27. Oktober 2010 - 2:30 / Ausstellung / Malerei 
18. Juni 2010 31. Oktober 2010

Er wird als Klassiker der Moderne bezeichnet, als Altmeister der österreichischen Gegenwartsmalerei, seine Kunst gilt als spezifisch österreichische Form der internationalen Moderne. Am 27. August 2010 wäre Max Weiler 100 Jahre alt geworden, am 29. Jänner 2011 jährt sich sein Todestag zum zehnten Mal. Anlässlich der Max Weiler-Jubiläen präsentieren das Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum und das Stadtmuseum / Stadtarchiv Innsbruck die Ausstellung "Max Weiler – Die grossen Werke".

Innerhalb der österreichischen Kunst der Nachkriegszeit gibt es keinen anderen Künstler, der so viele Werke für den Öffentlichen Raum geschaffen hat wie Max Weiler. Seinem öffentlichen Werk kommt daher, über die Grenzen Tirols hinaus, innerhalb der gesamten österreichischen Nachkriegskunst ein besonderer Stellenwert zu.

Weilers öffentliches Werk, das sich bis in die 1990er Jahre erstreckt, begann 1945 mit dem Auftrag, die Theresienkirche auf der Innsbrucker Hungerburg zu gestalten. Seine ungewohnt farbkräftige Malweise, vor allem aber die Darstellung von Tiroler Bauern in der Kreuzigungsszene brachten Weiler heftige Kritik ein – für ein knappes Jahrzehnt mussten die Fresken verhängt bleiben. In der Aufregung um die so genannten "Skandal"-Fresken manifestierte sich am deutlichsten seine zwiespältige Beziehung zum Land seiner Herkunft, auch wenn er nicht zuletzt durch den Umstand des heftigen Geredes eine gewisse Berühmtheit erlangte.

Zehn Jahre später sollte es anlässlich der Wandbilder für den Innsbrucker Hauptbahnhof 1954/55 wieder zu einer heftig geführten Diskussion über sein öffentliches Werk kommen. Diesmal ging es jedoch weniger um den Inhalt der Darstellungen, sondern vielmehr um die für damalige Zeit in Tirol noch ungewohnt moderne Formensprache, die Max Weiler – wie andere Künstlerinnen und Künstler in Tirol – über die Vermittlung des Französischen Kulturinstitutes kennengelernt und aufgenommen hatte. Die gesamte Spannweite seiner öffentlichen Aufträge reicht von dem Fresko in der Friedenskirche Linz/Urfahr, 1951, dem Glasfenster in der Kapelle in der Eucharistieschwestern in Salzburg/Herrnau, den Wandmalereien im Innsbrucker Hauptbahnhof, 1954/55 und dem Eisernen Vorhang im Tiroler Landestheater, 1967, bis hin zu den Wandbildern im Casino Innsbruck, 1992/93.

Für die Aufträge im Öffentlichen Raum, die zwischen den Wandmalereien von 1931 auf der Burg St. Petersberg bei Silz im Oberinntal (zerstört 1938) und dem Glasfenster für die Pfarrkirche in Uettingen, Deutschland von 1966 ausgeführt wurden, arbeitete Weiler in den Techniken Mosaik, Fresko oder Glasfenster. Dann – zwischen 1967 und 1994 – malte Weiler die großformatigen Werke für den Öffentlichen Raum zunächst auf Leinwände, die danach am Auftragsort auf den Untergrund appliziert wurden. Insgesamt gestaltete Weiler mit seinen 40 ausgeführten großen öffentlichen Werken 1000 m².

In der Gemeinschaftsausstellung mit dem Stadtmuseum/Stadtarchiv Innsbruck wird dieser in der Weiler-Forschung bisher vernachlässigte Bereich anhand von vorbereitenden Entwürfen, Skizzen und Kartons erstmals umfassend dokumentiert. Im Stadtarchiv/Stadtmuseum liegt der Fokus auf der Wandgestaltung des Innsbrucker Stadtsaals, die als Beispiel "gelebter Zeitgeschichte" im Kontext der permanenten Ausstellung über Innsbrucks Stadtgeschichte gezeigt wird. So treten die Exponate der Dauerausstellung in wechselseitigen Dialog mit Weilers Kunstwerken.

Die Ausstellung im Ferdinandeum ist seinen öffentlichen Arbeiten von den 1930er bis zu den 1990er Jahren gewidmet. Dabei wird nicht nur sichtbar, dass die großen öffentlichen Werke zumeist die Summe vorangegangener Entwicklungen bilden und diese abschließen, sondern aus den enthaltenen Skizzen und Studien wird auch deutlich, welchen Weg der Künstler im gedanklichen wie materiellen Entwickeln der jeweiligen Arbeiten beschritt.

Zur Ausstellung erscheint ein Katalog mit Skizzen und Studien zu allen öffentlichen Werken sowie Textbeiträgen von Matthias Boeckl, Günther Dankl, Regina Doppelbauer, Elisabeth Larcher, Renate Mairoser, Bettina Schlorhaufer und Wieland Schmied (455 Seiten, 21 x 26 cm, gebunden, EUR 34,90 . ISBN 978-3-85218-648-1, Haymon Verlag, Innsbruck).

Max Weiler - Die grossen Werke
Fresken Mosaike Gemälde
Vom Entwurf zur Ausführung
18. Juni bis 31. Oktober 2010
Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum
Stadtarchiv/Stadtmuseum Innsbruck

Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum
Museumstraße 15
A - 6020 Innsbruck

W: http://www.tiroler-landesmuseum.at/

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Eiserner Vorhang am Tiroler Landestheater in Innsbruck, 1967. Raumaufnahme, Foto: Robert Fleischanderl. © Yvonne Weiler
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Innenansicht der Pfarrkirche von Mayrhofen mit dem Deckenbild 'Rose von Jericho', 1971. Foto: Franz Hubmann; © Yvonne Weiler
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Innsbrucks Gegenwart, 1955. Raumansicht im neuen Innsbrucker Hauptbahnhof; © Yvonne Weiler
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Innsbrucks Geschichte, 1954. Raumansicht im neuen Innsbrucker Hauptbahnhof; © Yvonne Weiler
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Wandmalerei im Großen Stadtsaal in Innsbruck, rechte Seite, 1960. Raumansicht Stadtsaal; Silikatfarben auf Kalkputz, 270 x 2825 cm. Foto: Robert Fleischanderl; © Yvonne Weiler
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Wie eine Symphonie, 1990. Eitempera auf Leinwand, 500 x 630 cm. Seit Juli 2008 als Dauerleihgabe der Max-Weiler-Privatstiftung im Karl-Böhm-Saal des Festspielhauses in Salzburg. © Yvonne Weiler