1. November 2011 - 1:48 / Ausstellung / Sonstige 
17. Juli 2011 6. November 2011

Der niederländische Maler Hieronymus Bosch (1450 – 1516) gilt als Fantast der ersten Stunde. Er entwarf verstörende Bildwelten, die das Fantastische zwischen Diesseits und Jenseits ansiedelten. Das österreichische Künstlerkollektiv Gelatin – Wolfgang Gantner (1968), Ali Janka (1970), Florian Reither (1970) und Tobias Urban (1971) – macht seit 1993 durch unkonventionelle Performances, skulpturale Werke und raumsprengende Installationen international auf sich aufmerksam.

Eine Affinität bzw. Sehnsucht nach Exzess, Emotion und Rebellion gegenüber jeglichem Konformismus zeichnet ihr Schaffen ebenso aus wie die Hinterfragung von antipodischen Begrifflichkeiten wie Fantasie und Wirklichkeit, Erfahrung und Erkenntnis, Versuch und Versuchung oder Ursache und Wirkung. Absichtsvoll erweitern sie , wie etwa die britische Künstlerin Sarah Lucas (* 1962), das zentrale Thema des Fantastischen, Grotesken und Absurden.

In Lucas" Skulpturen, Fotos und Installationen funktioniert die Metapher als ein zweifach zweideutiges und explizites Territorium, worin gesellschaftliche und sexuelle Sittlichkeit mit oft provokantem Humor befragt werden. Ihre Umdeutungen von Readymade-Objekten – ob Möbel, Boulevardblätter, Strumpfhosen, Toiletten oder Zigaretten – erzeugen eine paradoxe Mischung aus Robustheit und Fragilität, Bravur und Zartheit.

Die Ausstellung schließt Weltinterpretationen von Hieronymus Boschund seinen Zeitgenossen wie Herri met de Bles, Balthasar van den Bos, Jan Brueghel d. J., Hieronymus Cock, Pieter vander Heyden, Martin Schongauer u. a. mit Gegenwartskünstlern wie Sarah Lucas und Gelatin kurz.

500 Jahre zeitlicher Trennung zwischen den Künstlern werden aufgehoben und zeigen, dass die Nachterkenntnis des Traums als "die andere Seite der Vernunft" bis heute eine der Haupttriebfedern der Moderne ist und Aspekte der Abweichung, Verfremdung und des Widerspruchs erst Gegenwelten und Innovationen zu erzeugen im Stande sind. Archetypische ikonographische und symbolische Kontinuitäten werden in der Ausstellung über die Epochen hinweg in einen von Bezügen reichen Dialog gesetzt.

Lucas Bosch Gelatin
17. Juli bis 6. November 2011

Kunsthalle Krems
Franz-Zeller-Platz 3
A - 3500 Krems-Stein

T: 0043 (0)2732 9080-10
F: 0043 (0)2732 9080-11
E: office@kunsthalle.at
W: http://www.kunsthalle.at/

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Julian Simmons, Graphic Design. Foto: Sara Glaxia
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Gelatin: Ohne Titel, Fotomontage, 2011. (c) Gelatin 2011
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Hieronymus Bosch Nachfolger: Die Versuchung des hl. Antonius, um 1500/1510. (c) Dommuseum Salzburg, Josef Kral
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Sarah Lucas: Bunny Gets Snookered #10, 1997. Courtesy Sadie Coles HQ, London. (c) Sarah Lucas