Maria Lassnig und Edvard Munch im Dialog

Maria Lassnig und Edvard Munch – zwei, die Kunstgeschichte prägende Ausnahmeerscheinungen setzt die Doppelschau „Malfluss = Lebensfluss“ zum ersten Mal in Beziehung. In Zusammenarbeit mit der Hamburger Kunsthalle entstanden, wird die Ausstellung nun im Kunsthaus Zürich gezeigt. Rund 150 Werke eröffnen einen faszinierenden Dialog über Körper, Wahrnehmung und den Kreislauf des Lebens – und zeigen zwei außergewöhnliche künstlerische Positionen in einem neuen Zusammenhang. Zugleich erinnert das Kunsthaus mit dieser Ausstellung daran, dass das Museum über die größte Sammlung von Munch-Gemälden außerhalb Norwegens verfügt.

Obwohl zwischen dem Werk der österreichischen Malerin Maria Lassnig (1919–2014) und jenem des norwegischen Künstlers Edvard Munch (1863–1944) mehr als ein halbes Jahrhundert liegt, verbindet die beiden ein gemeinsames Interesse an den großen Fragen des Menschseins. Beide erforschen in ihrer Kunst Körper, Emotionen und die Beziehung des Menschen zur Natur. Während Munch den zyklischen Kreislauf von Leben, Tod und Erneuerung ins Zentrum rückt, richtet Lassnig den Blick konsequent nach innen. Ihre „Körperbewusstseinsbilder“ entstehen aus dem unmittelbaren Empfinden des eigenen Körpers heraus und verleihen inneren Zuständen eine unverwechselbare malerische Form.

Farbe als Sprache der Wahrnehmung. Maria Lassnig setzte sich intensiv mit der Kunstgeschichte auseinander – und Edvard Munch gehörte zu ihren wichtigsten Bezugspunkten. Sie bezeichnete ihn als einen Künstler, der „zu den tiefsten Schichten des Seelischen vorstieß u. ihrer existentiellen Bedrohung“. Sein Einfluss zeigt sich nicht nur in ihrem expressiven Umgang mit Farbe, sondern auch in ihrer freien Pinselführung und ihrer lebenslangen Experimentierfreude.

Wie bewusst sich Lassnig in eine malerische Tradition einschrieb, zeigt ihr Gemälde „Traditionskette“ von 1983. Hinter ihr erscheinen Diego Velázquez, Edvard Munch und Vincent van Gogh – gleichsam als künstlerischer Stammbaum, in dessen Nachfolge sie sich selbst verortet. Es ist für diese Ausstellung gelungen, das Werk zu lokalisieren und es nach langer Zeit der Öffentlichkeit wieder zugänglich zu machen. 

Im unmittelbaren Gegenüber treten bekannte Werke Munchs in einen neuen Zusammenhang. Seine Linienführung, seine Farbigkeit und seine Bildkompositionen lassen sich im Spiegel von Lassnigs Malerei neu lesen. Gleichzeitig wird sichtbar, wie tief Munchs Werk in Lassnigs künstlerischem Denken verankert ist. 

Mit 87 Werken von Munch und 69 von Lassnig bietet die Ausstellung einen umfassenden Einblick in das Werk beider Kunstschaffenden. Hochkarätige Leihgaben aus dem Munchmuseet in Oslo sowie der Maria Lassnig Stiftung in Wien ermöglichen zahlreiche Gegenüberstellungen, die bisher noch nicht zu sehen waren.

Katalog und Rahmenprogramm

PS: Passagen Begegnungen mit Maria Lassnig
KUB Publikation: Look at yourself to find you
Buchbesprechung: Maria Lassnig „Mein Stil hat Pause“