19. August 2020 - 5:37 / Ausstellung / Malerei 
27. August 2020 15. November 2020

Die Albertina widmet diese Ausstellung einer der bedeutendsten Privatsammlungen der französischen Moderne. Die Ausstellung in der Albertina zeigt ein Kondensat aus den 80 wichtigsten und schönsten Werken der ursprünglich 500 Gemälde, Papierarbeiten und Plastiken umfassenden Sammlung Hahnloser, ergänzt durch Werke, die als HahnloserSchenkungen von den Kunstmuseen Winterthur und Bern erworben wurden. Die Schweiz besitzt bekanntlich keine Fürstlichen Sammlungen, zugleich bewundert man auf der ganzen Welt ihre reichen Sammlungen der Klassischen Moderne. Jener Moderne, die in der Welthauptstadt der Kunst geboren worden ist, in Paris. Schweizer Sammlungen haben keineswegs schon immer den Blick nach Frankreich gerichtet – sie tun es erst, seit Arthur und Hedy Hahnloser in der Blütezeit der Avantgarden zu Sammeln begonnen haben.

Die Sammlung Hahnloser entstand zwischen 1907 und 1936 im engen freundschaftlichen Austausch zwischen dem Sammlerpaar Arthur Hahnloser (1870–1936) und Hedy Hahnloser-Bühler (1872–1952) und ihren Künstlerfreunden: Ferdinand Hodler, Félix Vallotton, Henri Manguin, Pierre Bonnard und Henri Matisse. Später wurden auch deren Vorläufer Renoir, Van Gogh, Gauguin, Cézanne und Toulouse-Lautrec Teil der Sammlung des Augenarztes und der ausgebildeten Malerin.

Heute umfasst die bedeutende Sammlung einzigartige Werkgruppen – Gemälde, Plastiken und Aquarelle – der schweizerischen und französischen Moderne, darunter so prominente Werke wie Bonnards "Spiegeleffekt (Die Wanne)", Cézannes "Selbstbildnis Porträt des Künstlers", Van Goghs "Sämann" und das "Nachtcafé in Arles", Vallottons "Die Weiße und die Schwarze" oder Maillols Skulptur "Pomona".

Bedeutende Teile der ursprünglichen Sammlung befinden sich heute im Besitz der Hahnloser/Jaeggli Stiftung, die seit 2016 im Kunstmuseum Bern deponiert ist. Zudem konnten Schlüsselwerke in die Ausstellung integriert werden, die das Sammlerpaar und deren Erben den Kunstmuseen von Winterthur und Bern geschenkt haben. Auch die Nachkommen haben großzügig Leihgaben beigesteuert.

Sammeln war für Arthur und Hedy Hahnloser eine sinnstiftende Lebensaufgabe, an der sie ihr Umfeld aktiv beteiligten. Ihre Sammlung, die sie in der Villa Flora in Winterthur als Gesamtkunstwerk inszenierten, verstanden sie als "Lehrmuseum". Sie motivierten Verwandte und Freunde, Werke ihrer favorisierten Künstler zu erwerben oder verhalfen diesen durch Schenkungen an Privatsammler und Schweizer Kunstmuseen zu Bekanntheit. Dieses "Prinzip Hahnloser" hat die Schweizer Museumssammlungen und ihre Ankaufspolitik enorm bereichert; oft stehen die Schenkungen am Beginn umfangreicher Sammlungen der Modernen Kunst.

In Österreich, wo Frankreich lange als Erzfeind betrachtet wird und die Moderne nicht mit aller Konsequenz Eingang in die ästhetische Erziehung findet, wird ein vergleichbarer "Lehrpfad der Moderne" erst 100 Jahre später mit der in der Albertina deponierten Sammlung Batliner etabliert. Hier führt die Sammlung Hahnloser einen Dialog mit den hauseigenen Sammlungen, die durch eine Auswahl von 20 Werken in die Ausstellung integriert sind.

In der Schweiz gibt es keine staatlichen Sammlungen und keine Nationalgalerie. Die heutige Schweiz wird 1848 als föderalistischer Bundesstaat gegründet; entsprechend bleibt das Kunstsammeln Privatsammlern und lokalen Museen vorbehalten. Hier geben Bürger den Ton an. Auch im Vorstand des 1848 gegründeten Kunstvereins Winterthur übernehmen um 1906 junge Kunstenthusiasten die Führung. Die Hauptprotagonisten sind Arthur Hahnloser und Hedy Hahnloser-Bühler, die zusammen mit Hedys Cousin Richard Bühler und den Brüdern Oskar und Georg Reinhart Winterthurs "glorioses Jahrzehnt" einleiten. Zwischen 1910 und 1920 entstehen einige der wichtigsten Schweizer Privatsammlungen, darunter die Sammlung Hahnloser, die entscheidenden Einfluss auf den Aufbau moderner Kunstsammlungen der Schweizer Museen nehmen.

Die Sammlung Hahnloser zählt zu den bedeutendsten Schweizer Privatsammlungen zur Kunst des 20. Jahrhunderts. Mit Werken von Manet, Cézanne und Van Gogh, Renoir und Toulouse-Lautrec repräsentiert sie die Anfänge moderner Kunst in Europa; mit Werken von Hodler und Vallotton besitzt sie eine ganz persönliche und auch typisch schweizerische Note. Die Vorliebe für die Nabis und den farbgewaltigen Expressionismus der Fauves ist wie die Bereitschaft der Sammler, den Weg der Künstler mit Begeisterung mitzugehen, in dieser Sammlung spürbar.

Die Sammlung Hahnloser entsteht während einer relativ kurzen Zeitspanne zwischen 1907 und 1936, und dies im engen Austausch mit ihren Künstlern. Dieser Aspekt hat das Erscheinungsbild der Sammlung entscheidend gelenkt und geprägt. Sie besticht durch umfassende Werkgruppen von Künstlern wie Bonnard, Matisse und Vallotton und damit durch eine Auswahl, die der tiefen und treuen Verbundenheit mit den befreundeten Künstlern geschuldet ist.

Arthur und Hedy Hahnloser sammeln zunächst für ihr eigenes Heim, die Villa Flora in Winterthur. Mit Auftragswerken und Schenkungen an Museen sowie mit ihrem vehementen Einstehen für "ihre Künstler" fördern sie aber auch die Kenntnis über die klassische Moderne Europas in der Schweiz. Ihre Schenkungen an Schweizer Museen bewirken, dass sich das Kunst-Museum-Winterthur 1916 als erste öffentliche Sammlung französischer Moderne der Schweiz positionieren kann; das Kunstmuseum Bern und das Kunsthaus Zürich folgen diesem Beispiel. Diese Verschränkung von privatem und öffentlichem Sammeln ist heute als "Prinzip Hahnloser" bekannt.

Nach Hedy Hahnlosers Tod 1952 geht die Sammlung an ihre Kinder Hans und Lisa. Heute befindet sie sich zu einem großen Teil in der 1980 gegründeten Hahnloser/Jaeggli Stiftung; eine ebenso große Anzahl ist noch immer im privaten Besitz der Familie. 2018 wird die Villa Flora dem Kanton Zürich geschenkt; 2023 soll sie als dritter Standort des Kunst-Museums-Winterthur der Öffentlichkeit zugänglich sein.

Van Gogh, Cézanne, Matisse
Die Sammlung Hahnloser
27. August bis 15. November 2020

Albertina
Albertinaplatz 1
A - 1010 Wien

T: 0043 (0)1 534 83-555
F: 0043 (0)1 534 83-430
E: info@albertina.at
W: http://www.albertina.at/

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  •  27. August 2020 15. November 2020 /
Félix Vallotton, Die Weiße und die Schwarze, 1913 Öl auf Leinwand © Foto: Reto Pedrini, Zürich
Félix Vallotton, Die Weiße und die Schwarze, 1913 Öl auf Leinwand © Foto: Reto Pedrini, Zürich
Ferdinand Hodler, Blumenpflückendes Mädchen, 1887 Öl auf Leinwand Hahnloser/Jaeggli Stiftung, Villa Flora, Winterthur © Foto: Reto Pedrini, Zürich
Ferdinand Hodler, Blumenpflückendes Mädchen, 1887 Öl auf Leinwand Hahnloser/Jaeggli Stiftung, Villa Flora, Winterthur © Foto: Reto Pedrini, Zürich
Henri Matisse, Frau in Grün, 1917 Öl auf Leinwand Privatsammlung
Henri Matisse, Frau in Grün, 1917 Öl auf Leinwand Privatsammlung
Paul Cézanne Der Bauer, 1890–1892 Öl auf Leinwand Privatsammlung
Paul Cézanne Der Bauer, 1890–1892 Öl auf Leinwand Privatsammlung
Pierre Bonnard, Bootsfahrt auf dem Meer, 1924 Öl auf Leinwand Privatsammlung
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