Shamiran Istifan ist Trägerin des Manor Kunstpreis Aarau 2026, der alle zwei Jahre zur Förderung junger Kunst aus der Schweiz vergeben wird. Die Auszeichnung bietet Anlass für eine Einzelausstellung mit Publikation im Aargauer Kunsthaus. Die Künstlerin verknüpft dabei Erinnerungen an ihr Aufwachsen im Aargau mit übergeordneten sozialen und strukturellen Fragestellungen. In neuen Werken setzt sie sich mit kulturellem Gedächtnis, (Un-)Sichtbarkeit und imaginären Orten auseinander. Die Ausstellung entfaltet sich als räumliche Erzählung, in der sich persönliche Erfahrungen, vergangene Prägungen und zukünftige Projektionen überlagern .
Shamiran Istifan erforscht in ihren installativen Werken soziale Systeme . Dabei nutzt sie unterschiedliche Medien wie Skulptur , Textil oder Video . Ästhetisch nimmt sie Bezug auf Popkultur, Social Media , suburbane Räume und visuelle Codes des Alltags . Bildsprachen der Inszenierung werden zu formalen Mitteln, die die Wahrnehmung verschieben . Im Rahmen der Ausstellung entstehen neue Arbeiten , für die der Aargau als Resonanzraum dient. S hamiran Istifan ist in Baden gebore n und Angehörige der assyrisch en Exilgemeinschaft – einer Minderheit aus dem Nahen Osten, die auch im Kanton Aargau präsent ist. Heute lebt und arbeitet die Künstlerin in Zürich.
Mit der Rückkehr an einen Ort von Erinnerungen versteht Shamiran Istifan die Ausstellung auch als Auseinandersetzung mit dem Aufwachsen generell und dem Wechsel zwischen Welten, die parallel existieren. Die ausgestellten Arbeiten bewegen sich im Spannungsfeld zwischen Privatem und Öffentlichkeit, Sichtbarem und Unsichtbarem, Bekanntem und Verborgenem . Eine Installation – bestehend aus an Baugerüste oder archäologische Freilegungen erinnernde n Strukturen , gotischen Formen und auf schwarzen Stoff gestickten Engelmotiven – bildet eine Art Passage zwischen Innen - und Aussenraum. Robuste , ordnende S ysteme und architektonische Strukturen sind mit weiche n Materialien wie Textilien, Seife oder hautähnlichen Texturen verflochten . Oberflächen spielen dabei eine zentrale Rolle – Shamiran Istifan setzt sie sowohl als Träger von Projektionen als auch als Zeichen von Kontrolle oder Wunsch ein.
In einigen neuen Arbeiten wird die häusliche Sphäre zum Spiegel gesellschaftlicher Themen. Die Künstlerin transferiert Briefkästen einer Wohnanlage in den musealen Kontext. Das typische Schweizer Design objekt repräsentier t den Übergang von öffentlicher Ordnung zu privaten, oft unerzählten Geschichten . Eine standardisierte Formensprache trifft auf popkulturelle Motiv e aus der Jugendzeit der Künstleri n.
Schliesslich entsteht in der Ausstellung eine imaginäre Stadtlandschaft : Eine transparente Haut verkleidet einen in den Raum ragende n Gebäudekomplex . Angelehnt an europäische Altstädte und gotische Sakralarchitekturen , erinner t er an Systeme der Ordnung und Repräsentation . Shamiran Istifan überlagert in ihrer Kunst Motive und Referenzen aus verschiedenen Kontexten und Zeiten, wobei sie bewusst Raum für unterschiedliche Lesarten zulässt. Auf poetische und zugleich präzise Weise thematisiert sie in ihrem Schaffen kollektive Erinnerung en. Sie lenkt den Blick auf jene Strukturen, die Wahrnehmung und Sichtbarkeit formen, und setzt der Komplexität des sozialen Zusammenlebens in der Schweiz zeitgenössische Denkmäler .
Der Manor Kunstpreis, der 2022 sein 40-jährige s Bestehen feierte, ist einer der wichtigsten Förderpreise des zeitgenössischen Kunstschaffens in der Schweiz. Er wurde 1982 von Philippe Nordmann ins Leben gerufen, um jungen Schweizer Kunstschaffenden eine Plattform zu bieten. Er wird von einer Fachjury jährlich und alternierend in den Städten Aarau, Basel, Biel, Chur, Genf, Lausanne, Luzern (für die Zentralschweiz), Lugano, Schaffhausen, Sitten, St. Gallen und Winterthur vergeben. Ein Blick auf die Liste der Preisträgerinnen und Preisträger zeigt, dass der Manor Kunstpreis einer ganzen Reihe von Künstlerinnen und Künstlern den Weg zum internationalen Durchbruch geebnet hat. Manor gratuliert den Preisträgerinnen und Preisträgern des Manor Kunstpreis ganz herzlich und wünscht ihnen viel Erfolg auf ihrem weiteren künstlerischen Werdegang. www.manor.ch/de/u/kunstpreis Die Preisübergabe an Shamiran Istifan erfolgt an der Vernissage am Donnerstag, 11. Juni 2026.
Shamiran Istifan ist 1987 in Baden geboren. Sie lebt und arbeitet als bildende Künstlerin in Zürich.
Shamiran Istifan
Manor Kunstpreis 2026
12.6. – 6.9.2026