22. Mai 2010 - 2:29 / Ausstellung / Ethno 
12. Februar 2010 24. Mai 2010

Die Kunsthalle der Hypo-Kulturstiftung präsentiert als Partner des Victoria and Albert Museums "Maharaja: Pracht der indischen Fürstenhöfe". München ist neben London der einzige Ort für diese außergewöhnliche Ausstellung. Es ist die erste Schau, die einen umfassenden Blick auf die Welt der Maharajas und ihre einzigartig reiche Kultur wirft.

Die Ausstellung zeigt mehr als 250 herausragende Objekte; viele kommen zum ersten Mal nach Europa und stammen aus Indiens Herrschersammlungen. Darunter drei Throne, eine Sänfte - angefertigt aus vergoldetem Silber, mit Edelsteinen besetzte Waffen, Gemälde, Fotografien, indischer Turbanschmuck und Schmuck, der bei Cartier und Van Cleef & Arpels im 20. Jahrhundert in Auftrag gegeben wurde.

Die Ausstellungsgegenstände stammen aus drei Jahrhunderten und umspannen den Zeitraum vom 18. Jahrhundert, dem Beginn der großen Ära der Maharajas, bis 1947, dem Ende der britischen Herrschaft in Indien. Damit wird der geschichtliche und gesellschaftliche Wandel der Rolle der Maharajas wie auch ihr Einfluss als Kunstmäzene Indiens und Europas anhand ebenso seltener wie schöner Stücke veranschaulicht.

Die königlichen Sammlungen von Udaipur und Jodhpur stellen einige herausragende Gemälde und Objekte als Leihgaben zur Verfügung. Ein weiteres Objekt, das zum ersten Mal in Europa zu sehen sein wird, ist das Kollier von Patiala, Teil des größten Einzelauftrags, den Cartier jemals ausführte. Das Kollier wurde 1928 fertig gestellt und im Jahr 2002 restauriert; es fasste ursprünglich 2.930 Diamanten und kam auf fast 1000 Karat.

Den Auftakt der Ausstellung macht eine Prozession mit lebensgroß nachgebildeten Elefanten und Pferden, die prächtig geschmückt die silberne Sänfte eines Maharajas tragen und einen Eindruck eines solch bombastischen indischen Umzugs geben.

Danach wird das Herrschermodell Indiens um 1800 und die Rolle der Maharajas als spirituelle und militärische Führer, Politiker und Mäzene anhand von außergewöhnlichen Exponaten vorgestellt. Die Symbole ihres Standes sind unter anderem ein "Gaddi" (Thron) aus Udaipur, aufwendig gearbeiteter Turbanschmuck, Zeremonienschwerter wie auch ein goldener, mit Diamanten besetzter "Ankus" (Treibstock für Elefanten). Eine Sänfte aus Jodhpur trug die Maharani (Frau des Maharajas) und erlaubt den seltenen Einblick in das Leben der Frauen in den Palästen. Das Innere der Sänfte ist mit originalen Drucken und Kissen ausgestattet.

Anschließend erzählt die Ausstellung von der Machtverschiebung und dem kulturellen Wandel im Indien des 18. und 19. Jahrhunderts. Der Zerfall des Mogulreichs führte zu einer Zeit politischen Umbruchs, in der rivalisierende indische Herrscher Land für sich beanspruchten. Zu bewundern sind hier der goldene Thron des Maharajas Ranjit Singh wie auch die Waffen und die Rüstung von Tipu Sultan von Mysore und des Maratha-Herrschers Yeshwant Rao Holkar von Indore. Diese Ära ist auch geprägt von der raschen Ausweitung der territorialen Interessen der Britischen Ostindien-Kompanie, was zu einer Vermischung englischer und indischer Kultur führte. Diese spiegelt sich deutlich in Objekten wie dem "Spode" Tafelservice und einem Stuhl wider, der für den Nawab (Herrscher) von Awadh im Stil des "Ägyptischen Revival" entworfen wurde.

Das nächste Kapitel widmet sich den imperialen Versammlungen, den so genannten Durbars des Raj, was großformatige Gemälde und seltenes Filmmaterial anschaulich machen. Dieser Teil der Ausstellung zeigt auch einen Teppich aus Perlen, Rubinen, Smaragden und Diamanten, der für den Maharaja von Barod gewebt und auf dem Durbar im Jahr 1903 ausgestellt wurde.

Der letzte Teil der Ausstellung befasst sich mit der Rolle der "modernen" Maharajas während der Zeit des Raj und dem zunehmend europäischen Einfluss auf ihr Leben. Fotografen und Künstler wie Man Ray, Cecil Beaton oder Rja Ravi Varma dokumentieren mit Porträts von Maharajas und ihrer Frauen sowohl in indischer als auch europäischer Kleidung diesen Wandel.

Das Mäzenatentum der Maharajas bescherte europäischen Unternehmen die größten Aufträge und brachte luxuriöse Arbeiten hervor. Beispiele dafür sind Saris von einem führenden französischen Haut-Couture-Designer, ein Kostüm von Madeleine Vionnet, ein Kollier mit Diamanten und Smaragden von Van Cleef & Arpels und ein Reisekoffer von Louis Vuitton.

Die Maharajas waren auch die Förderer der sich damals entwickelnden europäischen Avantgarde. Ebenfalls in der Ausstellung zu sehen ist Mobiliar im Stil des Art Decor, das in den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts vom Maharaja von Indore für seinen Palast in Auftrag gegeben worden war. Auch architektonische Entwürfe für den Palast Umaid Bhawan, eine moderne Residenz, die auf Wunsch des Maharajas von Jodhpur erbaut wurde, ist zu sehen.

Diese Ausstellung belegt, dass Indiens Herrscher nicht nur bedeutende Kunstmäzene im eigenen Land, sondern auch im Westen waren. Gleichzeitig wird die faszinierende geschichtliche Entwicklung der Rolle der Maharajas vom frühen 18. Jahrhundert bis zu den letzten Tagen des Raj erzählt.

Maharaja - Pracht der indischen Fürstenhöfe

12. Februar bis 24. Mai 2010

Hypo-Kulturstiftung
Theatinerstraße 8
D - 80333 München

W: http://www.hypo-kunsthalle.de/

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Howdah, ca. 1840. Silber, teilvergoldet/verziertem Holz; Samt und Gusseisen, 91 x 80 x 145 cm. The Rosalinde and Arthur Gilbert Collection; Leihgabe im Victoria and Albert Museum. © V&A Images / Victoria and Albert Museum, London
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Thron von Hafiz Muhammad Multani, Lahore ca. 1820. Goldblech, getrieben/Holz, 94 x 90 x 77 cm; Victoria and Albert Museum. © V&A Images / Victoria and Albert Museum, London
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Nishan (Teil eines Banners) als Geschenk für Maharaja Jaswant Singh II. von Marwar, ca. 1876; Aufhängung aus Metall. Mehrangarh Museum Trust. © Mehrangarh Museum Trust, Jodhpur
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Begum Shah Jahan von Bhopal, ca. 1877. Seite aus Fotoalbum, Albuminpapierabzug, 31,5 x 82,5 x 3,0 cm. Knebworth House, Herfordshire
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Elefantenuhr 'Mysterieuse', Cartier Paris, 1928. Platin, Gold, Jade, Korallen, Onyx, Perlmutt, Perlen, Kristall, Diamanten und Emaille, 20 x 15,5 x 9,2 cm. Archiv Cartier; Photo Nick Welsh. © Cartier Collection