15. Oktober 2020 - 10:05 / Aktuell 

In der Schweiz erzielen die mehr als 63'000 Kultur-Unternehmen mit insgesamt über 300'000 Kulturschaffenden, die überdurchschnittlich gut ausgebildet und im Vergleich zur Gesamtwirtschaft weiblicher sind, jährlich eine Wertschöpfung von rund 15 Milliarden Franken oder 2,1 Prozent des jährlichen Bruttoinlandsproduktes. Dies geht aus der neuen Statistik des schweizerischen Bundesamts für Statistik (BFS) zur Kulturwirtschaft in der Schweiz hervor, die das BFS im Auftrag des Bundesamts für Kultur (BAK) erstellt hat.

Die angewendete Synthesestatistik orientiert sich dabei an europaweit akzeptierten Definitionen und basiert auf existierenden Erhebungen des BFS. Dabei werden nicht nur traditionelle Kulturbereiche wie etwa Kulturerbe oder bildende Kunst zur Kultur gerechnet, sondern beispielsweise auch Architektur oder Werbung. Die Kulturwirtschaftsstatistik liefert Informationen sowohl zu den Kulturbetrieben als auch zu den Kulturschaffenden. Sie umfasst die Jahre bis und mit 2019 und zeigt die längerfristigen Entwicklungen der Kulturwirtschaft vor der Coronakrise auf.

Jedes zehnte Unternehmen gehört zum Kultursektor

Im Jahr 2018 umfasste der Kultursektor demnach 63'639 Unternehmen und 66'122 Arbeitsstätten (Filialen oder Produktionsstandorte). Im Vergleich zur gesamten Volkswirtschaft (609'000 Unternehmen, 687'000 Arbeitsstätten) macht der Kultursektor einen Anteil von ca. 10,5 Prozent der Unternehmen bzw. 9,6 Prozent der Arbeitsstätten aus. Den grössten Kulturbereich repräsentieren die Bildenden Künste mit einem Anteil an allen Kulturunternehmen von rund 30 Prozent, gefolgt von der Architektur (21 Prozent) und den Darstellenden Künsten mit 16 Prozent.

2018 zählten die Betriebe im Kultursektor 234'494 Beschäftigte, was 161'433 Vollzeitäquivalenten (VZÄ) entspricht. Der Anteil der Beschäftigten im Kultursektor am Total aller Beschäftigten (5,2 Millionen bzw. 4,1 Millionen VZÄ) ist mit 4,5 Prozent deutlich kleiner als der Anteil der Kulturunternehmen an der Gesamtwirtschaft. Die Unternehmen im Kultursektor haben im Durchschnitt deutlich weniger Beschäftigte als die in der Gesamtwirtschaft. Dies zeigt sich auch bei der Rechtsform: Weit mehr als die Hälfte der Kulturunternehmen (62,2 Prozent) sind Einzelfirmen.

Kultur macht 2,1 Prozent des BIP aus

Die Wertschöpfung des Businesssektors der Kultur (d.h. die Unternehmen ohne öffentliche Verwaltung und private Organisationen ohne Erwerbscharakter) betrug im Jahr 2018 insgesamt 15,2 Mrd. Franken zu laufenden Preisen. Dies entspricht 2,1 Prozent des Bruttoinlandprodukts (BIP). Den grössten Anteil der Wertschöpfung der Kultur machen dabei die Gruppen Buch und Presse, Audiovision und Multimedia sowie Kulturerbe und Architektur aus. Zum internationalen Vergleich: Die EU-Statistikbehörde Eurostat wies 2017 für die EU-27 Mitgliedstaaten einen Wert von 2,3 Prozent aus.

Die Entwicklung der Wertschöpfung des Kultursektors war in den letzten Jahren je nach Bereich unterschiedlich. Sie war 2018 inflationsbereinigt deutlich tiefer als 2011 und schrumpfte im jährlichen Durchschnitt um 1,3 Prozent; das BIP ist im gleichen Zeitraum inflationsbereinigt um +2,0 Prozent pro Jahr gewachsen. Dies wurde insbesondere durch den negativen Verlauf des Bereichs Buch und Presse verursacht. Positiver entwickelten sich die Architektur sowie die Gruppe Werbung, Kunsthandwerk und Kulturunterricht.

Insgesamt über 300'000 Kulturschaffende in der Schweiz

Im Jahr 2019 gab es in der Schweiz 312'000 Erwerbspersonen, die "Kulturschaffende" im breiteren Sinne sind. Damit gemeint sind alle Personen, die im Kultursektor arbeiten, egal ob sie einen kulturellen Beruf ausüben oder nicht, sowie solche, die einem Kulturberuf ausserhalb des Kultursektors nachgehen. Diese Zahl entspricht 6,3 Prozent der Erwerbspersonen in der Schweiz. Im internationalen Vergleich liegt die Schweiz damit am oberen Ende der Tabelle, zusammen mit Ländern wie Island, Malta, Estland, Luxemburg oder Finnland. Ein Drittel (32 Prozent) der Kulturschaffenden ist ausserhalb des Kultursektors tätig.

Die Kulturschaffenden sind eine gut ausgebildete Kategorie von Erwerbspersonen: 2019 hatte die Mehrheit (56 Prozent) einen tertiären Abschluss, gegenüber 42 Prozent bei allen Erwerbspersonen. Die Kulturwirtschaft ist ferner eher weiblich. Mit 51 Prozent war der Anteil Frauen an den Erwerbspersonen 2019 höher als in der Gesamtwirtschaft (47 Prozent). 2019 waren zudem 28 Prozent der erwerbstätigen Kulturschaffenden selbständig, dies sind deutlich mehr als in der Gesamtwirtschaft (13 Prozent).

Starke Ungleichheiten zwischen Mann und Frau bei beruflicher Stellung und Lohn

Unter den Kulturschaffenden waren 2019 30 Prozent Mitglied der Direktion ihres Betriebs oder hatten eine Vorgesetztenfunktion inne, in der Gesamtwirtschaft waren es 33 Prozent. Hierbei gibt es etwa gleich grosse Geschlechterunterschiede wie in der Gesamtwirtschaft: 36 Prozent der männlichen Kulturschaffenden haben eine Direktions- oder Kaderfunktion, gegenüber 24 Prozent bei den Frauen. Diese Unterschiede sind besonders ausgeprägt in den Bereichen Kulturunterricht (Differenz: 20 Prozentpunkte), Architektur (Differenz: 19 Prozentpunkte) sowie Buch und Presse (Differenz: 17 Prozentpunkte).

Während in der Gesamtwirtschaft der monatliche Medianbruttolohn 2018 bei 6857 Franken für die Männer und 6067 Franken für die Frauen lag, verdienten männliche Kulturschaffende im Kultursektor 7356 Franken, weibliche hingegen 6088 Franken. Dies ist rund 17,2 Prozent tiefer; in der Gesamtwirtschaft sind es 11,5 Prozent weniger. Diese Lohndifferenz zwischen Frauen und Männern ist ausgeprägt in Bereichen wie Buch, Presse und Multimedia (–23,1 Prozent für die Frauen) sowie in Kulturerbe und Architektur (–17,1 Prozent), wobei Unterschiede hinsichtlich Qualifikation, Funktion, Erfahrung etc. nicht berücksichtigt und Betriebe mit weniger als drei Mitarbeitenden sowie Selbständigerwerbende nicht erfasst werden.



Nebenschauplatz des Zürcher Schauspielhauses: der Schiffbau (Bild: Berger at German Wikipedia/ CCO)
Nebenschauplatz des Zürcher Schauspielhauses: der Schiffbau (Bild: Berger at German Wikipedia/ CCO)