Di, 22.01.2019 / Walter Gasperi / Filmriss
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Die britische Theaterregisseurin Josie Rourke inszeniert die Geschichte der schottischen Königin und ihrer englischen Gegnerin Elizabeth als Drama zweier Frauen, die in einer Männergesellschaft um ihre Unabhängigkeit kämpfen. Saorsie Ronan und Margot Robbie brillieren, aber abrupte Szenenwechsel und zu viele Hofintrigen stören den Spannungsaufbau

Lang ist die Liste der Verfilmungen der Geschichte der 1587 hingerichteten schottischen Königin Maria Stuart. Schon 1895, im Geburtsjahr des Kinos, drehte Thomas Alva Edison "The Execution of Mary Stuart", John Ford fand 1936 in Katharine Hepburn seine "Maria von Schottland", Charles Jarrott besetzte die Gegenspielerinnen Maria Stuart und Elizabeth I. 1971 in seinem Historienfilm "Maria Stuart, Königin von Schottland" mit Vanessa Redgrave und Glenda Jackson und auch der Schweizer Thomas Imbach widmete sich 2013 in "Mary Queen of Scots" diesem historischen Stoff.

Josie Rourkes Film setzt nach einigen Inserts zur Kindheit von Maria Stuart mit der Rückkehr der 18-Jährigen nach dem Tod ihres Ehemannes, dem französischen König Franz II., mit dem sie als 16-Jährige verheiratet wurde, nach Schottland ein. Als rechtmäßige Thronerbin übernimmt sie die Herrschaft von ihrem Halbbruder, gerät aber sowohl in Konflikt mit der englischen Königin Elizabeth, ihrer Cousine, als auch mit den schottischen Adeligen.

Prägnant zeichnet Rourke die zwei unterschiedlichen Frauenfiguren. Da steht nicht nur die protestantische englische Königin der katholischen Schottin gegenüber, sondern auch die junge und hübsche Maria der weniger attraktiven und bald durch Pocken entstellten Elisabeth.

Während Maria sich einen Gatten nimmt, um einen Erben zu zeugen, der den Anspruch auf den Thron von Schottland und England erheben kann, bleibt Elizabeth kinderlos. Gemeinsam ist aber beiden, dass sie einerseits an der Spitze eines Staates stehen, andererseits in dieser reinen Männergesellschaft doch von ihren Beratern gelenkt und manipuliert werden.

In prächtigen Totalen fängt die Kamera von John Mathieson zwar mehrfach die rauen schottischen Highlands ein und evoziert mit dunklen Farben auch dicht die Atmosphäre in den kalten, hallenden Räumen, im Zentrum stehen aber immer wieder politische Intrigen und damit Rededuelle.

Auch wenige Actionszenen wie eine Schlacht und zwei Mordkomplotte können so nicht darüber hinwegtäuschen, dass dieser Historienfilm insgesamt etwas statisch und spröde ausgefallen ist. Nicht wirklich kohärent ist auch der Aufbau, denn abrupt und nicht die Spannung steigernd, sondern das Verständnis erschwerend und die Konzentration störend wird immer wieder zwischen Szenen und Schauplätzen gewechselt.

Stark arbeitet Rourkie aber heraus, wie immer wieder auch in den eigenen Reihen gegen Maria, die hier als moderne und selbstbewusste Frau gezeichnet wird, sich nicht in eine Etikette zwängen lässt, sondern am Hof mit Dienerinnen und Musik das Leben genießen will und auch entschlossen an der Spitze ihres Heeres reitet, intrigiert wird.

Weil ihr Unabhängigkeitsstreben den Männern, die sie umgeben, ein Dorn im Auge ist, gehen sie gegen den von Maria sehr geschätzten italienischen Sekretär brutal vor und zwingen sie schließlich auch zu einer politischen Heirat, die sie immer kategorisch abgelehnt hat, während der protestantische Prediger John Knox das Volk gegen sie aufhetzt, indem er das Bild einer Hure auf dem Königsthron verbreitet.

Elisabeth wiederum wird als Frau gezeichnet, die quasi – wie sie auch selbst erklärt – zum Mann geworden ist, um in dieser Gesellschaft ihre Position behaupten zu können und nicht zum Spielball der Männer zu werden. Höhepunkt des in dunkle Farben getauchten und ausführlich die prächtigen Kostüme ins Bild rückenden Films ist schließlich die – erfundene - Begegnung zwischen Maria und ihrer Cousine Elizabeth.

Packend wird dieses Gespräch durch die Schauspielkunst von Saorsie Ronan und Margot Robbie. Da mag Ronans Maria zwar Gefangene von Elizabeth sein, trotzdem spielt sie gegenüber ihrer Cousine die Starke und Überlegene. Robbie wiederum vermittelt großartig die Bewunderung Elizabeths für die Schönheit, aber auch die Mutterschaft ihrer Cousine und verspricht trotz deren Beleidigungen sie zu schützen, da ihr sehr wohl bewusst ist, dass sie als Frauen in dieser Männergesellschaft zusammenhalten müssen.

Läuft derzeit im Cinema Dornbirn und im Cineplexx Hohenems

Trailer zu "Maria Stuart, Königin von Schottland"

Die Meinung von Gastautoren muss nicht mit der Meinung der Redaktion übereinstimmen. (red)



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