7. August 2019 - 4:23 / Ausstellung / Skulptur
30. August 2019 8. Dezember 2019

Vom 30. August bis zum 8. Dezember 2019 zeigt das Kunsthaus Zürich Henri Matisse als Bildhauer. Die Ausstellung präsentiert Bronzen in verschiedenen Zuständen und Inspirationsquellen des Künstlers, darunter Aktfotografien und afrikanische Plastiken. Mit über 70 Werken, begleitet von Reproduktionen historischer Fotografien, von Filmen und von Musik, wird Matisse’ künstlerische Methode im grossen Ausstellungssaal des Kunsthauses anschaulich inszeniert.

Den Auftakt machen Skulpturen von Rodin, Maillol und Bourdelle. Ihnen eiferte der für seine farbigen Gemälde bekannte Matisse nach, bevor er sich von den Vorbildern emanzipierte. Gleichsam einer Metamorphose wandeln sich seine Figuren. Sind diese zunächst noch naturalistischen Idealen verpflichtet, erfahren spätere Schöpfungen oder weitere Bearbeitungen desselben Motivs eine immer stärkere Abstraktion. Eine formale Progression, wie in den Bronzereliefs «Nu de dos I-IV», die von einer naturalistisch anmutenden Gestaltung hin zu einer radikalen Stilisierung führt, findet sich auch in liegenden Akten («Nu couché I-III»), in grazilen Figurinen («Madeleine I-II») und voluminösen Büsten («Jeannette I-V»).

Parallelen weist auch das malerische und zeichnerische Werk Matisse’ auf. Erstmals setzt eine Ausstellung Gemälde, Papiers découpés und Zeichnungen unter diesem Aspekt in Beziehung zum plastischen Schaffen. Frappierend dabei ist, dass Matisse selber die Prozesse der Verwandlung nicht nur für sich privat dokumentierte, nein, er stellte die dokumentarischen Fotografien zusammen mit den Gemälden (z. B. «Nature morte au coquillage sur marbre noir», 1940) aus. Im Kunsthaus Zürich erfährt man die Gründe für die öffentliche Sichtbarmachung des Entstehungsprozesses durch den Künstler. Sie sind bis anhin in keiner Ausstellung näher untersucht worden.

Neben der künstlerischen Methode der Metamorphose werden in der Ausstellung weitere Schwerpunkte dargestellt, die Matisse’ plastisches Werk charakterisieren. Daran wird deutlich, wie sich der Künstler mit Rodin sowie der Kunst der Antike und der Renaissance auseinandergesetzt hat. Neu wird die Tatsache beleuchtet, dass dem Schöpfungsprozess eine intensive Beschäftigung mit fotografischen Vorlagen und mit afrikanischer Plastik vorausging. Das Stilmittel der Arabeske, gut zu sehen bei «La serpentine» (1909), charakterisiert fast alle von Matisse’ Plastiken. Auch die Auflösung eindeutiger Geschlechtsmerkmale wie bei den vier «Nu de dos» oder beim «Petit torse mince» (1930) ist ein ihm zuzurechnendes Gestaltungselement.

Im Fall der Bronzereliefs «Nu de dos» brauchte Matisse 20 Jahre, um die Metamorphose ein und desselben Motivs in extremis herauszuarbeiten. An der langen Dauer des Prozesses zeigt sich, dass die Schöpfung nie als Serie angelegt war – auch wenn sie dem Besucher heute als solche erscheint, wenn er den vier ausgestellten, überlebensgrossen Reliefs gegenübersteht.

Kuratorin Sandra Gianfreda hat die erhellende Ausstellung mit Leihgaben aus berühmten Sammlungen in Kopenhagen, Washington, Baltimore, San Francisco, Paris, Moskau und Nizza zusammengestellt. Das in Nizza ansässige Musée Matisse steuert als Kooperationspartner den grössten Teil an Leihgaben bei und wird die Ausstellung aus Zürich übernehmen (15.2.–15.5.2020). Matisse war, das macht diese Ausstellung bewusst, ein Künstler, der nicht nur zu malen verstand. Sein plastisches Werk gehört zu den Meilensteinen der Moderne.

Der Katalog (Scheidegger & Spiess, ca. 232 S., ca. 200 Abb.) zur Ausstellung enthält Beiträge von Sandra Gianfreda, Claudine Grammont, Gaku Kondo, Bärbel Küster und Ellen McBreen. Er erscheint in einer deutschen, englischen und französischen Ausgabe und ist ab Ausstellungsbeginn im Kunsthaus-Shop und im Buchhandel erhältlich.

Matisse – Metamorphosen
30. August bis 8. Dezember 2019

Kunsthaus Zürich
Heimplatz 1
CH - 8001 Zürich

T: 0041 (0)44 25384-84
F: 0041 (0)44 25384-33
E: info@kunsthaus.ch
W: http://www.kunsthaus.ch/

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  •  30. August 2019 8. Dezember 2019 /
Henri Matisse, Jeannette III, 1910/1911 Bronze, 60,3 x 26 x 28 cm Musée d‘Orsay, Paris, Depositum im Musée Matisse, Nizza, Schenkung von Frau Jean Matisse, 1978 Foto: François Fernandez © Succession Henri Matisse/ 2019 ProLitteris, Zurich
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Henri Matisse, La serpentine, 1909 Bronze, 56,2 x 28,8 x 19,5 cm Statens Museum for Kunst, Copen- hagen, Foto: SMK Photo/Jakob Skou-Hansen © Succession Henri Matisse/ 2019 ProLitteris, Zurich
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Henri Matisse, Nu couché I (Aurore), 1907 Bronze, 34,4 x 49,9 x 27,9 cm The Baltimore Museum of Art: The Cone Collection, formed by Dr. Claribel Cone and Miss Etta Cone of Baltimore, Maryland. Foto: Mitro Hood © Succession Henri Matisse/ 2019 ProLitteris, Zurich
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Henri Matisse, Nu couché III, 1929 Bronze, 18,7 x 46,5 x 15,1 cm Hirshhorn Museum and Sculpture Garden, Smithsonian Institution, Washington, DC, Gift of Joseph H. Hirshhorn, 1966. Foto: Cathy Carver, Hirshhorn Museum and Sculpture Garden © Succession Henri Matisse/2019 ProLitteris, Zurich
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Hans Marsilius Purrmann, Matisse posiert in seinem Atelier, 1900–1903 Archives Henri Matisse, Issy-les- Moulineaux, © 2019 ProLitteris, Zurich
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