Der Vorarlberger Landesehrenzeichenrat hat beschlossen, sich von den an Natalie Beer und Hermann Gmeiner verliehenen Ehrenzeichen des Landes zu distanzieren. Die Landesregierung schließe sich diesen Beschlüssen ausdrücklich an, heisst es in einer Aussendung dazu.
Der 1919 geborene Hermann Gmeiner war Gründer der SOS-Kinderdörfer und erhielt 1974 das Goldene Ehrenzeichen des Landes Vorarlberg. 1966 eröffnete am Knieberg in Dornbirn das erste Vorarlberger SOS-Kinderdorf.
In den vergangenen Wochen und Monaten wurde das Bild Gmeiners in einer aktuellen Aufarbeitung allerdings kritisch eingeordnet. Zwischen 2013 und 2023 wurden im Rahmen eines unabhängigen Opferschutzverfahrens mehrere Meldungen eingereicht, die in Zusammenhang mit Gmeiner und der frühen Aufbauzeit von SOS-Kinderdorf stehen. Die Vorwürfe werden derzeit noch von der Staatsanwaltschaft geprüft.
Der Landesehrenzeichenrat verurteile jegliche Form von Gewalt gegen Kinder und Jugendliche und distanziere sich in einem ersten Schritt von der Verleihung des Goldenen Ehrenzeichens an Hermann Gmeiner – vorbehaltlich der juristischen Aufarbeitung durch die Österreichische Justiz.
Der Vorarlberger Schriftstellerin Natalie Beer wiederum wurde im Jahr 1975 das Silberne Ehrenzeichen des Landes verliehen. Der Landesehrenzeichenrat hält bei seiner jüngsten Sitzung fest, dass Beer sich der ihr verliehenen Auszeichnung als nicht würdig erwiesen habe und distanziere daher von der Verleihung.
Beer trat 1940 der NSDAP und der Reichsschrifttumskammer bei. Von 1942 bis Kriegsende war sie als Gau-Abteilungsleiterin "Presse-Propaganda der NS-Frauenschaft“ für Tirol-Vorarlberg tätig und galt damit als eine der ranghöchsten Nationalsozialistinnen in Vorarlberg. Nach dem Ende des Hitler-Regimes etablierte sich Natalie Beer im neuen demokratischen Staat als Schriftstellerin und Dichterin. Sie publizierte ab 1951 in den Vorarlberger Nachrichten und arbeitete unter dem Pseudonym Ursula Berngath für das Radio in Vorarlberg.