6. Februar 2020 - 6:49 / Ausstellung / Geschichte 
17. Februar 2020 17. Mai 2020

Die Reihe "Im Blick" im Oberen Belvedere widmet sich ab Februar 2020 einem der bedeutendsten Maler des Spätmittelalters in Österreich: dem Meister von Mondsee. Die Ausstellung vereint erstmals das gesamte Ensemble seines sogenannten Mondseer Altars und beleuchtet dieses Meisterwerk im kunst- und kulturhistorischen Kontext.

Reizvolle Mariendarstellungen, opulente, figurenreiche Szenen der Kindheit Christi, agile Kirchenväter in Studierstuben und nicht zuletzt die berühmte Seenlandschaft in der Flucht nach Ägypten prägen das facettenreiche Œuvre des Meisters von Mondsee. Im Zentrum der Ausstellung steht das namengebende Werk des großen unbekannten Malers: Die Bilder eines gotischen Flügelaltars, der wahrscheinlich einst in der Stiftskirche von Mondsee stand. Von diesem verloren gegangenen Werk sind insgesamt acht Gemälde erhalten, die sich heute an drei Standorten befinden. Das Belvedere besitzt mit fünf Tafelbildern den größten und bekanntesten Bestand. Zwei Tafeln wurden kürzlich von den Oberösterreichischen Landesmuseen aus Privatbesitz erworben, und eine befindet sich in den Fürstlichen Sammlungen Liechtenstein, Vaduz–Wien. Das Ensemble wurde wahrscheinlich im Zuge der Aufhebung des Benediktinerklosters Mondsee im Jahr 1791 getrennt, mittlerweile gilt als sicher, dass die Bilder zusammengehören. Erstmals werden sie nun alle wieder vereint und gemeinsam präsentiert.

Ein Aspekt der Ausstellung ist die Altarstiftung durch Abt Benedikt Eck von Vilsbiburg, der auf einem der Bilder als Stifter mit dem Wappen von Mondsee zu sehen ist. In Benedikts Amtszeit erfolgte der gotische Neubau der Mondseer Stiftskirche. Der Abt hatte zuvor Michael Pacher mit der Gestaltung des Hochaltars der Wallfahrtskirche Sankt Wolfgang beauftragt, der für den Meister von Mondsee ein wichtiger Bezugspunkt war. Wie anhand von Vergleichswerken gezeigt wird, bewahrte der Meister von Mondsee in der Auseinandersetzung mit Pachers Werk und anderen Bildquellen seines Salzburger und bayerischen Künstlerumfelds stets eine individuelle Note, die sein Werk so unverwechselbar macht.

Neue Einblicke in die hohe Kunstfertigkeit des Meisters von Mondsee als Zeichner geben die detaillierten Unterzeichnungen, die durch strahlentechnische Aufnahmen (Infrarotreflektografien) in der Belvedere-Restaurierung ans Licht kamen und in der Schau erstmals vorgestellt werden.

Die Reihe "Im Blick" im Oberen Belvedere wurde konzipiert, um Künstlerinnen und Künstler wie Werke aus der Sammlung wissenschaftlich zu analysieren und vorzustellen.

Meister von Mondsee
7. Februar bis 17. Mai 2020
Kuratorin: Veronika Pirker-Aurenhammer

Oberes Belvedere
Prinz Eugen Straße 27
A - 1030 Wien

T: 0043 (01) 79 557 0
E: info@belvedere.at
W: http://www.belvedere.at/

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  •  17. Februar 2020 17. Mai 2020 /
 Meister von Mondsee, Flucht nach Ägypten, von der Predella des sog. Mondseer Altars, vor 1499  Foto: Johannes Stoll © Belvedere, Wien
Meister von Mondsee, Flucht nach Ägypten, von der Predella des sog. Mondseer Altars, vor 1499 Foto: Johannes Stoll © Belvedere, Wien
 Meister von Mondsee, Maria als Tempeljungfrau im Ährenkleid; von der Predella des sog. Mondseer Altars, vor 1499  Foto: Johannes Stoll © Belvedere, Wien
Meister von Mondsee, Maria als Tempeljungfrau im Ährenkleid; von der Predella des sog. Mondseer Altars, vor 1499 Foto: Johannes Stoll © Belvedere, Wien
 Meister von Mondsee, tätig um 1490-1500, Beschneidung Christi, um 1497  Foto: Johannes Stoll © Belvedere, Wien
Meister von Mondsee, tätig um 1490-1500, Beschneidung Christi, um 1497 Foto: Johannes Stoll © Belvedere, Wien
Meister von Mondsee, Anbetung der Heiligen Drei Könige, von den Schreinflügeln des sog. Mondseer Altars, vor 1499 © Oberösterreichisches Landesmuseum, Linz
Meister von Mondsee, Anbetung der Heiligen Drei Könige, von den Schreinflügeln des sog. Mondseer Altars, vor 1499 © Oberösterreichisches Landesmuseum, Linz