Nach 2022 und 2024 widmet die Galerie Z dem in Bregenz lebenden und arbeitenden Lorenz Helfer inzwischen zum dritten Mal eine Soloschau. Der Zwei-Jahres-Rhythmus war so nicht geplant. Es habe sich einfach so ergeben, lässt die Galeristin Andrea Romagna-Miessgang wissen. Anlass für die aktuelle Präsentation sind Arbeiten, die der Künstler 2025 während eines zweimonatigen Aufenthalts in Petömihályfa geschaffen hat. Die kleine ungarische Gemeinde, in der lediglich ca. 200 Menschen leben, ist zugleich der Titel der Ausstellung.
Lorenz Helfer hat zwar Malerei bei Wolfgang Herzig und Johanna Kandl an der Universität für Angewandte Kunst in Wien studiert, hält das Zeichnen diesem Genre gegenüber jedoch für ebenbürtig und wertvoll. Es überrascht daher nicht, dass er 2022 die Galerie in Hard mit einer raumgreifenden Papierarbeit überzog. Mit den dargestellten Restaurantszenen veranschaulichte er, dass die Zeichnung für sein Schaffen essenziell ist. Er begründet dies mit der Möglichkeit des intensiven Experimentierens, die ihm das Zeichnen bietet.
In der Malerei lebt er diese Passion gleichermaßen aus, was er mit seinem zweiten Auftritt „Tagebuch” im Jahr 2024 unterstrich. Lorenz Helfer stellt jedoch unmissverständlich klar, wie herausfordernd die stetige Suche nach neuen Wegen ist. Als seine wesentliche Motivation nennt er das unerschöpfliche Potenzial der Malerei und seine Liebe zu ihr. Was liegt also näher, als sich wieder intensiv mit dem Thema auseinanderzusetzen? In der Abgeschiedenheit von Petömihályfa (Michelsdorf im Miestal) hat der Künstler offenbar optimale Bedingungen dafür gefunden.
An diesem märchenhaften Ort, an dem er die Zeit als abgeschafft wahrnahm, setzte er unermüdlich sein Streben nach unbeschrittenen Wegen fort. Denn in seinem künstlerischen Ausdruck stehen zu bleiben, ist für den mehrfach ausgezeichneten Künstler keine Option. Zu Beginn seines in Kooperation mit der Galerie Krinzinger realisierten Aufenthalts griff er zu Fassadenfarben, die er auf Papier und Leinwand auftrug. Doch die Farben verhielten sich nicht so, wie von ihm beabsichtigt. Durchweg selbstkritisch gegenüber seinem eigenen Können war er mit dem Ergebnis nicht zufrieden. Erprobungen mit alternativen Materialien wie Klarlack folgten.
Trotz diverser Experimente mit Strukturen und Oberflächen hielt Lorenz Helfer, der sich konsequent und unnachgiebig an einer starken Aussagekraft seiner Werke orientiert, die Bilder für zu uninteressant. Seiner Überzeugung nach müssen etliche Entscheidungen getroffen und hinterfragt werden, damit eine Arbeit hohen künstlerischen Ansprüchen genügt. Nach dieser bewährten Methode ging er schließlich auch im Atelier in Ungarn vor, wobei er sich an seine Jugendzeit erinnerte. Zuvor galt es jedoch, Vorbehalte zu überwinden.
Als Jugendlicher hatte er nämlich viele Graffitis gestaltet. Sprühfarben aus der Dose verwendete er dabei ganz selbstverständlich. Ob diese in einem Ausstellungsort funktionieren, daran zweifelte er anfangs. Aus neutraler Perspektive betrachtet, erkannte er die Sprühdosen jedoch als gängige Werkzeuge. Seine Vorbehalte verflüchtigten sich und Lorenz Helfer agierte immer mutiger und großzügiger. Er ersetzte die kleinen Papierformate durch größere Sperrholzplatten, auf denen sich die Figuren entfalten können. Denn dem Künstler liegt viel daran, dass sie sich frei bewegen und nicht von ihm kontrolliert werden.
Wie in seinem gesamten vielschichtigen Œuvre spielt Lorenz Helfer auch in „Petömihályfa“ meisterhaft mit dem Changieren zwischen Schärfe und Unschärfe. Dieses Stilmittel setzte er ebenso virtuos wie gewieft ein. Denn er sieht darin eine probate Möglichkeit, die Dramaturgie zu steigern. Bei den gezeigten Tafeln, auf denen nicht eindeutig identifizierbare Personen in diffusen Farbschichten schweben, gelingt ihm dies überzeugend.
Lorenz Helfer
Petömihályfa
04.06.2026 – 04.07.2026
Ausstellungseröffnung: Donnerstag, 04. Juni 2026, 19:30 Uhr
Es spricht Judith Reichart