16. Juni 2011 - 1:38 / Ausstellung / Museum 
22. März 2011 19. Juni 2011

Seit 22. März 2011 präsentiert das Kunsthistorische Museum erstmals in Wien eine umfassende Schau über die Kunst der islamischen Welt. Ziel der Ausstellung ist es, den Besuchern einen Überblick über 1000 Jahre islamische Geschichte, über Reichtum, Vielfalt und Verbreitung der islamischen Kultur zu vermitteln und ihre künstlerische Entwicklung, die durch intensiven Austausch und Respekt gegenüber anderen Kulturen geprägt ist, zu dokumentieren: die gut 350 ausgewählten Objekte, von denen fast ein Drittel hier erstmals gezeigt wird, datieren aus dem 8. bis ins 18. Jahrhundert und entstanden in einem Kulturkreis, der sich von Spanien bis Indien und China erstreckte.

In der Ausstellung ist eine Fülle an künstlerischen Gattungen und Materialien vertreten – Textilien, und Metallarbeiten, Keramik und Glas, Miniaturen, illuminierte Koranhandschriften und Elfenbeinarbeiten, Stein, Holz und Schmuck. "Diese 350 Objekte führen uns die Fülle eines Jahrtausends islamischer Kunst vor Augen. Sie bestechen durch die Virtuosität der meist anonymen Künstler und die Kostbarkeit der Materialien und dokumentieren die Abfolge der wichtigsten Dynastien sowie der Macht und Kunstzentren: Damaskus und Bagdad, Kairo und Samarkand, Granada und Delhi begegnen uns hier", erklärt Generaldirektorin Sabine Haag. Die Sammlung ist das Werk von Sheikh Nasser al-Ahmad al-Jaber al-Sabah, dem Sohn des Emirs von Kuwait, und seiner Frau Sheikha Hussah Sabah al Salem al-Sabah, die sie 1983 dem Nationalmuseum von Kuwait als Dauerleihgabe zur Verfügung stellten.

Die umfangreiche Ausstellung ist in zwei Teile gegliedert: der erste Teil wird im Bassano Saal präsentiert und bietet den Besuchern eine in vier Kapitel unterteilte, chronologische Übersicht über die Entwicklung der islamischen Kunst von den frühen Anfängen des Islams bis zu den großen Reichen des 16. Jahrhunderts, den Osmanen, Safawiden und Mogulen. Der zweite Teil der Ausstellung füllt den gesamten Umgang des 2. Stocks. Er widmet sich ausgewählten Themen, die in der islamischen Kunst eine tragende Rolle spielen, und illustriert diese mit Hilfe von Objekten aus den verschiedensten Jahrhunderten und Regionen. Auch hier zeigt sich die Breite und Tiefe der islamischen Kunst ebenso wie die gegenseitige Befruchtung, über weite Distanzen und über Gattungsgrenzen hinweg. So gibt es beispielsweise Glas- und Bronzekannen, deren Formen sich gleichen oder geometrische Muster, die in verschiedenen Medien Anwendung fanden.

Die Ausstellung befasst sich in eigenen Kapiteln mit der Kalligraphie des arabischen Alphabets; mit geometrischen Mustern und Kompositionen, in denen die oft anonymen Künstler mit unnachahmlicher Meisterschaft mathematische Gesetze in Kunst verwandelten; mit der Arabeske - formal komponierte und sich endlos wiederholende florale Muster von außergewöhnlicher Virtuosität und Ausdruck nie enden wollender Phantasie; und mit der figurativen Kunst, wobei die wunderbaren Exponate dieses Abschnitts anschaulich dokumentieren, wie falsch das Vorurteil ist, im Islam gäbe es ein generelles Bildverbot. Den Abschluss bildet eine Auswahl an Moghulschmuck und juwelengeschmückten Dolchen. Die Kostbarkeit der Ausführung und die Farbenpracht der Edelsteine verleihen diesem Teil der Ausstellung den Charakter einer echten "Schatzkammer", deren einzigartige Exponate einen visuellen Höhepunkt und Abschluss dieser an Kostbarkeiten reichen Ausstellung bilden; sie dokumentieren den einzigartigen Reichtum der Bestände der Sammlung al-Sabah gerade in diesem Bereich auf hervorragende Weise. Eine kleine Auswahl an Münzen bietet den Besuchern einen chronologischen Wegweiser durch die islamische Geschichte.

In den speziell adaptierten Räumen des 2. Stocks des Kunsthistorischen Museums wird eine reiche Auswahl großer und kleiner Objekte von berauschender Schönheit gezeigt: prachtvoll illuminierte Koranhandschriften und erzählfreudige Miniaturen, die berühmte Werke der Literatur illustrieren, Marmorkapitelle mit Inschriften und Elfenbeinkästchen, die mit Vögeln und Pflanzen dekoriert sind, elegante Kannen aus Bronze und emaillierte Glasbecher in leuchtenden Farben und mit aufwendigem Dekor, Teppiche, Textilien, osmanische Samtstoffe, höfische Seiden und mittelalterliche Gewänder, Keramik, Kacheln, schwere Goldketten, riesige Edelsteine und Diamanten, Dolche mit Jadegriffen, die mit Rubinen und Smaragden verziert sind, Holztüren und gedrechselte Raumgitter, üppig dekorierte Wasserpfeifen, wissenschaftliche Instrumente und sogar Schachfiguren aus Bergkristall aus dem 9. Jahrhundert.

Die Ausstellung, die zuvor in Mailand gezeigt wurde, dokumentiert die Fülle der Kunst und Kultur der islamischen Welt und leistet somit einen wichtigen Beitrag zum Verständnis einer Zivilisation und ihrer Kunst, die durch ihren ständigen Kontakt mit anderen Kulturen – sei es der in Sizilien, in Spanien, im Iran, in Indien oder in China, entlang der Seidenstraße oder durch den Mittelmeerhandel – Entwicklungen und Veränderungen erfahren hat, und die sich deshalb auch als Zeugnis des wichtigen kulturellen Dialogs zwischen Ost und West versteht. Das wird auch im umfangreichen Rahmenprogramm zu dieser Ausstellung deutlich.

al-Fann
Kunst der islamischen Welt aus der Sammlung al-Sabah, Kuwait
22. März bis 19. Juni 2011

Kunsthistorisches Museum
Maria Theresien-Platz
A - 1010 Wien

T: 0043 (0)1 525 24-0
F: 0043 (0)1 525 24-503
E: info@khm.at
W: http://www.khm.at/

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Mauerzinne (möglicherweise von der Ummauerung eines Kenotaphs), Iran, 12. Jh. Fritte-Keramik mit opaker türkiser Glasur, 25 x 24 cm; © al-Sabah Collection Kuwait
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Glasbecher mit Darstellung von zwei Männern bei der Vogeljagd am Ufer eines Sees, Ägypten oder Syrien, 2. Hälfte 13. Jh. Emailliertes und vergoldetes Glas, H. 11,6 cm, Dm. 8 cm; © al-Sabah Collection Kuwait
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Teil einer Wasserpfeife, Indien, wahrscheinlich Dekkan, spätes 17. Jh. Weißgraue Jade, Rubine, Smaragde, Innenbehälter: verzinntes Kupfer, H. 19,6 cm, Dm. 18 cm; © al-Sabah Collection Kuwait
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Blatt aus einem Album, das einen Miniaturmaler bei der Arbeit zeigt. Nordindien, frühes 17. Jh. Tusche, Malerei und Gold auf Papier, 33 x 27,3 cm. © al-Sabah Collection Kuwait
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Deckeldose mit Einhörnern, Vögeln und Pflanzenmotiven. Spanien, unterer Teil frühes 11. Jh., Deckel und Fassung spätere (aber nicht moderne) Ergänzungen. Elfenbein, bemalt, Fassung: Bronze, H. 10 cm, Dm. 7,5 cm. © al-Sabah Collection Kuwait