Manfred Egender, Eva Kees und Rainer Rainer im Küstlerhaus Bregenz

Die Berufsvereinigung Bildender Künstlerinnen und Künstler Vorarlbergs stellt drei Kunstschaffende aus Vorarlberg vor, die sich auf unterschiedlichen Ebenen mit Materie und Reminiszenz beschäftigen.

„Enragiert II“
Im Erdgeschoss präsentiert Manfred Egender mit "enragiert II" neue Arbeiten an der Schnittstelle von Zeichnung, Malerei und plastischer Form. In seinen aus Gips gefertigten Werken lotet er die Grenzen des Mediums und entwickelt eine Bildsprache, die zugleich fragil und kraftvoll wirkt – eine präzise, gestische Auseinandersetzung mit Material, Fläche und Raum.

Für ihn ist Kunst Behauptung in Form, eine künstlerische Selbstreferenz mit eingebauten Zeichen, Worten und Motiven aus historischen, aktuellen, politischen und sozialen Auffälligkeiten. Eine Selbsterklärung übers Bildermachen wird angestrebt, ausgerichtet und abgeschmeckt durch ein langjähriges Erarbeiten ästhetischer und technischer Modi. Technische Verfahren und Materialverwendungen zu finden, ist das selbstgewähltes, verpflichtendes Weitermachen.

Manfred Egender (* 1954 in Schnepfau) studierte in den 1970er Jahren an der Hochschule für Angewandte Kunst in Wien. Er gewann zahlreiche Kunst- und Bauwettbewerbe und realisierte Kunst-am-Bau-Projekte. Er ist Mitglied der Berufsvereinigung Bildender Künstlerinnen und Künstler Vorarlbergs und lebt und arbeitet in Bregenz.

„Souvenir – Liebe Louise, lieber Lois …“
Im ersten Stock und im Dachgeschoss widmet sich Eva Kees mit der Ausstellung „Souvenir – Liebe Louise, lieber Lois …” dem Thema Erinnerung und der emotionalen Aufladung von Objekten.

Erinnerungen sind selten eindimensional. Sie bestehen aus Bildern, Szenen, Klängen, Gerüchen – und vor allem aus Gefühlen. Als verdichtete Fragmente unseres episodischen Gedächtnisses können sie mit scharfer Klarheit auftauchen oder nur noch vage nachhallen. In dieser Vielschichtigkeit wurzelt das künstlerische Projekt „Souvenir/Tribute“ von Eva Kees. Es widmet sich dem Thema Erinnerung, der individuellen wie kollektiven Gedächtniskultur und der emotionalen Aufladung von Dingen.

Die Serie „Souvenir / Tribute“ ist ein fortlaufendes Werk, das bislang zwölf Persönlichkeiten unterschiedlicher kultureller, sozialer und historischer Herkunft in den Mittelpunkt stellt. Ausgehend von physischen Nachlässen wie Kleidung, Möbeln, Fotografien, persönlichen Gegenständen oder Kunstwerken entstehen performative Serien, Installationen, Leuchtobjekte, Fotoarbeiten und Bildsequenzen. Allen Arbeiten gemeinsam ist der Fokus auf die Individualität einer Persönlichkeit und die Frage nach der emotionalen Wertigkeit von Objekten, die nach dem Ende eines Lebens ihre ursprüngliche Bedeutung verlieren oder transformieren.

Ein zentrales Thema des Projekts ist dabei auch Nachhaltigkeit und Re-Use. Aus dieser Auseinandersetzung ist die Initiative „Erinnerungsamt“ entstanden – eine Plattform, die Menschen die Möglichkeit bietet, Nachlässe künstlerisch aufzuarbeiten oder umzuwandeln, um die physische und emotionale Trennung von Dingen zu erleichtern. Das Erinnerungsamt soll zugleich als Anlaufstelle für Kunstschaffende und Privatpersonen dienen, die Objekte weitergeben und so neuen Wert und Bedeutung entstehen lassen möchten.

Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf dem Tribute an das Künstlerehepaar Louise Schwärzler (1907–2001) und Alois Schwärzler (1911–2004), deren Leben und Werk eng mit der Gemeinde Bildstein verbunden sind – dem damaligen Wohnort von Eva Kees. Die beiden prägten das Ortsbild und die künstlerische Identität des Dorfes nachhaltig – unter anderem durch ihren Beitrag zur Gestaltung der Totenkapelle Maria Bildstein sowie zahlreicher öffentlicher Kunstwerke.

Mit der Ausstellung „Souvenir – Liebe Louise, Lieber Lois …” im Künstlerhaus Bregenz kehren Werke des Ehepaars Schwärzler erstmals seit vielen Jahren an jenen Ort zurück, an dem sie zu Lebzeiten häufig ausstellten. Parallel dazu werden eigene Arbeiten von Eva Kees gezeigt, die thematische und atmosphärische Parallelen sichtbar machen und in einen zeitgenössischen Kontext stellen. Ergänzt wird die Ausstellung durch ein bisher unveröffentlichtes Interview aus den 1990er Jahren, das neue Einblicke in die Gedankenwelt und Überzeugungen von Louise und Alois Schwärzler ermöglicht.

Eva Kees (* 1982 in Bregenz) ist Mitglied der Berufsvereinigung Bildender Künstlerinnen und Künstler Vorarlbergs. Sie lebt und arbeitet in Wien. Auch Louise und Alois Schwärzler waren ebenfalls Mitglieder der Berufsvereinigung.

„Im Keller“
Rainer Rainer präsentiert im Keller unter dem Titel „Im Keller“ eine Auswahl aktueller sowie in den letzten Jahren entstandener Arbeiten, die zwischen roher Materialität, intuitiver Komposition und kompromissloser Haltung changieren. Seine Malerei ist ein bewusst ungebändigter Prozess.

Für ihn ist Malerei keine dekorative Geste, sondern existenzieller Ausdruck: „Die Malerei sollte nicht zum Hobby verkommen […]. Das Malen muss für den Maler selbst die wichtigste aller Tätigkeiten sein.“

Sein künstlerischer Prozess ist geprägt von Experiment und Widerstand: Die Leinwand wird für ihn zum Gegenüber, das mitentscheidet, wann ein Werk vollendet ist. Dabei interessieren ihn weder reine Farbtheorien noch akademische Regeln, sondern vielmehr die Empfindung. Rot ist für ihn die „lebendigste Farbe überhaupt“, Schwarz ein oft missverstandener Resonanzraum. Seine Bilder tragen Spuren, Verletzungen und Risse – Zeugnisse eines körperlichen Umgangs mit dem Material.

Rainers Malerei bewegt sich zwischen Intuition und Reflexion, zwischen Figur und Abstraktion sowie zwischen Zerstörung und Aufbau. Seine Werke zeigen, dass Kunst ein notwendiger Widerstand gegen Gleichgültigkeit ist.

Rainer Rainer (*1958 in Dornbirn) ist Mitglied der Berufsvereinigung Bildender Künstlerinnen und Künstler Vorarlbergs. Er lebt und arbeitet in Feldkirch.


„Enragiert II“
Manfred Egender

„Souvenir – Liebe Louise, lieber Lois …“
Eva Kees, Louise Schwärzler, Alois Schwärzler

„Im Keller“
Rainer Rainer

Ausstellungsdauer: 29.11.2025 – 04.01.2026
Eröffnung: Freitag, 28.11.2025, 19 Uhr
Öffnungszeiten der Ausstellung:
Mittwoch bis Samstag: 14–18 Uhr
Sonn- und Feiertage: 11–17 Uhr