7. April 2020 - 9:01 / Ausstellung / Online 

Max Weiler (1910–2001) zählt zu den wichtigsten und produktivsten Zeichnern seiner Generation. In mehr als siebzig Jahren künstlerischer Arbeit entstand ein knapp 3.500 Arbeiten umfassendes zeichnerisches Werk, das in so gut wie allen Formaten und Techniken seinen Ausdruck fand.

Max Weiler und die Albertina verbindet eine lange und fruchtbare Beziehung. Seit dem Beginn der Fünfzigerjahre des 20. Jahrhunderts wurden kontinuierlich Papierarbeiten angekauft, die einen Überblick über sein Œuvre ermöglichten. Im Jahr 2011 wurde in einer Retrospektive der Albertina erstmals das zeichnerische Werk in seiner ganzen Tiefe und Vielfalt vorgestellt. Yvonne Weiler, die im Jahr 2015 verstorbene Witwe des Künstlers, hatte an deren Ausrichtung wesentlichen Anteil.

Zeichnerisches Hauptwerk

Robert Najar, der Erbe und Nachlassverwalter des Œuvres, hat der Albertina eine Schenkung von 17 Werken übergeben, die den Bestand substantiell um Arbeiten aus wesentlichen Schaffensperioden erweitert.

Zu der Schenkung zählen zwei großformatige Zeichnungen, die gemeinsam mit einer bereits länger im Besitz des Hauses befindlichen Arbeit das Triptychon der im Jahr 1980 entstandenen "Großen Zeichnungen" vervollständigen. In der zehn Meter langen Kohlearbeit Kunst ist Natur. Naturgebild (1985), seinem zeichnerischen Hauptwerk, reflektiert Max Weiler die Prozesshaftigkeit des Lebens, aber auch den Zeichenvorgang selbst. Das Werk ist eine Arbeit über das Zeichnen selbst, eine Arbeit, die ihr Medium zelebriert. Diese großen Arbeiten nehmen mit ihren Dimensionen im europäischen Kontext einen singulären Platz ein.

Die Schenkung umfasst darüber hinaus Blätter, die Hauptthemen des Werks repräsentieren: So bezieht Max Weiler Spannungsmomente aus dem Wechselspiel von Fülle und Leere. Die aus der Beschäftigung mit chinesischer Tuschpinselmalerei gespeiste Sensibilität gegenüber dem Bildgrund bleibt stets spürbar, selbst oder gerade dann, wenn Fülle vorherrscht. 1963 werden Motive aus Probierblättern – Arbeitspapiere aus dem Atelier, auf denen Max Weiler überschüssige Farbe abstreift und Farbmischungen ausprobiert – zu einer zentralen Inspirationsquelle für Malerei und Zeichnung. Zwei eng verwandte Tuschpinselarbeiten zeigen, dass ihnen offensichtlich dasselbe Probierpapier zugrunde liegt.

Die wissenschaftliche Vorbereitung der 2011 von der Albertina gezeigten Retrospektive "Max Weiler. Der Zeichner" wurde durch ein Forschungsprojekt der Oesterreichischen Nationalbank ermöglicht: Dr. Regina Doppelbauer hat rund 3.500 Papierarbeiten erschlossen und als digitales Werkverzeichnis zugänglich gemacht.

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Max Weiler, Kunst ist Natur. Naturgebild, 1985 Kohle auf Leinwand, grundiert Albertina, Wien © Robert Najar
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Max Weiler, Ohne Titel, 1967 Pinsel in Tusche auf Papier Albertina, Wien © Robert Najar
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Max Weiler, Ohne Titel, 1997 Wachskreiden auf Papier Albertina, Wien © Robert Najar
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Max Weiler, Als alle Dinge ... blau, 1961 Eitempera auf Papier Albertina, Wien © Robert Najar
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