Der diesjährige Nobelpreis für Literatur wurde an den ungarischen Schriftsteller László Krasznahorkai verliehen. Das Archiv dieses außergewöhnlichen Autors befindet sich seit 2024 in der Österreichischen Nationalbibliothek. Bis zum 28. Juni 2026 präsentiert das Literaturmuseum in einer Foyer-Ausstellung ausgewählte Objekte aus dem Archiv.
Zu sehen sind Fotografien, die den Autor in seiner Jugend als Mitglied einer Rockband, auf Reisen in Japan oder mit Weggefährten wie Péter Esterházy oder Allen Ginsberg zeigen. Manuskripte und Notizblätter dokumentieren die Entstehung seiner wichtigsten Werke seit den 1980er Jahren. Ein Filmplakat, ein Brief von Thomas Pynchon und ein Videoausschnitt geben weitere Einblicke in die Herkunftsgeschichte, den Werdegang und die internationale Ausstrahlung dieses Ausnahmeschriftstellers.
László Krasznahorkai wurde 1954 im südostungarischen Gyula geboren. Nach Wanderjahren in der ungarischen Provinz verbrachte er längere Zeit in Berlin, New York und Kyoto. Er unternahm ausgedehnte Reisen in die Mongolei und nach China. Heute lebt er in Budapest, Triest und Wien.
Mit seinen frühen Romanen „Satanstango” (1985) und „Melancholie des Widerstands” (1989) schuf er Parabeln über Macht, Verführung und Gewalt. Die Verfilmungen durch den ungarischen Regisseur Béla Tarr besitzen mittlerweile Kultstatus und gehören zum Kanon der besten Filme des Jahrhunderts.
Krasznahorkais Expeditionen in verschiedene Weltgegenden fanden Niederschlag im Reiseroman „Der Gefangene von Urga” (1993) oder im Erzählband „Seiobo auf Erden” (2008). Sein 2021 erschienener Roman „Herscht 07769” spielt im Milieu ostdeutscher Neonazis und besteht aus nur einem einzigen langen, musikalisch komponierten Satz.
Nach dem Man Booker International Prize (2015) und dem Österreichischen Staatspreis für Europäische Literatur (2021) wurde Krasznahorkai dieses Jahr mit dem wohl wichtigsten Literaturpreis der Welt ausgezeichnet. In der Begründung der Jury heißt es: „Für sein fesselndes und visionäres Werk, das inmitten apokalyptischer Schrecken die Macht der Kunst bekräftigt.“
László Krasznahorkai. Aus dem Archiv eines Weltautors
Kuratiert von Bernhard Fetz und Arnhilt Inguglia-Höfle
Bis 28. Juni 2026