26. September 2020 - 4:55 / Ausstellung / Fotografie 
26. September 2020 14. Februar 2021

Marina Faust beschäftigt sich seit mehr als fünf Jahrzehnten mit den Medien Fotografie, Video, Performance und Collage sowie mit der Sprache der Dinge, deren Materialien und Gebrauch.

Das Museum der Moderne Salzburg präsentiert im Rupertinum die erste umfangreiche Überblickausstellung ihres Werks. Die etwa 100 gezeigten Arbeiten – Fotografien, Videos und Installationen – stammen zum Teil aus der museumseigenen Sammlung, der Fotosammlung des Bundes am Museum der Moderne Salzburg und aus dem Archiv der Künstlerin. Die Ausstellung ermöglicht einen querschnittartigen Blick in ein vielfältiges Schaffen, welches von der steten Neu- und Wiederbeschäftigung der Künstlerin mit ihren eigenen früheren Werken geprägt ist. Zur Ausstellung erscheint ein repräsentativer Katalog in der Fotohof edition, der die Entwicklung ihrer künstlerischen Arbeit nachzeichnet.

Marina Faust begann 1969 als Fotoreporterin in Wien zu arbeiten. Ihre Fotografien und Texte wurden weltweit in zahlreichen Magazinen publiziert. Von 2000 bis 2001 unterrichtete sie an der École nationale supérieure des Beaux-Arts, Paris, FR. Besondere Bekanntheit erlangten ihre Fotografien, die im Umfeld der Modemarke Maison Martin Margiela entstanden. Über 20 Jahre lang arbeitete sie eng mit Martin Margiela, dem Begründer des Labels, zusammen und begleitete mit der Kamera intensiv seine Performances sowie die Arbeiten im Studio und hinter dem Laufsteg. Heute arbeitet Marina Faust verstärkt an ihrem Bildarchiv, hinterfragt frühere Arbeiten, sich selbst sowie die eigenen Interessen und Sichtweisen und entwickelt daraus neue Bildformate, Techniken und Sujets. Ein Beispiel dafür sind ihre sogenannten Archiv-Boxen, in denen sie Sets von Fotografien zusammenstellt, die nicht starr und auf Fotopapier abgezogen sind, sondern auf Seidenpapier gedruckt wurden und von einem Nagel zusammengehalten werden. Der Gegensatz zwischen dem flatterigen Papier und dem fixierenden Stahl entspricht einem Prinzip in Fausts Arbeit. Kunst und Fotografie sind für sie nicht statisch, sondern flexibel und wandelbar.

Marina Faust hat auch immer wieder an experimentellen Selbstporträts gearbeitet, sich über schwarz-weiße Sachaufnahmen ihrem Umfeld angenähert und mit anderen Künstler_innen zusammengearbeitet. So entstand etwa gemeinsam mit Franz West im Jahr 2012 die Installation "Talk without Words (Christopher Wool)", die eine Interaktion der Ausstellungsbesucher ermöglicht. Vier Personen können an einem Tisch Platz nehmen, über dem ein großer grüner Mohairball hängt, der allen die Sicht aufeinander verstellt, jedoch nonverbale Kommunikation ermöglicht und herausfordert.

Stühle spielen für die Künstlerin eine besondere Rolle. Sie werden in ihren Bildern selten als Sitzgelegenheit gezeigt, sondern vielmehr als Ablage und Präsentationsforum, und sie dienen als Ausgangspunkt von Bewegungen ihrer Besitzer_innen oder als deren Stellvertreter_innen. Seit nunmehr fünfzehn Jahren experimentiert und arbeitet Faust mit diesen sogenannten "Traveling Chairs". Unter Designklassiker werden hohe Industrierollen montiert, sodass die darauf sitzenden Personen jeweils nicht mehr mit den Füßen den Boden erreichen können und zur Fortbewegung auf die Hilfe anderer Person angewiesen sind. Es entsteht eine spezifische Form der Abhängigkeit der "reisenden" Person von der "schiebenden". Besucher_innen der Ausstellung sind eingeladen, mit den Traveling Chairs eine Reise durch die Stockwerke des Rupertinums zu unternehmen und das Werk Marina Fausts aus einer ungewohnten Sitzposition und Perspektive zu erkunden.

Otto-Breicha-Preis für Fotokunst – Museum der Moderne Salzburg

Marina Faust (1950 Wien, AT – Paris, FR, Wien AT) ist die 17. Preisträgerin des seit 1983 vergebenen Fotopreises am Museum der Moderne Salzburg, der seit 2007 nach Otto Breicha benannt und mit 5000 Euro dotiert ist. Otto Breicha (1932 Wien, AT – 2003 Wien, AT) war der Gründungsdirektor der "Modernen Galerie und Graphischen Sammlung – Rupertinum", wie die Vorläuferinstitution des heutigen Museums der Moderne Salzburg hieß. Er leitete die Einrichtung von 1983 bis 1998 und erweiterte die Sammlung durch Ankäufe österreichischer Fotografie, womit ein Grundstein für einen der heutigen Sammlungsschwerpunkte gelegt wurde, der mittlerweile auch die Fotosammlung des Bundes umfasst.

Der Otto-Breicha-Preis für Fotokunst – Museum der Moderne Salzburg wird in Erinnerung an den wohl wichtigsten Förderer zeitgenössischer Fotografie in Österreich alle zwei Jahre von der Familie Breicha gestiftet. Berücksichtigt werden verstärkt Künstler_innen, die in ihrem Werk mediale Repräsentationsformen der Fotografie untersuchen.

Marina Faust - Otto-Breicha-Preis für Fotokunst 2019
26. September 2020 bis 14. Februar 2021
Kuratorinnen: Christiane Kuhlmann mit Andrea Lehner-Hagwood

Museum der Moderne Rupertinum
Wiener-Philharmoniker-Gasse 9
A - 5020 Salzburg

T: 0043 (0) 662 842220-0
F: 0043 (0) 662 842220-700
E: office@museumdermoderne.at
W: http://www.museumdermoderne.at/

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  •  26. September 2020 14. Februar 2021 /
Marina Faust: Once on TV, 2017, Inkjetdruck auf Seidenpapier. © Marina Faust
Marina Faust: Once on TV, 2017, Inkjetdruck auf Seidenpapier. © Marina Faust
Marina Faust: Aus der Serie Basquiat-Mort Paris, 1989–1990/1989. Inkjetdruck. © Fotosammlung des Bundes am Museum der Moderne Salzburg
Marina Faust: Aus der Serie Basquiat-Mort Paris, 1989–1990/1989. Inkjetdruck. © Fotosammlung des Bundes am Museum der Moderne Salzburg
Marina Faust: Possible Candidate, 2017. Inkjetdruck auf Seidenpapier. © Marina Faust
Marina Faust: Possible Candidate, 2017. Inkjetdruck auf Seidenpapier. © Marina Faust
Marina Faust: Aus der Serie Untitled ITA, 1979–1989. © Marina Faust
Marina Faust: Aus der Serie Untitled ITA, 1979–1989. © Marina Faust
Marina Faust. Otto-Breicha-Preis für Fotokunst 2019. Ausstellungsansicht. Museum der Moderne Salzburg, 2020. © Museum der Moderne Salzburg, Foto: Rainer Igla
Marina Faust. Otto-Breicha-Preis für Fotokunst 2019. Ausstellungsansicht. Museum der Moderne Salzburg, 2020. © Museum der Moderne Salzburg, Foto: Rainer Igla
Marina Faust. Otto-Breicha-Preis für Fotokunst 2019. Ausstellungsansicht. Museum der Moderne Salzburg, 2020. © Museum der Moderne Salzburg, Foto: Rainer Iglar
Marina Faust. Otto-Breicha-Preis für Fotokunst 2019. Ausstellungsansicht. Museum der Moderne Salzburg, 2020. © Museum der Moderne Salzburg, Foto: Rainer Iglar