18. Juni 2012 - 2:23 / Bühne / Schauspiel 

"Etwas Unaufführbareres hat es nie gegeben", schrieb Arthur Schnitzler 1897 und tatsächlich ist sein "Reigen" seit seinem Erscheinen begleitet von Skandalen, Fehlinterpretationen, Verboten, Beschlagnahmungen, Tumulten und Prozessen. In zehn Dialogen bringt Arthur Schnitzler im "Reigen" ein Liebeskarussell auf die Bühne, ein Wechselspiel der flüchtigen Begegnungen, erotisch und raffiniert, vergeblich und leer, und doch immer von einer leisen Hoffnung auf große Gefühle genährt.

Das Stück ist streng komponiert, 10 Personen, fünf Männer, fünf Frauen, die zehnmal verschiedene Paare bilden, strukturieren die Choreographie dieses Tanzes. Zehnmal steigt die Temperatur vom Nullpunkt zum Siedepunkt und wieder herab. Zehnmal wiederholt sich das Unwiederholbare, die Schmeichelei, die Koketterie, das Zieren und Posieren, das Auf und Ab auf der Skala der Verführung. Wenn nach jeder Paarung der eine Partner ausgetauscht wird, repetiert sich der Liebesbetrieb quer durch die Gesellschaftsschichten des Fin de Siecle: Ein Spiel um Illusionen, um Ehrgeiz und Anspruch auf Einmaligkeit, um die immer gleiche Sehnsucht nach dem erfüllten Augenblick, in Gang gehalten von der Zirkulation des Begehrens.

Im Repertoire ihrer sozialen Möglichkeiten inszenieren sich die Dialogpartner füreinander, alle Spieler sind zugleich Verlierer, betrogene Verführer. Die sexuelle Begegnung, die durch Gesten und Worte, in doppelbödig-vieldeutiger Weise herbeigesehnt wird, endet jeweils in leiser Melancholie, entzaubert sich im Moment der Erfüllung, die Vereinigung offenbart den Abgrund zwischen den Figuren, und gerade deshalb kommt der Reigen nicht zum Stillstand. Scheinbar leichtherzig gibt Schnitzler in den Gebärden des erotischen Ringelspiels zugleich sozialpsychologische Momentaufnahmen des Zustands einer untergehenden Epoche.

In der Inszenierung von Bernadette Sonnenbichler kommt Arthur Schnitzlers Reigen in der wundervollen Villa Raczinski zur Aufführung, und die Zuschauer sind in diesem Spiel nicht nur vor der Bühne, sondern auch auf und in dem Raum der Kunst.

Der Reigen von Arthur Schnitzler
Letzte Premiere in dieser Saison vom Vorarlberger
Landestheater in der Villa Raczinski am Marienberg-Kloster
25. Mai 2012 um 20 und 22 Uhr
(Voranmeldung erforderlich)

Regie: Bernadette Sonnenbichler
Dramaturgie: Dorothée Bauerle-Willert
Ausstattung: Vaclav Pozarek
Kostüme: Tanja Kramberger
Musik: Martina Eisenreich

Weitere Termine:
27./ 29./ 30. Mai 2012
12./ 14./ 20./ 21./ 23./ 24. Juni 2012
jeweils um 20.00 Uhr

Vorarlberger Landestheater
Seestraße 2
A - 6900 Bregenz

T: 0043 (0)5574 42 8 70
F: 0043 (0)5574 48 3 66
E: info@landestheater.org
W: http://www.landestheater.org/

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  •  25. Mai 2012 24. Juni 2012 /
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