Margaretha Dubach – Der Zauber des Verborgenen

Margaretha Dubach gehört zu den eigenwilligsten Stimmen der Schweizer Kunstszene. Mit Materialien wie Holz, Knochen, Stoffen, Pflanzen oder auf Jahrmärkten gefundenen Gegenständen verwandelt sie Alltägliches in geheimnisvolle Objekte und raumgreifende Installationen.

Ihre Werke strahlen Mystisches und Magisches aus und erzählen von Neugier sowie dem Zauber des Verborgenen. Lebensfreude, Erzählfreude und Schalk prägen Dubachs künstlerische Welt ebenso wie eine feinsinnige Auseinandersetzung mit dem Kreislauf der Dinge. Neben Anklängen an Barock, Surrealismus und postindustrielles Recycling ist es vor allem die Volkskultur ihrer innerschweizerischen Heimat, die die wichtigste Inspirationsquelle der Künstlerin bildet. „Zauberwelten erwachen” ist die erste längst überfällige Einzelausstellung dieser singulären Position unserer Zeit in einer musealen Kunstinstitution.

Allen Dingen wohnt eine Geschichte inne – man muss nur bereit sein, ihnen zuzuhören. Von dieser Überzeugung geht das künstlerische Schaffen von Margaretha Dubach aus. Ihre Objektkunst und Collagen entfalten eine stille, poetische Erzählkraft und treffen damit überraschend genau den Nerv der Gegenwart: Achtsamkeit, Nachhaltigkeit und der spielerische Umgang mit vorhandenen Materialien prägen ihr Werk seit Beginn – lange bevor Begriffe wie Upcycling zum Zeitgeist wurden.

Was auf den ersten Blick manchmal wie „aus der Zeit gefallen” wirken mag, erweist sich bei näherem Hinsehen als hochaktuell. Dubach verwandelt Alltägliches, Weggeworfenes und scheinbar Lebloses in beseelte Figuren und fantasievolle Wesen. Wer sich darauf einlässt, entdeckt eine Welt voller Humor, Leichtigkeit und Tiefgang. Ursprünglich der Malerei verpflichtet, fand Dubach nach und nach zur Objektkunst. Eine entscheidende Rolle spielte dabei das Landgut mit Bauernhaus in der Provence, das sie 1987 gemeinsam mit ihrem Mann, dem Psychologen Jürg Willi, erwarb. Die Sommermonate inmitten der Natur wurden zur Inspirationsquelle: Blätter, Zweige, Stiele – das unmittelbar Vorhandene begann zu sprechen. Ein weiteres Fundament für ihr Schaffen bildeten Besuche auf großen Flohmärkten, Antiquitäten- und Trödelmärkten in Frankreich. Aus den gefundenen Materialien entstehen Schreine, Masken und weitere Objekte. Gezielt ergänzt die Künstlerin diese mit weiteren Fundstücken sowie mit Farbe bemalten und aus Ton modellierten Elementen. Letztlich geht es um den Kreislauf der Dinge, dem sie sich gleichsam bewusst und lustvoll mit Symbolen aus dem Katholizismus ebenso wie mit Zeichen unterschiedlicher Kulturen nähert.

Neben den Objekten entstehen auf Papier zarte, lebhafte Collagen. Mit schnellen, feinen Strichen ergänzt Dubach getrocknete Blätter und ausgeschnittene Katalogfragmente zu eigenwilligen Gesichtern, Händen und Beinen. So bevölkern Flattervolk, Waldschratten und Wiesenelben ihre Bildwelten. Ein weiterer Werkstrang widmet sich der Verwandlung von Tier und Mensch. Figuren wie Professor Pilzbarth – ein unvollkommener Mensch auf dem langen Weg zur Menschwerdung – erzählen mit feinem Witz von Selbstoptimierung, Kuren und dem Wunsch nach Veränderung. Ob Apotheke an der Wand oder Fantasiewesen im Zwischenreich – Dubachs Arbeiten laden zum Schmunzeln, Staunen und Nachdenken ein.

Die Ausstellung eröffnet einen vielschichtigen Kosmos, in dem Materialien Erinnerungen tragen und Figuren Geschichten erzählen. Wer genau hinsieht, entdeckt nicht nur Kunstwerke, sondern auch Begegnungen. Tauchen Sie ein in die Magie der Dinge und lassen Sie sich von Margaretha Dubachs poetischer Welt verzaubern!

Margaretha Dubach (geboren 1938 in Luzern) lebt und arbeitet in Zürich.

Margaretha Dubach
Zauberwelten erwachen
bis 10. Mai 2026