30. Mai 2020 - 10:15 / Aktuell / Literatur 

Der 1931 im steirischen Brunnsee geboren Autor, Manuskripte-Herausgeber und Mitgründer des Grazer Forums Stadtpark, Alfred Kolleritsch, ist im Alter von 89 Jahren gestorben. Kolleritsch zählte zu den wichtigsten österreichischen Lyrikern der Gegenwart.

Kolleritsch wuchs als Sohn eines Forstverwalters und einer Postangestellten auf. In seine Lebensstadt Graz kam er 1941, wo er zunächst das Gymnasium und anschließend die Universität besuchte, um dort schließlich 1964 über die "Eigentlichkeit und Uneigentlichkeit in der Philosophie Heideggers" zu promovieren. Seinem Brotberuf als Gymnasiallehrer für Philosophie und Deutsch blieb er bis 1993 verhaftet.

Parallel dazu arbeitete Kolleritsch aber auch unverdrossen am eigenen Oeuvre. Erste Gedichte und Prosaversuche entstanden bereits 1948, die erste öffentliche Lesung fand 1958 in Graz statt. Und bereits 1960 wurde der damals knapp 30-Jährige zum Mitbegründer des im früheren Grazer Stadtpark-Cafe angesiedelten Forums Stadtpark, dessen Vorsitzender er bis 1995 war. Gleichzeitig mit dem Forum startete auch die Literaturzeitschrift "Manuskripte", die Kolleritsch ab der zweiten Ausgabe als alleiniger Herausgeber betreute. Graz wurde damit zu einem literarischen Zentrum in Österreich. Kolleritsch diente auch vielen späteren Autorenstars als Wegbereiter. In der Literaturzeitschrift publizierten zunächst die Autoren der Wiener Gruppe wie H. C. Artmann und Konrad Bayer. Ab der fünften Nummer kamen dann Autoren wie Wolfgang Bauer und Barbara Frischmuth hinzu. Aber auch Schriftsteller wie Peter Handke, Elfriede Jelinek, Gerhard Roth und Josef Winkler stellten ihre Texte in den "Manuskripten" vor. Und in jüngerer Zeit zählten Autoren wie Valerie Fritsch und Clemens Setz zu den Entdeckungen der Publikation.

1973 gründete Kolleritsch zusammen mit Schriftstellern wie Friederike Mayröcker, Ernst Jandl und Gustav Ernst zudem die Grazer Autorenversammlung.

Schriftstellerisch machte sich Kolleritsch seit 1972 vor allem mit einer Vielzahl an Gedichtbänden als Lyriker einen Namen. Sein erster Band "Erinnerter Zorn" erschien im Privatdruck in einer Auflage von 900 signierten Exemplaren, zuletzt kam noch heuer "Die Nacht des Sehens" im Droschl-Verlag heraus. 2008 verlegte der Salzburger Jung und Jung Verlag unter dem Titel "Schönheit ist Bürgerpflicht" die Korrespondenz des Grazer Literaten mit dem späteren Literaturnobelpreisträger Handke. Aber auch Prosa und Essays waren sein Metier.

Kolleritsch ist auch Träger zahlreicher Auszeichnungen. So erhielt er etwa 1978 den Petrarca-Preis, 1981 den "Manuskripte"-Preis des Landes Steiermark oder 1987 den Georg-Trakl-Preis. Zudem wurde er mit dem Österreichischen Staatspreis für Kulturpublizistik (1994) und dem Österreichischen Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst (1997) geehrt. Im Jahr 2006 erhielt er den Horst-Bienek Preis für Lyrik und das Große Goldene Ehrenzeichen des Landes Steiermark mit dem Stern. 2009 wurde ihm der Grazer Literaturpreis (Franz-Nabl-Preis) und 2013 mit dem Ehrenring die höchste Auszeichnung des Landes Steiermark zuerkannt.