3. März 2021 - 10:22 / Ausstellung / Malerei 
13. März 2021 20. Juni 2021

Die Maske ist heute als Schutz vor dem Virus allgegenwärtig. Als Kulturform, zum Verkleiden, Verhüllen und als Spiel mit Identitäten reicht ihre Geschichte weit zurück. Unter dem Leitmotiv der Maskerade stehen sich nun im Kunst Museum Winterthur zwei Meister der Moderne gegenüber: James Ensor und Pablo Picasso, erstmals überhaupt in einer gemeinsamen Ausstellung.

Pablo Picasso (1881 – 1973) war früh fasziniert vom Zirkus, dem Schauspiel der Harlekine und Akrobaten. Die Werke aus der Rosa Periode zeugen davon. Dabei versuchte er, hinter die Inszenierung zu blicken, den Vorhang und die Masken zu lüften. Seiner ersten grafischen Serie, den Saltimbanques, kommt dabei eine Schlüsselrolle zu. Wenig später entdeckte er die Masken aussereuropäischer Kulturen als Inspirationsquelle und entwickelte aus der Beschäftigung mit ihnen eine völlig neue Gestaltungsform, den Kubismus.

James Ensor (1860 – 1949) ist "der Maler der Masken". Er kannte Masken und skurrile Objekte schon als Kind aus dem Souvenirladen seiner Eltern. Der heimatliche Karneval lieferte das Schauspiel dazu. Zeitlebens setzte er sich mit dem Thema auseinander und führte dabei exemplarisch vor, wie die Menschen erst durch die Maskerade ihr wahres Gesicht zeigen – gerade, wenn sie als Masse im Festtaumel zusammenkommen. Die Grenze zwischen Gesicht und Fratze, Verhüllung und Entblössung sind dabei fliessend. Die Maske als Objekt und Symbol impliziert auch immer ein Spiel mit Identität und Inszenierung. Damit verbunden ist nicht zuletzt die Auseinandersetzung mit dem eigenen Ich und dem Alter Ego – eine Selbstbefragung, die für Picasso wie für Ensor von zentraler Bedeutung war. Gerade der späte, inzwischen weltberühmte Picasso spielte gerne mit der Selbstdarstellung und wurde nicht müde, sich in immer anderen Maskierungen in Szene zu setzen.

Die Ausstellung spürt diesen Fragen nach und präsentiert die Formen der Maskerade im Schaffen von Ensor und Picasso. Ausgehend von ihren zeichnerischen und druckgrafischen Arbeiten, kombiniert mit ausgewählten Gemälden und Skulpturen, entsteht ein spannungsreicher Dialog, der einen neuen wechselseitigen Blick auf die beiden Meister der Moderne ermöglicht und dabei auch unseren eigenen Umgang mit dem Verhüllen reflektiert.

Ensor – Picasso
Maskeraden
13. März bis 20.Juni 2021

Kunstmuseum Winterthur
Museumstrasse 52
CH - 8400 Winterthur

W: http://www.kmw.ch/

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  •  13. März 2021 20. Juni 2021 /
James Ensor, Les masques et la mort / Die Masken und der Tod, 1898, Wasserfarben und Deckfarben auf Papier, Blattmass: 62 x 47.5 cm, Bildmass: 52 x 38 cm © Kunst Museum Winterthur, Stiftung Oskar Reinhart
James Ensor, Les masques et la mort / Die Masken und der Tod, 1898, Wasserfarben und Deckfarben auf Papier, Blattmass: 62 x 47.5 cm, Bildmass: 52 x 38 cm © Kunst Museum Winterthur, Stiftung Oskar Reinhart
James Ensor, Pierrot et squelettes / Pierrot und Skelette,1907, Öl auf Leinwand, 98 x 113 cm © Privatsammlung Schweiz
James Ensor, Pierrot et squelettes / Pierrot und Skelette,1907, Öl auf Leinwand, 98 x 113 cm © Privatsammlung Schweiz
Pablo Picasso, Buste de femme: Françoise / Frauenbüste: Françoise, 1948, Keramik, glasiert, 52 x 32.5 x 1 cm, Kunst Museum Winterthur © Succession Picasso / 2021, ProLitteris, Zurich
Pablo Picasso, Buste de femme: Françoise / Frauenbüste: Françoise, 1948, Keramik, glasiert, 52 x 32.5 x 1 cm, Kunst Museum Winterthur © Succession Picasso / 2021, ProLitteris, Zurich
Pablo Picasso, Homme et femme / Mann und Frau, 1968, Ölfarben auf Sperrholz, 131.5 x 98 cm, Rahmenmass: 137 x 103.5 x 5 cm, Kunst Museum Winterthur © Succession Picasso / 2021, ProLitteris, Zurich
Pablo Picasso, Homme et femme / Mann und Frau, 1968, Ölfarben auf Sperrholz, 131.5 x 98 cm, Rahmenmass: 137 x 103.5 x 5 cm, Kunst Museum Winterthur © Succession Picasso / 2021, ProLitteris, Zurich