9. Dezember 2019 - 10:12 / Ausstellung / Gegenwartskunst 
7. Dezember 2019 2. Februar 2020

Es ist der Kunstbetrieb selbst, der Maria Anwander beschäftigt. Kritisch und humoristisch setzt sie sich mit Überlegungen zum Ausstellungswesen mit einer Sonderausstellung in Bregenz auseinander.

Die Künstlerin widmet sich in ihrer generell sehr konzeptuellen Arbeitsweise subversiv den institutionalisierten Hierarchie- und Regelsystemen sowie dem gesellschaftlichen und künstlerischen Regelbruch. Eine wichtige Rolle spielen dabei Aneignung, Autorschaft, geistiges Eigentum und die Frage nach Original und Kopie. Oft führt die Dekonstruktion des eigentlichen Werkes an die verschwimmende Grenze zwischen Objekt und Imagination.

So auch in der Ausstellung "work in progress", in der sich die Arbeiten irgendwo zwischen selbstreferenziellem Werk und Skizze wiederfinden. "work in progress" steht exemplarisch für viele Arbeiten Anwanders. Unvollendet oder einfach noch nicht komplett abgeschlossen befinden sie sich oft über mehrere Jahre in einer Phase des Weiterwachsens. Beispielhaft für dieses sich über Jahre im Entstehungsprozess befindliche Arbeiten ist das oft gezeigte und viel besprochene Werk "My Most Favourite Art", für das die Künstlerin in etwas mehr als fünfzehn Jahren etwa 90 Werkschilder aus Museen und Galerien "geklaut" und gesammelt hat.

Eine ähnliche – und für immer unvollständige – Sammlung von entwendeten Hinweisschildern ist "The Liberation", die aus Warnhinweisen besteht, die die Künstlerin während des Ausstellungsbetriebs abmontiert hat. Der jüngsten – sich noch im Entstehen befindlichen – Arbeit "In the Studio" (fortlaufend seit 2016), widmet die Ausstellung einen eigenen Raum. Die Arbeit zeigt die Künstlerin auf über hundert Bildern in ihrem Atelier in einer zum Teil befremdlichen, abwesenden Gestik.

Den Ausstellungsraum selbst transferiert Maria Anwander zu Beginn der Ausstellung in ein Modell in Originalgröße. Das Schmiermodell, an dem die Künstlerin für ihre Ausstellung in Bregenz arbeitet, wird vergrößert und in Realgröße im Raum inszeniert. Die zu präsentierenden Arbeiten sind angedeutet und mit Platzhaltern markiert. An der Wand finden die BesucherInnen die überdimensionierten handschriftlichen Notizen der Künstlerin zur Ausstellung. Das Imaginäre war bei Maria Anwander bisher immer sehr präsent, in der Ausstellung in Bregenz geht sie aber noch einen Schritt weiter. Die neuen Werke bleiben nur Konzepte, die Umsetzung wird lediglich angedeutet. Platzhalter nehmen ihre Stelle ein, reflektieren eine Atmosphäre der Schwebe und werden so selbst zum Kunstwerk.

Das Modell der Ausstellung wird zur Ausstellung, die wieder zum Modell wird. Manche Arbeiten nehmen im Lauf der Ausstellung die Stelle ihrer Platzhalter ein, manche Platzhalter werden zur Arbeit. Wie sich die Ausstellung bis zum Ende entwickelt und inwieweit sie dem "work in progress"-Prinzip folgt, wird sich zeigen – spätestens bei der Finissage am 2. Februar 2020.

Maria Anwander
zeigte ihre Arbeiten in Einzelausstellungen im Kunstverein Friedrichshafen (2018); Arratia Beer, Berlin (2016); Kunst Halle Sankt Gallen (2014), Steve Turner Contemporary, Los Angeles (2014); Project Room Aquarium, Casino Luxembourg (2012); AC Institute, New York (2012); sowie in Gruppenausstellungen im Kunstmuseum St. Gallen (2018); Kunsthalle Darmstadt (2017); Kunsthalle Mainz (2015); Museum Morsbroich, Leverkusen (2015); Austrian Cultural Forum, Washington (2015); MMOMA, Moscow (2010) sowie bei der Moscow Biennale und der Manifesta 12 in Palermo. Neben Auslandsstipendien in New York, Paris, Bilbao, Los Angeles und Mexico City 2015 wurde ihr Werk mit dem Internationalen Kunstpreis des Landes Vorarlberg gewürdigt. Im Jahr 2017 erhielt sie das Dorothea-Erxleben-Stipendium, und im Herbst 2019 wurde sie mit dem Förderpreis der Klocker Stiftung ausgezeichnet.

Maria Anwander - "work in progress"
Dienstag bis Sonntag, 14 bis 18 Uhr
Freitag, 14 bis 16.30 Uhr
im Magazin 4 (2. OG)
Bergmannstraße 6, 6900 Bregenz

Amt der Landeshauptstadt Bregenz
Rathausstraße 4
A - 6900 Bregenz

T: 0043 (0)5574 410-0
F: 0043 (0)5574 47476
E: rathaus@bregenz.at
W: http://www.bregenz.at

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  •  7. Dezember 2019 2. Februar 2020 /
In the Studio N°89 Telepathically trying to make Egidio Marzona support my work. 2016-2019 (fortlaufend), Pigmentdruck auf Baryt © Maria Anwander
In the Studio N°89 Telepathically trying to make Egidio Marzona support my work. 2016-2019 (fortlaufend), Pigmentdruck auf Baryt © Maria Anwander
Maria Anwander, In the Studio N°84 Telepathically trying to make Ute Meta Bauer show my work, 2016-2019 (fortlaufend), Pigmentdruck auf Baryt © Maria Anwander
Maria Anwander, In the Studio N°84 Telepathically trying to make Ute Meta Bauer show my work, 2016-2019 (fortlaufend), Pigmentdruck auf Baryt © Maria Anwander
 Maria Anwander, Material for a sculpture that the artist decided better not to realize, 2015, 25 kg Gips mit Verpackung © Maria Anwander
Maria Anwander, Material for a sculpture that the artist decided better not to realize, 2015, 25 kg Gips mit Verpackung © Maria Anwander
In the Studio © Landeshauptstadt Bregenz
In the Studio © Landeshauptstadt Bregenz
Maria Anwander "No Masterpieces only Works" © Maria Anwander
Maria Anwander "No Masterpieces only Works" © Maria Anwander