Kunsthaus Zug – Jahresprogramm 2026

Im Jahr 2026 eröffnet die Zuger Kunstgesellschaft in fünf bemerkenswerten Ausstellungen im Kunsthaus Zug sowie im Schaudepot neue Perspektiven auf ihre umfangreichen Sammlungsbestände.

Im Ausstellungsjahr 2026 präsentiert das Kunsthaus Zug seine Sammlungen mit neuen Schwerpunkten. Den Auftakt macht Max von Moos, einer der wichtigsten Vertreter des Schweizer Surrealismus. Dessen bekanntlich düsteres, zuweilen aber überraschend heiteres Werk wird entlang zentraler Themen neu „aufgeschlüsselt”. Im Sommer folgt „Träumende Dinge”, eine Sammlungsausstellung mit Werken von Künstlerinnen wie Heidi Bucher, Miriam Cahn, Meret Oppenheim, Hannah Villiger und Ilse Weber. Deren Auseinandersetzung mit Dingen und Körpern, mit Vorgefundenem und Verwandeltem entfaltet eine eigenwillige Poetik.  Im Herbst begegnen sich die zeitgenössischen Kunstschaffenden Kyra Tabea Balderer und Raphael Egil, die in „Chamber, Chamber” ein „Kammer-Spiel” der Bilder eröffnen und hierbei auch die Sammlung einbeziehen. Im Kunsthaus Zug Schaudepot ist noch bis Ende Juni 2026 die Ausstellung „Ilya & Emilia Kabakov – The Tennis Game” zu sehen. Sie ist im Dialog mit Boris Groys zu sehen, bevor der Zuger Künstler Markus Kummer die dort gelagerten Bestände neu inszeniert.

Max von Moos (1903–1979) zählt zu den zentralen Protagonisten der modernen Schweizer Kunst. Zeitlebens in Luzern verwurzelt, prägte er über drei Jahrzehnte als Lehrer an der Kunstgewerbeschule Generationen von Kunstschaffenden. Er gilt bis heute als eine der einflussreichsten Künstlerpersönlichkeiten der Zentralschweiz. In diesem lebendigen sozialen und künstlerischen Umfeld schuf er ein herausragendes Werk, das wesentlich zum Schweizer Surrealismus beitrug.

Dank der jüngsten Schenkungen der Sammlung Peter Thali (2022) und der Max von Moos-Stiftung (2024) verfügt das Kunsthaus Zug heute über die größten und bedeutendsten Werkgruppen von Max von Moos.  Die umfangreiche Erweiterung umfasst Arbeiten aus allen Schaffensphasen – von frühen Kinderzeichnungen bis zu späten Filzstiftarbeiten. Die Ausstellung „Max von Moos – Die Aufschlüsselung” präsentiert diese Neuzugänge nun erstmals und eröffnet einen neuen, vertieften Blick auf das faszinierende Œuvre des Künstlers.

Der Titel „Aufschlüsselung” bedeutet gemeinhin das systematische Erklären komplexer Dinge mit dem Ziel, Klarheit zu schaffen. In der Ausstellung bleibt eine eindeutige Erklärung jedoch bewusst aus. Das oftmals düstere, mitunter überraschend heitere Werk von Max von Moos bewahrt das Geheimnisvolle: Es entfaltet ein spielerisches Wechselverhältnis von Verbergen und Offenlegen, von Ver- und Entschlüsselung.

Max von Moos
Die Aufschlüsselung
24.01.–25.05.2026
Kuratiert von Jana Bruggmann

„Ich möchte einmal etwas malen, was ich noch nie gesehen habe”, so Ilse Weber. Dieser Satz beschreibt die Entstehung traumwandlerischer Bildwelten in ihrem Schaffen und steht zugleich sinnbildlich für den Kern der Ausstellung „Träumende Dinge”. Viele der präsentierten Künstlerinnen aus dem Sammlungsbestand – von Trudi Demut, Josephine Troller und Meret Oppenheim bis zu Heidi Bucher, Miriam Cahn und Hannah Villiger – verbindet eine Nähe zu Themen und Verfahren des Surrealismus. Sie interessieren sich für Bilder, die aus Träumen, Erinnerung und inneren Vorstellungen entstehen. In ihren Arbeiten verfremden sie Körper und Objekte, lösen sie aus ihren Zusammenhängen und laden sie mit neuer Bedeutung auf.

Gerade Künstlerinnen wie Meret Oppenheim, Miriam Cahn und Hannah Villiger erfahren in den letzten Jahren international wachsende Aufmerksamkeit. Ihre Werke sind in bedeutenden Institutionen präsent und ihre Themen – Dingpoetik, Erinnerung und Körperlichkeit – berühren zentrale Fragen unserer Zeit. Diese Wiederentdeckung weiblicher Positionen verdeutlicht, wie relevant und wegweisend ihre künstlerischen Beiträge schon früh waren – und wie sehr sie das heutige Kunstverständnis prägen.

Mit der Ausstellung „Träumende Dinge” knüpft das Kunsthaus Zug einerseits an seine Tradition an, die eigene Sammlung neu zu befragen und aus ungewohnten Perspektiven zu präsentieren.  Gleichzeitig setzt das Haus ein bewusstes Zeichen für mehr Sichtbarkeit von Künstlerinnen und für ein ausgewogenes, zukunftsgerichtetes Programm.

Träumende Dinge
Heidi Bucher, Miriam Cahn, Meret Oppenheim, Hannah Villiger, Ilse Weber u. a.
13.06.–27.09.2026
Kuratiert von Jana Bruggmann

„Chamber, Chamber” – der doppelte Titel eröffnet ein Feld möglicher Deutungen: Kammer und Kabinett, Bildraum und Bühne, Spiegelraum und Echo. Er verweist zugleich auf Intimität und Inszenierung, auf das wiederholte Betreten von Räumen, in denen sich Bilder überlagern, verwandeln und neu entfalten. In diesem Spannungsfeld treffen Kyra Tabea Balderer (\* 1984 in Zürich) und Raphael Egil (\* 1975 in St. Gallen) aufeinander.

Balderer lebt und arbeitet in Zürich und Berlin. Ihre medienübergreifende Praxis verbindet Fotografie, Skulptur und Malerei. Sie konstruiert eigene Installationen aus einfachen Materialien wie Karton, Holz oder Spiegeln, arrangiert sie und verwandelt sie in präzise inszenierte Fotografien. Sie wurde unter anderem mit dem Hauptpreis Werkbeiträge des Kantons Zürich (2024) sowie dem Manor Kunstpreis Zentralschweiz (2018) ausgezeichnet und zeigte u. a. die Einzelausstellung „Szenario” im Kunstmuseum Luzern.

Egil lebt und arbeitet in der Region Luzern. Seine Malerei bewegt sich zwischen figürlicher und abstrakter Darstellung: Stillleben, Landschaften und Selbstporträts verschränken Wahrnehmung, Kunstgeschichte und poetische Verdichtung. Zu seinen Einzelausstellungen zählt „Ground Speed” (2024). Publikationen wie „Zimmerblüten / Chambers Blossom” (2014) und „Paintings 2000–2019” (2021) dokumentieren sein Werk.

So lädt Chamber, Chamber dazu ein, die Bildräume zweier eigenständiger Positionen zu durchschreiten.  Durch den Dialog ihrer Werke entsteht ein „KammerSpiel” der Bilder, das Fragen nach Original und Variation, Stille und Inszenierung, Erinnerung und Zukunft anklingen lässt.

Kyra Tabea Balderer, Raphael Egil
Chamber, Chamber
24.10.2026–7.2.2027
Kuratiert von Jana Bruggmann

Raumfüllend wie ein Tennisfeld, verwoben wie ein fesselnder Match und nachwirkend wie ein Grand-Slam-Finale – „The Tennis Game. Im Dialog mit Boris Groys (Fassung 2)” ist ein Werk, das mit seinem Frage-Antwort-(Tennis)-Spiel Schlagfertigkeit, Tiefgründigkeit und ironischen Humor an den Tag legt. Das Werk wurde 2000 in Karlsruhe erstmals gezeigt und seither international ausgestellt. Dank der großzügigen Schenkung Emilia Kabakovs ist es nun Teil der Sammlung der Zuger Kunstgesellschaft.  Es berührt durch seine zeitlose Aktualität und stellt dabei aufwühlend ehrliche bis ironische Fragen zur Menschlichkeit im Angesicht gesellschaftlicher und historischer Entwicklungen.

Ab dem 11. Januar 2025 lädt die partizipative Ausstellung im Kunsthaus Zug Schaudepot sonntags im zweiwöchentlichen Rhythmus von 10 bis 17 Uhr zum Mitspielen ein. Begleitet wird die Ausstellung von einem interaktiven Programm der Projektleiterin Mia Jenni.  Den Abschluss bildet die Finissage am Sonntag, dem 28. Juni 2026.

Ilya & Emilia Kabakov, The Tennis Game. Im Dialog mit Boris Groys
Bis 28.06.2026
@Kunsthaus Zug Schaudepot

Das Kunsthaus Zug Schaudepot beherbergt skulpturale, plastische und installative Werke aus der Sammlung des Hauses. Im Herbst 2026 werden auf einer Fläche von 700 Quadratmetern ausgewählte Sammlungsobjekte des Zuger Künstlers Markus Kummer neu inszeniert. Sein Sinn für Raum, Material und Atmosphäre verbindet sich mit einem Interesse an archäologischen Praktiken, Sammlungsobjekten und den Prinzipien des Bauens und Dekonstruierens – mit Fragen also, wie sich Dinge verbinden und wieder auflösen lassen, wie im Spiel Neues entsteht. So eröffnet Markus Kummer überraschende Perspektiven auf die Sammlungsbestände. Eine Einladung, Vertrautes neu zu entdecken.

Markus Kummer (\*1974 in Zug) ist ausgebildeter Maurer und Hochbauzeichner. Nach einem Bachelor in Innenarchitektur und Szenografie schloss er einen Master of Fine Arts an der HKB Bern ab. Seine Arbeiten verbinden unterschiedliche Materialien, Denkprozesse und Perspektiven zu poetischen und kraftvollen Kompositionen. Kummers Werke wurden in renommierten Institutionen im In- und Ausland präsentiert, etwa im Haus für Kunst Uri, im Haus Konstruktiv in Zürich, in der Kunsthalle Baselland sowie in The Green Box – Kunst Editionen in Berlin. Für sein künstlerisches Schaffen erhielt er 2024 das Zuger Werkjahr, die höchste Auszeichnung der Kulturförderung im Kanton Zug.

Markus Kummer
Neuinszenierung im Kunsthaus Zug Schaudepot
5.9.2026–27.6.2027
@Kunsthaus Zug Schaudepot
Realisiert von Markus Kummer und Jana Bruggmann (Projektleitung)