Die Installation „Kubus Export – Der transparente Raum” ist seit ihrer Aufstellung im Jahr 1999 ein besonderer Ort im städtischen Gefüge Wiens: Als Schwellenraum zwischen Innen und Außen verbindet sie Kunst- und Stadtraum miteinander. Der gläserne Kubus ist Skulptur und Architektur zugleich und bietet einen „sicheren Raum” in dem als unsicher geltenden Umfeld des Gürtels.
Mit der Installation „The Happy Medium“ nimmt die Künstlerin Francesca Aldegani Bezug auf diese Funktionen des Raumes und verwandelt ihn in einen überdimensionalen, transparenten Schrein. Der Titel spielt dabei mit den Bedeutungen des Begriffs „Medium“, der von der spirituellen Überbringerin von Botschaften bis zum künstlerischen, Inhalte vermittelnden Medium reicht. Francesca Aldegani versteht ihn als Einladung, sich auf das Positive und das Verbindende in der Kommunikation und im Austausch mit anderen zu konzentrieren.
„The Happy Medium“ ist ein temporäres „Anti-Monument“, das allen Frauen gewidmet ist. Es spricht weibliche Eigenschaften an, die im öffentlichen Raum üblicherweise keinen Raum einnehmen, nun aber im „Schutz“ des Kubus Export sichtbar werden. Elemente, die archaisch anmuten und an ein Totem erinnern, setzt die Künstlerin wie ein dreiteiliges, christlich-religiöses Andachtsbild humorvoll in Szene. Im Zentrum hängt eine gehörnte Totem-Figur aus Textil, Holz und Kupfer – eine Art Schutzgeist, der in zwei Richtungen blickt. Flankiert wird die Figur von zwei Bannern mit den Schriftzügen „Unable to Say No“ (Unfähig, Nein zu sagen) und „Able to Say Yes“ (Fähig, Ja zu sagen).
Die Künstlerin, die sich mit der Beseeltheit der Natur und der Dinge, mit Ökologie und Feminismus beschäftigt, hat die Materialien mit Bedacht gewählt: Kupfer, grobes Leinen und Äste sind in ihrer Herstellung oder Verwendung durch die Gesellschaft – einst wie heute – stark mit Frauen verknüpft. Sie stehen stellvertretend für das Wissen von Frauen, ihre soziopolitischen Lebensverhältnisse und ihre Perspektiven auf die Welt. So entstanden das 100 Jahre alte Bauernleinen und die zeitgenössischen afrikanischen Stoffe durch zeitintensive handwerkliche und industrielle Prozesse, die meist von Frauen ausgeführt wurden und werden. Laut Aldegani werden die verwendeten Materialien durch die Tätigkeiten buchstäblich aktiviert und transformiert und umgekehrt nehmen die Materialien Einfluss auf jene, die sie herstellen. „The Happy Medium” erzählt auch von diesen materiellen Kreisläufen, die menschliche und nicht-menschliche Akteure miteinander verbinden.
Francesca Aldegani, 1978 in Bergamo geboren, lebt und arbeitet in Wien. „The Space Around Me” ist ihr Pseudonym, das sich als Statement in ihrem künstlerischen Schaffen wiederfindet.
Aldegani forscht an den Schnittstellen von Animismus und Ökofeminismus und konzentriert sich auf intuitive und rituelle Aspekte künstlerischer Konzeption. Ihre textilen Skulpturen, experimentellen Gravuren und Installationen integrieren gefundene und gesammelte Materialien. Diese stammen aus industriellen und volkstümlichen Sphären ebenso wie aus ihrem privaten Umfeld und sollen ein animistisch basiertes Materialitätsverständnis erfahrbar machen.
Kunst im öffentlichen Raum Wien (KÖR Wien) bringt zeitgenössische Kunst in all ihren Facetten in den öffentlichen Raum der Stadt und ermöglicht einem breiten Publikum die Teilhabe an Kunst.
Zu den Aktionsfeldern gehören temporäre Einzelprojekte ebenso wie dauerhafte Kunst-und-Bau-Projekte für Wohnbauten, U-Bahn-Stationen und Bahnhöfe, Platzgestaltungen und Projekte im Bereich der Erinnerungskultur.
Francesca Aldegani, The Space Around Me
The Happy Medium, 2026
bis 5.7.2026
Ort: Kubus Export, Hernalser Gürtel 56, 1080 Wien
Kuratorin: Georgia Holz
Ein Projekt von KÖR Wien in Kooperation mit dem Frauenservice Wien (MA 57)