12. September 2020 - 1:31 / Ausstellung / Malerei / Zeichnung / Podcast 
5. September 2020 24. Januar 2021

Paul Klee liebte das Reisen. Er war stets auf der Suche nach dem, was ihm als exotisch und fremdartig erschien. Wie auf einer Karte zeichnet "Mapping Klee" das Leben des Künstlers und seinen Weg von Bern über München, Weimar, Dessau und ins Berner Exil nach. Die Ausstellung führt zu den prägendsten Reisedestinationen wie Tunesien und Ägypten und nimmt Besuchende an Klees Inspirations- und Wirkungsorte mit. Nebst Werken Klees werden auch persönliche Briefe, Postkarten, Fotos und Tagebucheinträge gezeigt. Die Ausstellung "Mapping Klee" wird erstmals durch ein digitales Vermittlungsangebot ergänzt: Ein Digitorial® sowie Podcasts lassen Kunstliebhabende schon vor dem Museumsbesuch in Paul Klees Universum eintauchen.

Zum 15-jährigen Jubiläum präsentiert das Zentrum Paul Klee anhand von Paul Klees Reisen einen Gesamtüberblick über sein Schaffen und seine bewegte künstlerische Laufbahn. Klee reiste zur Erholung von seiner Tätigkeit als Bauhauslehrer, zur künstlerischen Bildung und Selbstfindung, um Kontakte in der Kunstszene zu knüpfen und zu vertiefen, und vor allem zur Inspiration:

"Und das Colorit macht’s, das suche ich ja immer wieder: Klänge wecken lassen, die in mir schlum-
mern, ein kleines oder grosses Abenteuer in Farbe.» Paul Klee,1927

Klee zeichnet sich besonders dadurch aus, wie er das Gesehene in seinem Werk verarbeitete. Auf seinen Reisen griff er Formen und Strukturen, Beobachtungen von Flora und Fauna, architektonische und kulturhistorische Monumente auf und liess sie in seinen künstlerischen Kosmos einfliessen. Dies zumeist in abstrahierter Form und losgelöst vom konkreten Ort oder Phänomen.

Die Ausstellung ist in Anlehnung an Klees Lebens- und Reisestationen in verschiedene Kapitel gegliedert. Jedes Kapitel erzählt mithilfe von Werken und persönlichen Dokumenten die Geschichte eines Ortes, der im Werk Klees und seiner künstlerischen Entwicklung Spuren hinterlassen hat. So wird sichtbar, welche Themen ihn an seinen unterschiedlichen Lebensstationen beschäftigt haben: zum Beispiel die Auseinandersetzung mit den Ordnungs- und Gestaltungsprinzipien der Architektur auf seiner frühen Italienreise (1901—1902) oder die Faszination für geheimnisvolle Schriftzeichen und Hieroglyphen während seines Ägyptenaufenthalts (1928—1929). Sie zeichnen seinen Werdegang vom ratlosen Studenten zu einem der wichtigsten Künstler der Moderne nach.

München 1879—1921 und Bauhauszeit 1921—1931

Paul Klee kommt 1879 in Münchenbuchsee bei Bern zur Welt. Nach Abschluss des Gymnasiums zieht er 1898 nach München, um Kunst zu studieren. In München findet Paul Klee zu Beginn seiner Karriere Anschluss an die avantgardistische Künstlerszene um Gabriele Münter, Marianne von Werefkin, Alexej von Jawlensky, Franz Marc und Wassily Kandinsky und wird Mitglied der Künstlergruppe "Der Blaue Reiter". Wie seine Zeitgenossen sucht auch Klee nach einem Ausweg aus der klassischen, naturalistischen Tradition und findet Lösungen in der nicht-akademischen Kunst. In Weimar und Dessau unterrichtet er später von 1921 bis 1931 am Bauhaus Form- und Farbenlehre. Klee ist auf dem Höhepunkt seiner Laufbahn und zählt zu den wichtigsten Künstlern seiner Zeit. Daneben nehmen Ferien- und Studienreisen nach Italien, Paris und Nordafrika eine prägende Rolle im Leben des Künstlers ein.

Von Italien und Frankreich nach Tunesien (1914) und Ägypten (1928)

Gemeinsam mit Hermann Haller besucht Klee 1901 berühmte Kulturstätten in Pisa, Rom, Neapel, Pompei und Florenz, wo er die alten Meister und die Architektur der Renaissance entdeckt. In ihr erkennt er allgemeine Gestaltungsgesetze, die er in seiner Kunst anwenden will. Während seiner Zeit am Bauhaus reist er zudem nach Sizilien, Elba, in die Toskana und den Norden des Landes. Eindrücke der kargen Landschaft schlagen sich in seinen Werken nieder. Er interessiert sich für den Rhythmus und die Struktur von Baukörpern und die Frage, wie äussere Form und innere Struktur miteinander in Beziehung stehen.

Auch Paris, Anfang des 20. Jahrhunderts neben München das bedeutendste Zentrum der Kunst in Europa, besucht Klee mehrmals. Er nutzt seine Reisen, um Museen und Galerien zu besichtigen und Kontakte zu knüpfen und zu vertiefen. Er sieht kubistische Werke von Georges Braque und Pablo Picasso und besucht die Künstler Henri Le Fauconnier und Robert Delaunay in ihren Ateliers.

Seine berühmteste Reise führt Klee 1914 nach Tunesien. Er tritt sie gemeinsam mit seinen Künstlerfreunden August Macke und Louis Moilliet an und schildert diese Erfahrung als malerischen Durchbruch: "Die Farbe hat mich [...]. Ich bin Maler!" schreibt er am 16. April 1914 in sein Tagebuch. Eine zweite Nordafrika-Reise führt ihn 1928 nach Ägypten, das ihn zu streng geometrischen Kompositionen und reduzierten Formen anregt.

Exil in Bern 1933—1940: Reisen in die Fantasie

1931 wird Paul Klee als Professor an die Kunstakademie Düsseldorf berufen. Bereits 1933 erhält er als vermeintlicher Jude und "entarteter" Künstler die fristlose Kündigung, verlässt Deutschland und sucht Zuflucht in der Schweiz. Zwar hat er in Bern einen kleinen Kreis von Unterstützern, wird als deutscher Staatsbürger jedoch als Ausländer behandelt. Eine Sklerodermie-Erkrankung schränkt seine Reise- und Bewegungsfähigkeit zunehmend ein. Trotzdem gehören seine letzten Lebensjahre zu seinen produktivsten. Klees Spätwerk führt an Orte der Fantasie, die an Märchen und Sagen oder an fantastische Erzählungen der Romantik erinnern – geheimnisvolle Inseln, imaginäre Länder oder fiktionale Städte mit lautmalerischen Namen. In den Werken dieser Zeit setzt er sich oft in ironischer Weise mit existenziellen Fragen auseinander. Auch wenn es sich um Fantasiereisen handelt, bilden Gesehenes, Erlebtes und alltägliche Eindrücke den Ausgangspunkt für seine Imagination und fliessen als Motive, Formen oder Stimmungen in Klees Werke ein.

Die "Reisen" der Werke

Die Ausstellung wird durch einen dokumentarischen Teil erweitert, in dem anhand exemplarischer Fallstudien die "Reisen" der Bilder Klees nach seinem Tod nachgezeichnet werden. Eine Station widmet sich beispielsweise der wichtigsten deutschen Klee-Sammlung in der Kunstsammlung Nordrheinwestfa- len in Düsseldorf. In den 1970er- und 1980er-Jahren wurden diese Werke in einer beispiellosen Welttournee global ausgestellt, wobei viele Ausstellungen unter schwierigen politischen Vorzeichen und verbunden mit logistischen Herausforderungen stattfanden. In weiteren Stationen werden die 2019 durchgeführte und von über 500‘000 Personen besuchte Klee-Ausstellung Equilíbrio Instável in Brasilien dokumentiert, sowie die enorme Beliebtheit Paul Klees in Japan thematisiert. Auch den über 100 Klee-Werken, welche seit dem Zweiten Weltkrieg als verloren oder verschollen gelten, ist ein Teil der Ausstellung gewidmet.

Digitorial® und Podcast-Serie

Zur Ausstellung Mapping Klee hat das Zentrum Paul Klee sein erstes Digitorial sowie eine Podcast-Serie veröffentlicht. Beide Angebote sind frei zugänglich und sollen die Besucherinnen und Besucher vorgängig auf den Ausstellungsbesuch vorbereiten sowie Hintergrund- und Kontextinformationen liefern. Die Podcast-Serie ist auf den gängigen Plattformen Spotify, Google Podcasts und Apple Podcasts ® abrufbar. Das Digitorial online unter https://mappingklee.zpk.org/

Mapping Klee
Kurator: Martin Waldmeier
5. September 2020 bis 24. Jänner 2021

Zentrum Paul Klee
Monument im Fruchtland 3
CH - 3000 Bern

T: 0041 (0)31 35901-01
F: 0041 (0)31 35901-02
E: kontakt@zpk.org
W: http://www.zpk.org/

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