Im Rahmen des Bregenzer Kultursommers 2026 präsentiert die Galerie K12 ab 18. Juli neue Werke des aus der Türkei stammenden und in Wien lebenden und arbeitenden Künstlers Tuncay Boztepe sowie des Lustenauer Kunstschaffenden Marxx Bosch. Beide kommen ursprünglich von der Malerei, haben an der Universität für Angewandte Kunst in Wien bei Peter Weibel studiert und sich in der Folge stark mit digitalen Medien beschäftigt.
Tuncay Boztepe, Jahrgang 1960, zeigt in Bregenz sechs Mischtechniken, bei denen unterschiedliche Medientechniken miteinander verschmelzen. Ausgangspunkt für die Werke sind fotografische Selbstporträts. Es sind Aufnahmen von Wasseroberflächen, auf denen sich sein eigener Schatten spiegelt. Die Fotografien werden am Computer überarbeitet und anschließend auf Transparentfolie gedruckt. In einem weiteren Arbeitsschritt zeichnet er diesen Schattenporträts mit Pastellkreide charakteristische Züge seines Gesichtes ein. Da die Haftung der Kreide auf der Folie stark eingeschränkt ist, bröselt sie im Laufe der Zeit ab – ein Verweis auf die Vergänglichkeit. Durch die von den Passepartouts evozierten Höhenabstände erfahren die Bilder zudem eine Art minimaler räumlicher Erweiterung. Tuncay Boztepe zu seinen Arbeiten: „Die visuelle Essenz der Bildobjekte basiert auf einem Wechselspiel aus Transparenz, Fragilität und struktureller Dichte. Durch das bewusste Schichten von Bildelementen und den Einsatz von transparenten Schleiern entsteht ein virtueller Raum. Innerhalb dieser scheinbaren Schwerelosigkeit verorten sich konkrete, feine, zeichnerische Fragmente, die sich im Zustand des Auflösens oder des Entstehens zu befinden scheinen. Sie holen den Blick des Betrachters in eine haptische, reale Dimension zurück.“
Marxx Bosch wiederum beschäftigt sich mit den Möglichkeiten digitaler Malerei. Dabei verbannt er jegliche formale Konstellationen, die auf Gegenstände hinweisen könnten. Der reine Sehprozess steht im Mittelpunkt seiner experimentellen Malerei. Farbe, Form, Struktur und reines Sehen ohne Ablenkung symbolischer Formkonstellationen im Bild sind Gegenstand der Bildkonstruktionen. Ihm gehe es nicht zuletzt um die Befreiung der Malerei von allen symbolischen, politischen oder literarischen Inhalten, sagt der Künstler. Basis seiner digitalen Muster und Farbräume sind vielfach algorithmisch erzeugte Fraktale.
Auf der anderen Seite entwickelt Marxx Bosch seit längerer Zeit auch Objekte, die mittels 3D-Druck realisiert werden. Es entstehen 3D-Multiples in direktem Kontext zur Zeitgeschichte und dem gesellschaftspolitischen Kontext. Dabei zitiert Bosch immer wieder auch Motive aus der Kunstgeschichte. Das Multiple „E.V.O.L.“ zum Beispiel, das eine Hand ohne Mittelfinger zeigt, ist eine Persiflage auf die von Maurizio Cattelan geschaffene Skulptur „L.O.V.E.“. Diese zeigt eine menschliche Hand aus weißem Carrara-Marmor, bei der alle Finger bis auf den Mittelfinger abgebrochen sind. Der Name ist ein Akronym für die italienischen Wörter Libertà, Odio, Vendetta, Eternità (Freiheit, Hass, Rache, Ewigkeit) und hat, im Unterschied etwa zu der von Robert Indiana 1970 geschaffenen Arbeit „LOVE“, also nichts mit Liebe zu tun. Der ausgestreckte Mittelfinger ist ein „Stinkefinger“, der sich direkt an das Banken- und Finanzzentrum und damit gegen den Kapitalismus richtet. Zudem hat sie eine historische Komponente: Die Hand ähnelt dem faschistischen „römischen Gruß“ der Mussolini-Ära.
Anlässlich der Eröffnung der Ausstellung am 18. Juli erhalten die ersten dreißig Besucher von der Galerie K21 ein vom Künstler Marx Bosch signiertes Multiple als Geschenk überreicht.
Marxx Bosch und Tuncay Boztepe:
Malerei, Mischtechniken, Multiples
18.07.-28.8.2026
Eröffnung: 18.07., 17.00 bis 24.00 Uhr
Worte: 18.07., 20.00: Karlheinz Pichler
Fr. u. Sa. 14-18