25. April 2021 - 15:46 / Christiane Meyer-Stoll / Aktuell / Kunst am Sonntag 

Eduardo Chillida zählt zu den wegweisenden Bildhauern des 20. Jahrhunderts. Zu seiner weltweiten Präsenz tragen besonders seine Monumente für den öffentlichen Raum bei, sei es in Berlin vor dem Bundeskanzleramt, sei es in Houston, Barcelona, Paris oder in Liechtenstein. Seine Skulpturen besitzen eine starke symbolische Kraft, vielfach sind sie humanistischen Werten gewidmet wie der Toleranz, der Brüderlichkeit, dem Dialog oder der Freiheit, wie das Tor der Freiheit II. Und sie entstehen aus einer engen Verbundenheit mit der Natur: Es sind zumeist der Wind, das Meer oder der Horizont, die ihn inspirieren.

Dabei versucht er sich den Gesetzen der Geometrie, der Symmetrie als auch der Schwerkraft zu entziehen. Sein Grundthema ist der Raum im Zusammenspiel mit Zeit und Materie. "Ist die Materie nicht auch ein Raum, nur eben ein langsamerer Raum?" Es ist die Dialektik von Masse und Leere, die in seinem Werk den Raum in seinen tiefen Dimensionen erfahrbar werden lässt. Raum ist für ihn nichts Abstraktes, sondern etwas Konkretes und Körperhaftes. Erfüllt von Leben, Bewegung und Rhythmen. "Der Raum ist das Lebendigste von allem, was uns umgibt. Er ist wie der Geist."

Als Chillida die Skultpur "In La Puerta de la Libertad II" schuf, die sich heute in der Sammlung des Kunstmuseums Liechtenstein befindet, war er fast 60 Jahre alt. Bei dieser Arbeit spielt er mit dem Motiv sich öffnender Türflügel. Zwei kompakte Stahlplatten werden über zwei Winkel miteinander verbunden, der untere Winkel verlängert die Richtung der Stahlplatten, der obere richtet sich nach innen und verläuft somit in gegenläufiger Richtung. Es entsteht ein – über leicht asymmetrisch angeordnete Winkel – leerer Innenraum. Assoziationen an den Eingang eines Hauses oder einen Schiffsbug mögen aufscheinen. Dieses sich öffnende Tor changiert zwischen Positiv- und Negativform, zwischen gestalteter und ungestalteter Form, zwischen Innen- und Aussenraum. Durch die dunklen Stahlplatten öffnet sich die lichte Mitte, die den Blick in die Weite der Umgebung fokussiert. Ein Tor, das uns einlädt nachzudenken über innere und äussere Freiheit, über Zeit und Raum, über die Grenzen des Augenblicks, über das Unmessbare.
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 Chillida Eduardo - La Puerta de la Libertad II, 1984, Cortenstahl   (© Kunstmuseum Liechtenstein)
Chillida Eduardo - La Puerta de la Libertad II, 1984, Cortenstahl (© Kunstmuseum Liechtenstein)