6. Oktober 2020 - 17:08 / Aktuell / Oper 

Mit der Niederländerin Lotte de Beer wird erstmals eine Frau die Direktion eines der großen Wiener Opernhäuser übernehmen. Gemäss der Grünen-Kulturstaatssekretärin Andrea Mayer wird de Beer 2022 die Nachfolge von Robert Meyer als künstlerische Direktorin des renommierten Hauses antreten.

Nach ihrem Studienabschluss 2009 an der Hochschule der Künste in Amsterdam konnte sich De Beer in Rekordgeschwindigkeit einen Namen in der europäischen Musiktheaterlandschaft machen. Nach ersten Inszenierungen an der Oper Leipzig folgten Einladungen zum Holland Festival, zur Münchener Biennale sowie ans Aalto Theater Essen, an die Nationale Opera Amsterdam, nach Malmö und an die Bayerische Staatsoper.

2013 gründete sie gemeinsam mit dem Dirigenten Steven Sloane die Amsterdamer Compagnie Operafront, deren künstlerische Leiterin sie bis heute ist. 2015 wurde sie mit dem International Opera Award in der Kategorie "Newcomer" ausgezeichnet.

De Beer habe in ihrer Bewerbung geschrieben: "Die Volksoper bietet die Gelegenheit, Oper für das Volk zu machen", sagte Mayer. Das sei ihr als richtiger Ansatz erschienen. Die junge Regisseurin verfüge über "viel, viel Hintergrundwissen über musikalische Traditionen", genauso aber über die Kreativität, Neues zu schaffen.

Eine besondere Herzensangelegenheit sei der designierten neuen Volksopern-Chefin das Genre Operette, das sie gerade in schwierigeren Zeiten als besonders wichtig empfinde. "Statt schockieren will ich verzaubern," so De Beer. Das junge Publikum sei für diese Kunstformen verloren gegangen – sie plane, es zurückzuholen, und glaube, dass man verschiedene Publikumsgruppen vereinigen könne.

Im Rennen um die Direktion waren acht Frauen und 26 Männer. Laut Ausschreibung wurden gute Branchenkenntnisse ebenso vorausgesetzt wie die der Musikliteratur – "verbunden mit gesichertem künstlerischen Beurteilungsvermögen". Zu den Aufgaben der Volksopernintendanz gehört etwa die Weiterentwicklung des Ensembles und die zeitgemäße Fassung des Begriffs "Volksoper". Nicht zuletzt soll dabei der Aspekt der Kulturvermittlung für ein breites Publikum Berücksichtigung finden.