In den Ausstellungsräumen im (Kunst)Haus 2226 von BE Architekten im Millenniumpark Lustenau ist von 24.4. bis 3.7. ein umfangreicher Werkquerschnitt der 1985 in Feldkirch geborenen und heute in Brüssel lebenden und arbeitenden Künstlerin Melanie Ebenhoch zu sehen. Gezeigt werden bereits bestehende sowie ganz neue Arbeiten, die ein Spektrum umspannen, das von Öl-auf-Leinwand-Bildern über bemalte, objekthafte, runde Kunstharzreliefs (Tondi) bis zu architektonischen Keramikskulpturen reicht.
Ebenhoch, die an der Universität für angewandte Kunst in Wien, am Sandberg Institut in Amsterdam und an der Hogeschool voor de Kunsten in Utrecht studiert hat, bewegt sich mit ihrer künstlerischen Praxis an der Schnittstelle von Malerei, Skulptur und Installation. Ihre Arbeiten sind inhaltlich stark vom Kino inspiriert, insbesondere von Filmen der 1940er bis 1960er Jahre. Sie untersucht dabei die Darstellung von Frauenrollen und die psychologische Aufladung architektonischer Räume. Häufige Sujets sind Innenräume, Kulissen, Architekturfragmente oder alltägliche Details wie Lichtschalter und Tapetenmuster, die eine unheimliche oder voyeuristische Stimmung erzeugen können. Mit Stilelementen der illusionistischen Malerei und filmischen Inszenierungen zeigt sie innerpsychische soziale Konflikte auf, die sich in häuslichen Settings entzünden. Bildwirkung und Narration stehen in ständiger Spannung zueinander.
Die Arbeit „Cinderellas bedroom“ (Öl und Linsen auf Leinwand, 2023) zum Beispiel zeigt den Blick aus dem Inneren eines Kamins auf ein luxuriöses Interieur, dessen Mauerwerk aus Linsen besteht und das sich auf die wiederkehrende von der Stiefmutter aufgetragene Strafarbeit Aschenputtels bezieht, Linsen aus der Asche zu sortieren. Die haptische Oberfläche des Bildes markiert zudem den Übergang zwischen illusionistischer Tiefe und der physischen Präsenz im Ausstellungsraum. Gleichzeitig soll der Ausblick auf das Interieur wie die Projektion eines Fernsehapparats wirken.
Mansfield
Mehrere Arbeiten drehen sich um die US-amerikanische Schauspielerin, Sängerin und eines der bekanntesten Sexsymbole der 1950er und 1960er Jahre Jayne Mansfield (1933-1967). Mansfield war bekannt für ihre platinblonden Haare, ihre üppige Figur und ihr geschicktes Marketing, was sie zu einer der meistfotografierten Darstellerinnen Hollywoods machte. Ein Gemälde von Ebenhoch gibt einen voyeuristischen Einblick in das Kaminzimmer Mansfields, die quasi das Klischee-Bild der 1962 verstorbenen Marilyn Monroe weiterführte. Ebenhochs Interesse an Mansfield ist darin begründet, dass sich bei der Schauspielerin das öffentliche und private Leben eng miteinander verzahnten. So gab diese immer wieder gern Einblicke in ihre Villa, den sogenannten Pink Palace, der am Sunset Boulevard im vornehmen Los-Angeles-Stadtteil Holmby Hills gelegen war, und öffnete ihn für Home-Stories in Medien wie unter anderem dem Life-Magazine.
Melanie Ebenhoch malte diesen Pink Palace („The Mansion“) bei Nacht, sodaß sich die pinken Farben in dunkle blau-grün-umbra Töne auflösen, sowie aus einem distanzierten Standpunkt, was wiederum einen Stalker- oder Paparazziähnlichen Blick evoziert.
Tondi
Seit kurzem arbeitet Melanie Ebenhoch auch an sogenannten Tondi und präsentiert einige erlesene Beispiele davon in Lustenau. Ein Tondo (vom italienischen „rotondo“ für „rund“) ist ein kreisrundes Gemälde oder Relief. Diese Kunstform war besonders in der Florentiner Renaissance des 15. und 16. Jahrhunderts populär. Für diese Tondi entwickelte die Künstlerin Modelle aus Keramik mit konvexen Oberflächen und machte davon Kunstharzabgüsse, die sie wiederum in vielen Schichten mit Ölfarbe bemalte. Diese objekthaften Rundbilder erinnern mitunter an architektonische Fragmente, Linsen oder Portale und inszenieren häusliche Szenarien, die zwischen Stillleben und räumlicher Illusion, Intimität und Befremden oszillieren. Die zentrale Erhebung in der Mitte der Tondi, die beispielsweise an eine Iris, einen Türgriff, einen Handspiegel oder eine Brustwarze denken lässt, fungiert als optischer Störpunkt: Sie zieht den Blick an, während sie ihn zugleich verunsichert.
In einer fortlaufenden Serie der Tondi greift Ebenhoch die Bildgrammatik der Vanitas-Malerei auf: Trauben im Zustand des Verfalls, Käfer, die über Kristalloberflächen kriechen, Spiegel, die kein Bild zurückwerfen. Jedes bemalte Kunsthartzrelief steht für Wandel, nicht für Ende. Diese Dinge verharren in einem Zwischenzustand: weder leblos noch lebendig, sondern von latenter Vitalität durchzogen. Freuds Begriff des Unheimlichen hallt hier als Rückkehr des Verdrängten wider: als Moment, in dem das Vertraute ins Fremde kippt.
Die Künstlerin selber erläutert: „Die ausgestellten Arbeiten verbinden meine kontinuierliche Recherche in Architektur, häusliche Interieurs, Sehnsüchte und die sie behausenden Persönlichkeiten, denen oft ein kompliziertes Schicksal zugeschrieben wird. Daraus entsteht eine Mise-en-scène, die sowohl von fiktiven Charakteren (z.B. Aschenputtel, Blaubart) als auch von realen Figuren aus der Architekturgeschichte, der zeitgenössischen Kunsttheorie, der kritischen Theorie und der kollektiven Vorstellung des alten Hollywoods (z.B. Jayne Mansfield) bevölkert wird.“
Melanie Ebenhoch
BE Haus 2226, Millennium Park 20/20a, A-6890 Lustenau
24.4.-3.7.
Eröffnung: 24.7., 19.00 Uhr
Mo-Fr 8-17
https://melanieebenhoch.com