Malerei von Emmanuel Troy im Kunstraum Remise Bludenz

Nach zwei Positionen zur Bildhauerei und Objektkunst rückt der Kunstraum Remise im Rahmen seiner nächsten Ausstellung mit ganz neuen Werken von Emmanuel Troy die Malerei in den Mittelpunkt. Der 1993 in Lustenau geborene und im Bregenzerwald aufgewachsene Künstler studierte Malerei an der Akademie der Bildenden Künste sowie Bildhauerei an der Universität für Angewandte Kunst in Wien, wo er 2019 sein Diplom bei Hans Schabus absolvierte.

Über die vergangenen Sommermonate arbeitete Troy in einem idyllischen Umfeld, konkret in einem Atelier und auf einem Bauernhof in Schwarzenberg. Hier entwickelte er ein monumentales, aus drei Teilen bestehendes Landschaftsbild, das insgesamt elf Meter lang und vier Meter hoch ist. Vom Motiv her ist das Triptychon eine Mischung aus Fiktion und Wirklichkeit. Die „realen Landschaftsteile“ stammen aus dem Großen Walsertal, in der Hauptsache handelt es sich jedoch um eine erfundene Topografie. Das Werk wird die gesamte Längswand des Kunstraums in Beschlag nehmen und bei den Besucher:innen das Gefühl evozieren, direkt in eine Landschaft einzutreten.

Neben der enormen Größe dieses Werkes kommt als Besonderheit hinzu, dass es mit Lehm gemalt ist. Troy hat vor Ort in Schwarzenberg mit Schaufel und Kübel entsprechend Lehmmasse gewonnen, diese mit Farbpigmenten durchmischt und die Lehmfarbe dann auf die mit Hasenleim grundierte Baumwollleinwand aufgetragen. Die dunklen, erdigen Farbtöne lassen die Landschaft wie eine nächtliche Szenerie oder zumindest eines im Übergang vom Tag zur Nacht befindlichen Terrains erscheinen.

Ilga-Quelle

Als zweites Thema neben der erfundenen Landschaft zeigt Emmanuel Troy auch mehrere Öl-auf-Holz-Gemälde, die auf die Ilga-Quelle respektive die Ilga-Sage verweisen. Dieser Sage nach begaben sich die dem Geschlecht der Grafen von Bregenz entstammenden Geschwister Merbod, Dido und Ilga im 11. Jahrhundert auf Wanderschaft, um den christlichen Glauben zu verbreiten. Auf der „Lorena“ (Pass zwischen Alberschwende und Schwarzenberg) verabschiedete sich Ilga von ihren Brüdern unter Tränen. Als die Tränen auf den Boden fielen, entsprang an dieser Stelle eine Quelle. Es ist der Ort des heute sogenannten „Klockbrunnens“ oder „Tafelbrunnens“. Das Wasser der Quelle gilt bis heute als heilend, besonders bei Augenleiden.

Bei dieser Ilga-Quelle malte Troy ein zwischen Wurzelwerk und Baumstämmen errichtetes Bildstöckchen sowie ein an einen Baumstamm genageltes Kreuz. Umrahmt wird die Szenerie im Hintergrund mit Wald und Himmelsfragmenten. Dieses Motiv hat der Künstler unter unterschiedlichsten Bedingungen mehrfach umgesetzt. So etwa Plein Air bei unterschiedlichen Lichtverhältnissen, bei Sonnenlicht genauso wie bei bewölktem Himmel, und aber auch im Atelier. Dasselbe Motiv wird also je nach Stimmungs- und Wetterlage in unterschiedlichsten Nuancierungen auf den Bildträger, die Holztafel gebannt. Wie der Maler betont, habe ihn weniger der Inhalt der Sage, als vielmehr die Komposition interessiert. Die geraden Lineaturen und geometrischen Formen von Bildstock und Kreuz im Verhältnis zu den organischen Strukturen der Geografie des Ortes.

Einfluss alter Meister

Emmanuel Troy setzt sich in seiner Arbeit intensiv mit der Geschichte der Malerei auseinander. Dies zeigt sich auch in der aktuellen Ausstellung im Kunstraum Remise. Vor allem Einflüsse der Romantik und vor allem von Caspar David Friedrich (C.D.F.) werden hier spürbar. Die Suche nach etwas Zeitlosem, nach einer zeitlosen Qualität, sei ein wichtiger Antrieb für ihn, sich mit den kunsthistorischen Strömungen, in besonderem Maße mit der Romantik, auseinanderzusetzen, betont der Vorarlberger Künstler. Gerade im langsamen und reduzierten Vorgehen der Ölmalerei sieht er einen zentralen Gegenpol zur Schnelllebigkeit und zur künstlichen Intelligenz, die auf Knopfdruck unzählige Bilder ausspuckt. Bei Troy werden die Landschaftsbilder gleichsam zu Projektionsfeldern innerer Befindlichkeiten.

Kuratiert wird die Ausstellung im Kunstraum Remise von Simeon & Zeynep Brugger, die gemeinsam in Klaus die Galerie Brugger betreiben. Simeon Brugger ist derzeit und bis Ende 2027 gemeinsam mit Anne Zühlke, Leiterin des Dock 20 in Lustenau, auch als Kunstankäufer des Landes Vorarlberg tätig.

Emmanuel Troy: Malerei
12. September bis 25. Oktober 2025
Eröffnung: 11. September, 20.00 Uhr