Kunstausstellung und Versteigerung im Landhaus Bregenz: „… aus den Angeln“

24. November 2025 Martina Pfeifer Steiner —
ab/am 28.11.2025
Bildteil

Gleichzeitig als Vernissage und Finissage einer Ausstellung im Landhaus Bregenz ist die beachtenswerte Kunst-Charity-Aktion angelegt, bei der von bekannten Vorarlberger Kunstschaffenden gestaltete Tür-Objekte versteigert werden, zur Förderung therapiebedürftiger Kinder und Jugendlicher.

Es ist dies eine Initiative zum 10-jährigen Bestehen des Vereins Spiellernraum Vorarlberg. Vielfältig und methodenreich werden hier Kinder und Jugendliche betreut, die irgendwie „aus den Angeln“ gehoben wurden und Unterstützung brauchen. Ursprünglich stammen die Holztüren aus dem ehemaligen Ferienheim des Vorarlberger Kinderdorfes in Dafins, wo sie von Birgit Drexler „gerettet“ und über viele Jahre gelagert wurden, um sie vielleicht einmal für ein Kunstprojekt zu verwenden. So die vage Vision der Kunsttherapeutin. Die Zeit ist gekommen, sieben Künstlerinnen und Künstler beteiligten sich begeistert, um die alten Türen durch die künstlerische Gestaltung und Versteigerung zum symbolischen „Tür-Öffner“ für die Therapieräume werden zu lassen: 

Ruth Gschwendtner-Wölfle schickt „2 Flügeltüren mit Startrampe“ ins Rennen. Die zwei Türflügel sind beidseitig bearbeitet: Blau-Weiss-Schattierungen verweisen auf Himmel, Raum, Offenheit. Oben, auf der einen Seite, die deutsche Übersetzung eines hinten auf die lichte Stoffbahn geschriebenen tibetischen Texts – ein Zitat Buddhas, der an 9 Beispielen die Vergänglichkeit beschreibt, die, wie alle zusammengesetzten Phänomene, veränderlich sind, und zwar in jedem Augenblick, der mit dem „64tel eines Fingerschnalzens“ definiert ist. Der Zugang zur Weisheit liegt hinter Wolken und Bergen. Wer die blattvergoldete Klinke aktiv in die Hand nimmt, eröffnet sich eine neue Welt. Ein erster Schritt – nur wem die Schuhe zu schwer sind, wird sich aus ihnen lösen wollen, die Startrampe betreten, und eine Wandlung wagen …

Georg Viths Tür wird zur Camera Lucida. Titel und Verwendung dieses Zeicheninstruments gehen zurück auf eine Patentanmeldung des britischen Physikers William Hyde Wollaston aus dem Jahre 1806. Sie wurde hauptsächlich zum Zeichnen von Landschaften und Portraits verwendet. „Der Blick durch das Guckloch (oben) ist quasi der Blick durch das Schlüsselloch. Der veränderte Blick wird zu einem Schlüsselerlebnis, am Boden der Box zeigt sich die Abbildung der Umgebung“, so der Künstler.

Tochter Klara Vith nimmt die WC Tür und wandelt sie von einem funktionalen Objekt zu einer Metapher für Schwellen, Gewalt und Möglichkeiten des Zugangs. Auf den neuen Aluminiumschildern steht: ‚drücken‘, ‚klopfen‘, ‚eintreten‘ oder ‚aufbrechen‘.

WolfGeorg ist bekannt für seine Holzskulpturen und Bilder von Wölfen, er arbeitet im Atelier ARTquer von Erika Lutz. „Den Mond anheulen oder nach den Sternen greifen“ ist der offensichtliche Titel, auf der Vorderseite sitzt ein Wolf und heult den Mond an, auf der Rückseite funkeln viele vergoldete Sterne um die Wette. „Alles ist möglich“ nennt der Künstler die zweite Tür: der untere Teil ist durchbrochen und es kommt ein Wolf heraus. Oben durchbohren zwei Vögel die Tür, von einem sieht man nur das Vorderteil, vom anderen das Hinterteil, auf der Rückseite natürlich umgekehrt. Nichts ist wie es scheint, es ist viel mehr möglich, als man denkt. 

Peter Langebner besprayt drei Türen mit Lack und nennt die Installation „Im Rahmen der Türe“. Türen sind/zum aufmachen/oder/zumachen/oder/zu lassen/oder/offen sein – Türen entscheiden nicht. Ingrid Delachers „Gänseblümchen“ sind ebenfalls sehr poetisch. Kindheit, Bescheidenheit und Freude können assoziiert werden, und Ying Yang für die Licht- und Schattenseiten des Lebens. Roland Adlassnigg „möchte nie vollständig erwachen werden“. Die Tür steht offen, wer sich zum Durchgehen nicht kleiner macht, wird an seinem Spiegelbild mit dieser Aufschrift anstehen.

Alle Künstler haben die Türen mit ihren eigenen Bildbedeutungen gestaltet. Bei der Verni-Finissage werden die Kunstobjekte bei der Versteigerung noch einmal atmosphärisch aufgeladen und mit der Musik von Markus Kreil interpretiert.

Vernissage und Finissage „… aus den Angeln“ 
am 28. November 2025 um 18.00 Uhr
Ausstellung im Landhaus Bregenz im Foyer ab Dienstag 25.11.
Versteigerung der Exponate zugunsten der Initiative Spielraum Vorarlberg