Im Rahmen der nächsten Ausstellung der Künstler:innen-Vereinigung KunstVorarlberg zeigen sechs Künstlerinnen im Forum für aktuelle Kunst in der Feldkircher Villa Claudia Werke zum Thema „Im Spannungsfeld der Gegensätze“. Im Spiel mit Wahrnehmung, Material, Statik und Schwebe sind Arbeiten zwischen Leichtigkeit und Schwere, Realität und Täuschung entstanden. Gezeigt werden Bilder, Skulpturen, Figuren und Installationen aus unterschiedlichen Materialien. Die Werke bewegen sich zwischen figürlichen, abstrakten und transzendenten Formen und greifen gesellschaftliche Themen auf. Die Ausstellung, die von der mitausstellenden Künstlerin Renate Wittwer kuratiert wird, soll dazu einladen, Gegensätze neu zu betrachten und daraus neue Perspektiven entstehen zu lassen.
Die in Nüziders lebende und arbeitende Künstlerin Heidi Comploj etwa begreift Leichtigkeit und Schwere, Hell und Dunkel oder Transparenz und Opakheit nicht als Widersprüche, sondern als wechselseitige Gestaltungsmittel. Sie versucht, Räume zu entwickeln, in denen Stabilität und Instabilität sich miteinander verschränken und als fließende Zustände innerhalb eines kreativen Prozesses verstanden werden können. Ein zentraler Aspekt ihres Schaffens ist die bewusste Wahrnehmung des Flüchtigen. „In meinen Arbeiten widme ich mich gerne dem scheinbar Unscheinbaren. Das sind Fundstücke, die sich am Wegrand befinden und im Alltag oftmals übersehen werden“, beschreibt Comploj ihre künstlerische Haltung. Diese Fundstücke, sei dies nun eine Struktur, ein Lichtreflex oder eine zufällige Farbkombination, werden von ihr fotografisch festgehalten. Der digitale Prozess, die Bearbeitung am Computer, ist ein weiterer Teil der Werkentstehung. Besonders essenziell sei aber das „haptische Tun“, die direkte Auseinandersetzung mit Materialien, so die Künstlerin. Die Synthese aus digitaler Schnelligkeit und physischer Arbeit ermögliche es ihr, dass Sichtbares und Verdecktes, Zufall und Intention, Oberfläche und Tiefe eine symbiotische Verbindung eingehen.
Birgit Konzett präsentiert eine Werkgruppe, die das Verhältnis zwischen Struktur und Fragilität zum Gegenstand hat. Durch die Gegenüberstellung von skulpturalen Würfelformen und grafischen Arbeiten soll ein visueller Dialog erwachsen, der Kontrolle und Nachgiebigkeit in ein neues Licht rückt. Die Kubusse bestehen aus Draht- und Stahl und sind mit zartem Organza überspannt. Hierbei tritt die geometrische Strenge des Würfels in einen direkten Kontrast zur Durchlässigkeit des Stoffes. Dieses Zusammenspiel soll das Spannungsverhältnis von Struktur und Auflösung verdeutlichen. Ergänzt werden die Skulpturen durch grafische Arbeiten in Acryl und Tusche, die teils auf roher Leinwand ausgeführt sind. Handgenähte, gesetzte Stiche durchziehen die Fläche als sichtbare Eingriffe. Sie thematisieren Durchlässigkeit und die fragile Balance zwischen den Elementen.
Die aus Dänemark stammende und in Feldkirch lebende Künstlerin May-Britt Nyberg verweist anhand von drei Werkpositionen auf die Fragilität des Ökosystems. Da ist zum einen eine überdimensionale Skulptur einer Garnele aus Pappmaschee und zum anderen eine schwebende Installation aus zwanzig miniaturisierten Walen. Damit verkehrt Nyberg die Machtverhältnisse der Wahrnehmung und sie fordert die Betrachter auf, das vermeintlich Unbedeutende neu zu bewerten und die bedrohte Existenz der Meere zu sehen. Eine weitere Werkgruppe besteht aus vierzig Vogelfüßen aus Keramik, jeweils mit einer schwarzen Feder bestückt. Mit dem Spiel mit Dimensionen und Material will Nyberg eine Brücke zwischen Ästhetik und Ökologie schaffen und Narrative über das spannungsgeladene Verhältnis zwischen Mensch und Natur setzen.
Die in der Schweiz geborene und in Bludenz lebende Textildesignerin und Künstlerin Dorothea Rosenstock setzt im Zuge ihrer künstlerischen Praxis auf Materialien wie finnisches Papiergarn und Baumwolle. In ihren Objekten, die zumeisst am Handwebstuhl entstehen, nutzt Rosenstock die spezifischen Eigenschaften ihrer Materialien, um mit physikalischen Kräften zu experimentieren. Durch den Einsatz von Baumwolle, die durch ihr Eigengewicht gerade fällt, macht Rosenstock die Schwerkraft unmittelbar sichtbar und erlebbar. Eng gewebte, stabile Strukturen bilden das Gerüst ihrer Arbeiten. Diese feste Struktur tritt in einen bewussten Kontrast zu freien, hängenden Fäden und Kordeln.
Für die in Kärnten lebende Künstlerin Anna Rubin sind landschaftliche Dimensionen keine bloßen Hintergründe, sondern direkte Impulse für ihre Arbeit. Topografische Formationen, die Beschaffenheit der Umgebung und meteorologische Bedingungen wie etwa Windrichtung und Temperatur fließen in den Entwurfsprozess ein. Für die Ausstellung in der Villa Claudia erarbeitete sie mit gespannten Papierflächen, die mit Tusche gefärbt und mit Skizzen versehen wurden, eine Berglandschaft. Es geht bei ihr um nichts Geringeres als um Tragen und Abheben sowie um Schweben und gleichzeitiges Sein.
Die Polarität von Farben und Materialien und deren Gewichtung, um emotionale und inhaltliche Resonanzräume zu schaffen, stehen im Zentrum der Arbeiten der in Bludenz lebenden Künstlerin Renate Wittwer. In einer Werkgruppe zeigt Wittwer mit Folien überarbeitete Fotos, in einer zweiten wartet sie mit einem gemalten Diskurs zwischen Schwarz und Weiß und den vielen Graubereichen, einem Dazwischen also, auf. In der dritten Werkgruppe sind Zeitungen mit politischem Inhalt verdichtet. Erinnerungen werden komprimiert oder äußerlich durch Schnittmuster vereinfacht. Es gehe nie um die bloße Darstellung des Gegensätzlichen, sondern stets um dessen Verbindung und Synthese, betont die Künstlerin.
„Im Spannungsfeld der Gegensätz“
Heidi Comploj, Birgit Konzett, May-Britt Nyberg, Dorothea, Rosenstock, Anna Rubin und Renate Wittwer
KunstVorarlberg, Villa Claudia, Feldkirch
23.05.-21.06.2026
Eröffnung: 22.05., 19.00 Uhr. Einführung: Eugen Fulterer
Kuratorin: Renate Wittwer
Fr 16-18, Sa 15-18, So 10-12 u. 15-18