Max Liebermann – Impressionismus in Deutschland

Das Museum Frieder Burda widmet dem Impressionismus, einer der bedeutendsten künstlerischen Strömungen des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts, sowie dem Maler, der sie in Deutschland zum Durchbruch verhalf, eine Ausstellung. Max Liebermann (1847–1935) gilt als Wegbereiter des deutschen Impressionismus. Dessen lichtdurchflutete Bildwelten und moderne Sujets faszinieren bis heute. 108 Werke aus mehr als 60 internationalen Sammlungen geben spannende Einblicke in die deutsche Ausprägung dieser Stilrichtung, die in Paris in den 1860er Jahren um Künstler wie Claude Monet und Pierre-Auguste Renoir entstand.

Die farbstarken Bildwelten des Impressionismus faszinieren bis heute wie kaum eine andere Kunstrichtung. Die im Frankreich der 1860er Jahre aufgekommene Malerei zeichnet sich durch den Einsatz kräftig leuchtender Farben sowie eine energische, skizzenhafte Pinselführung aus. Mit Max Liebermann (1847–1935) als ihrem Vorreiter wurde diese revolutionär neue Strömung auch im Deutschen Kaiserreich früh zur tonangebenden Avantgarde. Motivisch setzten sich die Künstlerinnen und Künstler mit einer Vielzahl unterschiedlichster Sujets auseinander: von sonnendurchfluteten Landschaftsdarstellungen und stimmungsvollen Figurenbildern bis zu sorgfältig arrangierten Stillleben.

Die Ausstellung gibt einen opulenten Überblick über die gesamte Entwicklung der Bewegung von den 1880er bis zu den 1920er Jahren. Weltbekannte Arbeiten von Künstlern wie Max Liebermann, Lovis Corinth, Max Slevogt und Fritz von Uhde werden gezielt neben Werken von Malerinnen und Malern gezeigt, deren Beitrag es neu zu entdecken gilt, darunter Dora Hitz, Philipp Franck, Gotthardt Kuehl, Christian Landenberger, Sabine Lepsius und Max Uth.

In der Entwicklung des deutschen Impressionismus spielte der Blick nach Frankreich von Anfang an eine entscheidende Rolle. Wie Liebermann bezogen auch zahlreiche andere Malerinnen und Maler Inspiration aus den Werken ihrer französischen Kolleginnen und Kollegen, mit denen sie sich vielfach auf ausgedehnten Reisen nach Paris auseinandersetzen konnten. Hinzu kamen Ausstellungen in progressiven Galerien wie dem Berliner Kunstsalon von Paul Cassirer, in dem regelmäßig Gemälde von Edgar Degas, Claude Monet und Pierre-Auguste Renoir gezeigt wurden. Zur Empörung des Kaisers hatte der Direktor der Nationalgalerie, Hugo von Tschudi, bereits in den 1890er Jahren bedeutende Gemälde der französischen Moderne erworben. Liebermann baute auf diesem Gebiet eine hochkarätige Sammlung auf, die in seiner Villa am Wannsee bewundert werden konnte. Ähnlich wie Claude Monet in Giverny legte er ab 1909 einen aufwendig gepflegten Garten an, dessen bunte Blütenpracht zum Hauptmotiv seines impressionistischen Spätwerks wurde.

Die Ausstellung im Museum Frieder Burda präsentiert Liebermann nicht nur als eine zentrale künstlerische Position, sondern beleuchtet auch seinen wesentlichen Einfluss als Sammler, Ausstellungsmacher und Mentor. Im erzkonservativen Kaiserreich war der jüdische Maler als Präsident der Berliner Secession eine mutige Stimme für Fortschritt, Internationalität und Neuerung – und einer der wichtigsten kulturpolitischen Akteure der deutschen Hauptstadt. In dem zunehmend intensiven Dialog mit Frankreich spielte Liebermann ebenfalls eine zentrale Rolle. Bereits im Zuge der Exposition universelle von 1889 hatte ihm der französische Staat eine Ehrenmedaille verliehen und ihn zugleich als einen der ersten deutschen Künstler überhaupt in die renommierte Société des Beaux-Arts aufgenommen. Sein Genrebild „Biergarten in Brannenburg” (1893, Musée d’Orsay, Paris) wurde fünf Jahre später für das Musée du Luxembourg in Paris erworben. 1896 folgte Liebermanns Eintritt in die französische Ehrenlegion – eine äußerst symbolträchtige Auszeichnung, deren Annahme ihm die nationalkonservative preußische Regierung zunächst verweigert hatte.

Liebermann starb zwei Jahre nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten, die der Entwicklung der modernen Malerei in Deutschland ein jähes Ende setzten. Seine Witwe Martha Liebermann wählte 1943, wenige Tage vor ihrer geplanten Deportation in das Konzentrationslager Theresienstadt, den Freitod. Ihre Tochter Käthe und die junge Enkelin Maria waren bereits 1938 ins US-amerikanische Exil geflohen. Liebermanns umfangreiche Sammlung zur Malerei des französischen Impressionismus ist heute in alle Winde verstreut und befindet sich zu großen Teilen in Sammlungen jenseits des Atlantiks. Seine Künstlervilla am Wannsee ist heute nicht nur ein bedeutendes kulturelles Vermächtnis, sondern auch ein politisches Mahnmal.

Impressionismus in Deutschland.
Max Liebermann und seine Zeit
Bis 8. Februar 2026